Apertus ist das offene Schweizer Sprachmodell von ETH Zürich, EPFL und dem Supercomputing-Zentrum CSCS in Lugano. Laut ETH-Mitteilung vom 17. September 2026 ist es neu im KI-Assistenten Lumo von Proton verfügbar. Nutzer können es auswählen und den Forschenden freiwillig Feedback geben.
Hinter Lumo steht das Schweizer Unternehmen Proton. Mit Apertus 1.5 erhalten die Forschenden erstmals Rückmeldungen aus der breiten Nutzung. Europa nimmt das Projekt wegen seiner Offenheit und Rechtskonformität ernst, die Leistung der Spitzenmodelle erreicht es aber bisher nicht.
Nutzerfeedback schliesst eine Lücke offener Hochschulmodelle
Konzerne verbessern ihre Modelle mit den Bewertungen von Millionen Nutzern. Hochschulmodellen fehlen solche Daten bisher. Lumo-Nutzer geben ihr Feedback freiwillig und anonymisiert weiter. Ihre Chats bleiben laut ETH durch eine Zero-Access-Verschlüsselung privat. Projektleiter Imanol Schlag spricht von einem Wendepunkt.
Offenheit und Rechtskonformität sind die eigentlichen Stärken
Apertus erscheint unter der Lizenz Apache 2.0. Trainingsdaten und Quellcode sind im technischen Bericht dokumentiert, sodass sich das Modell prüfen und anpassen lässt. Laut Lattice Flow AI erfüllt es als erstes grosses Modell die Transparenzpflichten des EU AI Act. Swisscom und Infomaniak setzen es bereits ein.
Hohe Rechenleistung von Alps reicht für die Spitze nicht aus
Ohne den Supercomputer Alps am CSCS gäbe es Apertus nicht. Bis zu 4096 Grafikkarten rechneten drei Monate lang am Modell. Führende US-Labore arbeiten mit deutlich grösseren Clustern, und xAIs Colossus in Memphis umfasst nach Angaben von xAI und NVIDIA mindestens 200 000 Grafikkarten. Wie brauchbar ein Modell wird, hängt zudem von der Datenqualität und vom Nachtraining ab. Hinzu kommen Rückmeldungen aus dem Alltag, und genau dort setzt die Partnerschaft mit Lumo an.
Bei Wissen und Logik liegt Apertus zurück
Schlag ordnete das Modell beim Start auf dem Niveau von Llama 3 ein. Laut technischem Bericht erreicht die 70B-Version bei Wissens- und Denkaufgaben tiefere Werte als Llama-3.3-70B oder Qwen2.5-72B. Zum Start nannte Apertus zudem frei erfundene Bundesräte. Eine Marktübersicht für Unternehmen zitiert Swisscom mit der Aussage, dass kein Schweizer Modell die Anforderungen eines Konsumentenprodukts voll erfülle. Unabhängige Tests zu Version 1.5 gibt es bislang kaum.
Souveränität verlangt Konkurrenzfähigkeit
Eamonn Maguire von Proton sagt, eigene KI genüge nicht. Sie müsse so gut sein, dass Menschen sie tatsächlich nutzen. Ob das Feedback den Abstand verkleinert, zeigen erst kommende Versionen. Angaben zur Nutzung stammen bislang von den Beteiligten selbst.
Quellen
- ETH Zürich – Medienmitteilung zur Partnerschaft mit Lumo
- Swiss AI Initiative – Technischer Bericht zu Apertus
- NVIDIA – Medienmitteilung zum xAI-Cluster Colossus
- Marketingautomation.tech – Vergleich offener Sprachmodelle 2026 mit Swisscom-Aussage