Bin ich im falschen Film oder wo?

Geschrieben am 06.04.2004 um 13.59 von hinterwaeldler

Suedkurier.de – Fluglärmforum

Ich wohne in Nenzingen in der Hegau und damit mitten in diesem „Fluglärmgebiet“. Wenn ich hier so manchen vor mir geschriebenen Beitrag lese, erhalte ich den Eindruck, die in Zürich landenden Flugzeuge fliegen unmittelbar über den Wohnhäusern und Köpfen der Betroffenen hinweg. Nur ihren Wohnort verraten sie uns nicht oder behalten ihn aus Angst vor Schikanen für sich.

Diese Belästigung durch den Lärm der Verkehrsflugzeuge kann ich jedoch keinesfalls bestätigen. Mein Gehör scheint noch in Ordnung zu sein, denn auf alle Fälle höre ich die Autos auf der „Stockacher Aachtalbrücke“ und das Förderband des Kieswerkes über die Stockacher Aach. Beides in ca. 1km Entfernung. Die in sehr großer Höhe fliegenden Verkehrsflugzeuge werden merkwürdiger Weise von dieser Geräuschkulisse auch nachts übertönt oder diese Flugzeuge machen einen sehr großen Bogen um unsere Gemeinde. Möglich ist auch, daß die Hegau mit „Ob Eck“ & Tutlingen verwechselt wird.

Von den lärmenden Fluzeugen fallen mir eher die privaten Sport- und Reiseflugzeuge auf, welche auf den Flugplätzen rings um den Bodensee starten und landen. Diese sind jedoch offensichtlich von den Schreiberlingen nicht gemeint. Wenn ich nicht in den unbewölkten Himmel schaue, würde ich sagen: Es befinden sich in der Hegau nicht mehr und nicht weniger Flugzeuge in der Luft, wie überall in Deutschland.

Wird das ganze Problem nicht ein wenig hoch gespielt und das von Leuten, die davon nicht einmal betroffen sind? Einfach so aus Prinzip am Meckern? Zumindest habe ich beim Lesen einiger Beiträge diesen Eindruck gewonnen. Hier wird ganz offensichtlich Stimmung gegen unsere südlichen Nachbarn gemacht, dabei haben wir zu diesen ein sehr gutes Verhältnis und viele von uns finden dort einen sicheren und und viel besser bezahlten Arbeitsplatz. Ich bin eher zur Behauptung geneigt, ein paar Gemeindevorstände der Hegau glauben aus dieser Richtung einen warmen (Fränkli-)Regen zu erwarten. Dem Unserem habe ich zu Beginn der öffentlichen Diskussion vor zwei Jahren aufgefordert, sich wenistens der Stimme zu enthalten.

Um es einigen Leuten mal schlichtweg zu sagen: Die Schlacht zwischen der Hegau und der Aargau im Moorgarten hat 1315 ihr eindeutiges Ende gefunden. Siehe dazu auch http://www.fasnacht-stockach.de/. Da jedoch heute niemand mehr weiß, wie dieser Kampf ausgegangen ist, wird er nun entsprechend der Tradition jedes Wochenende bei Aldi und Lidl wiederholt. Zumindest sieht es bei Geschäftsschluß so aus. Das ist aber ein anderes Thema. Es geht nur uns an und wird von uns mit einem Lächeln quittiert.

Diese schon von (wörtlich) „hoher krimineller Energie“ schreibenden „Betroffenen“ sollten auf alle Fälle bedenken: Der Züricher Flughafen ist auch für die im Hegau wohnenden Menschen der nächstgelegene Großflughafen und dessen Angebote werden gern von ihnen genutzt. Ist das diesen „Betroffenen“ nicht bekannt?

Bei uns in Nenzingen gibt es viel größere Lärmquellen. Zwei habe ich schon genannt. Eine weitere wäre zum Beispiel unsere sich auf dem Nachbargrundstück befindliche Kirche (35m Entfernung!). An ganz normalen Werktagen schlagen deren Glocken ungelogen rund 4000 Mal (in Worten: viertausend) täglich. Schon morgens früh 6.01 Uhr geht es mit 140 Schläge los und das in einer Lautstärke, welche nur bei geschlossenen Fenster erträglich ist. Selbst noch zur Mitternacht sind es 24 Schläge. Wer mehr darüber wissen will besucht meine Homepage http://www.hinterwaeldlers-home.de/.

Ich betone auch hier an dieser Stelle: Dieses Läuten der Glocken hat nur sehr wenig mit dem Glaubensbekenntnis der Einwohner unserer Gemeinde zu tun. Anders ausgedrückt: Wer nach 30 Sekunden Glockengeläut nicht zur Kirche eilt, wird es auch nach 3 Minuten nicht tun. Oder? Ebenso haben die alltäglichen 4000 Schläge wenig mit dem so genannten Angelusläuten gemeinsam, dazu gibt es nämlich eindeutige Regeln der badischen Kirchen.

Noch schlimmer wird es an Sonn- und Feiertagen oder beim „Zusammenläuten“ zu besonderen Anlässen. Dort sind es schnell mal 1500 Schläge am Stück und das mehrmals innerhalb einer Stunde. Dann auch in einer Lautstärke, in der sich Haus- und Wildtiere, sowie Singvögel, aber auch Menschen angstvoll aufgeschreckt irgendwohin verstecken, um diesem fürchterlichen Lärm zu entgehen. Diese Glocken lassen uns an besonderen Feiertagen morgens gegen 7 Uhr im Bett stehen!!! Ehrlich, da zittern die Gardinen am offenen Fenster. Igel, Sing- und Greifvögel tun es danach so, wie der Pfarrer unserer Gemeinde: Sie verlassen diese Wohngegend! Was aber sollen wir tun?

Vogelgezwitscher im Frühling hören wir selten aus den Bäumen rund ums Haus, sondern nur aus der Ferne. Dafür gibt es aber genügend Feldmäuse, Nacktschnecken und anderes Ungeziefer in „Nachbars“ Garten. Das kennt keine Grundstücksgrenzen und fühlt sich offensichtlich nicht allzu sehr vom Lärm belästigt.

Über solche Probleme sollten wir ernstlich nachdenken und sprechen! Und was noch wichtiger ist: Diese können innerhalb weniger Stunden gelöst werden! Bitte etwas mehr Toleranz von allen Seiten wünscht sich der

Hinterwäldler.