Alzheimer-Bluttests: Hohe Fehlerrate sorgt für unnötige Ängste

Neue Bluttests zur Alzheimer-Früherkennung klingen vielversprechend, doch die Realität ist ernüchternd: Bei jedem zweiten positiven Ergebnis liegt der Test falsch.

Ab Herbst will Roche einen Alzheimer-Bluttest in Hausarztpraxen anbieten. Der Test soll mit hoher Sicherheit die Krankheit ausschließen können – doch was passiert bei einem positiven Ergebnis?

Das Problem der falschen Alarme

Der Roche-Test hat einen positiven Vorhersagewert von nur 46 Prozent. Das bedeutet: 54 Prozent derjenigen, bei denen der Test anschlägt, haben tatsächlich keine Alzheimer-Erkrankung. Bei einem typischen Hausarzt-Szenario verschlechtert sich das Verhältnis dramatisch.

Rechnet man mit einer realistischen Alzheimer-Häufigkeit von 11 Prozent in Hausarztpraxen, zeigt sich ein besorgniserregendes Bild: Auf eine Person mit korrektem positivem Ergebnis kommen fast drei Menschen mit falschen Testergebnissen – 73 Prozent der positiven Tests wären demnach Fehlalarme.

Tausende unnötig in Angst versetzt

Bei 100.000 getesteten Personen würde der Test bei 24.920 Menschen fälschlicherweise Alzheimer anzeigen. Diese Menschen und ihre Angehörigen würden unnötig in Angst versetzt, müssten weitere belastende Untersuchungen über sich ergehen lassen und könnten Probleme bei Versicherungsabschlüssen oder Führerscheinverlängerungen bekommen.

Kritik von Experten

Professor Edo Richard und Kollegen kommen im British Medical Journal zu einer ernüchternden Bilanz: Die beworbenen Vorteile der Alzheimer-Bluttests werden „durch keine empirischen Belege gestützt“. Es fehlen Daten darüber, ob die Tests den Patienten tatsächlich helfen oder ihr Wohlbefinden steigern.

Besonders problematisch: Die Qualitätsstandards für diese Tests wurden von einer „Globalen CEO Initiative“ definiert, deren 35 Mitglieder fast alle finanzielle Verbindungen zu Biotech-Unternehmen haben, die solche Tests vermarkten.

Warnung vor breitem Einsatz

Alzheimer-Bluttests mögen in spezialisierten Demenz-Ambulanzen ihren Platz haben, für das breite Screening in Hausarztpraxen sind sie jedoch problematisch. Experten warnen davor, die Tests bei gesunden Menschen einzusetzen, die lediglich Sorgen wegen ihres Gedächtnisses haben. Die Gefahr unnötiger Ängste ist zu groß.

Quellen

Infosperber 13.09.2025 – Neue Alzheimer-Tests liegen erschreckend oft daneben

SRF 22.07.2025 – Wie umgehen mit neuen Alzheimer-Bluttests?