Breite Streuung der Flugwege infolge 5000ft-Regel

06.05.2019

Immer wieder taucht die Frage auf, warum abseits der bekannten Flugrouten geflogen wird. Die Antwort ist recht interessant, auch für jene Anwohner, welche die 5000ft-Regel bereits kennen.

An zwei Tagen im April 2019 wurden recht fantasievolle Flugrouten im Süden von Zürich durch verschiedene Einwohner festgestellt. Deshalb wandte sich Ursula Hofstetter auf der Forch an Lärmmanagement & Anwohnerschutz des Flughafens Zürich und bat um eine stichhaltige Erklärung.

Ursula Hofstetter: Diese Flugrouten sind sehr fantasievoll, hat die Flughafen Zürich AG ein neues Betriebsreglement eingeführt?

Lärmmanagement & Anwohnerschutz des Flughafens Zürich

Sehr geehrte Frau Hofstetter

Nein, der Flughafen hat kein neues Betriebsreglement eingeführt. Die Flugzeuge können jedoch gemäss der 5000ft-Regel von den üblichen Flugrouten abweichen, sobald diese eine Höhe von 5000 Fuss (ca. 1500m über Meer) erreicht haben. Diese Regel gilt tagsüber.

Nachts kann erst ab einer Flughöhe von ca. 2500m über Meer von den üblichen Flugrouten abgewichen werden. Diese Regel wird von der Flugsicherung häufig angewendet, um einerseits Flugwege abzukürzen und Treibstoff und Zeit zu sparen, führt aber andererseits zu einer breiten Streuung der Flugwege.


Ursula Hofstetter

Vielen Dank für Ihre Antwort auf meine Anfrage. Als Anfangs 2000 Südstarts wegen Renovationsarbeiten stattgefunden haben, wurden diese fadengerade auf einer Spur geführt.

Nun werden die Flugrouten dieser Starts bei niedriger Flughöhe von Skyguide situativ gewählt und gezielt verteilt.

Ein geschickter Schachzug, denn die optimale Verteilung des Fluglärms verhindert dank des Leq 16 Entschädigungszahlungen. Diese Streuung regt zum Nachdenken an, verlangt sie doch von den ohnehin schon überlasteten Fluglotsen Mehrarbeit und zusätzliche Konzentration.

Gemäss Ihrer Erläuterungen spart diese Streuung u.a. Zeit, man kann sich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass in diesem Fall Zeitersparnis höher gewichtet wird als Sicherheit, dies wenn man den altbekannten Personalnotstand bei Skyguide in Betracht zieht.

Zudem rechtfertigen Sie diese Streuung mit kürzeren Flugwegen und des damit eingesparten Kerosins. Kürzere Flugwege und Kerosineinsparungen könnte man ohne zusätzliche Mehrarbeit der Fluglotsen mit der Wiederherstellung der Nordausrichtung erreichen. Jeder einzelne Jet im Südanflug muss bei der Landung in Kloten einen Umweg von 70 km fliegen.

Kommentar

5000ft-Regel

Aktuelles Betriebsreglement 2017

D. An- und Abflugverfahren, Art. 18 Ausnahmen

Die Luftfahrzeugführer dürfen aus Gründen der Sicherheit von
den veröffentlichten Verfahren abweichen.

Mit Bewilligung der Flugverkehrsleitung kann bei Erreichung folgender
Höhen von den zugeteilten Standard-Instrumentenabflugwegen
abgewichen werden:

a) Während des Tages bei über 5000 ft AMSL;
b) Nachts ab Flugfläche 80.

Vorbehalten bleiben ferner vorübergehend angeordnete Abweichungen
von den veröffentlichten Verfahren gemäss Art. 27 VIL.

Gesuch für die Betriebsreglementsänderung 2014 der FZAG

2. Beantragte Änderungen im Detail

2.1 Betriebsreglementstext

e. Anpassung der FL80-Regel (Anhang 1, Art. 18)

Früher durfte die Flugsicherung Flugzeuge bei Erreichen von 5000ft ü.M. grundsätzlich abweichend von den zugeteilten Instrumentenabflugwegen führen (5000ft-Regel), um dadurch insbesondere direktere Flugwege zu ermöglichen oder aber auch Flugzeuge frühzeitig separieren zu können. Mit Umsetzung des vBR per 30. Juni 2011 wurde die 5000ft-Regel während der Nacht zwischen 22.00 Uhr und 06.00 Uhr durch die FL80-Regel (8000ft ü.M.) ersetzt. Diese aus Lärmschutzgründen eingeführte Regelung führte jedoch dazu, dass Flugzeuge, die früher in der Nacht nach dem Start auf den Pisten 32 und 34 nach Norden rechts Richtung der östlich liegenden Destination abdrehten, neu mit einer Linkskurve zurück über den Flughafen und erst dann Richtung Osten geführt werden. Dadurch wird der Anflugsektor auf die Piste 28 grossräumig umflogen, da bei sich anbahnenden Konflikten bis 8000ft ü.M. keine Flexibilität mehr gegeben ist. Als Folge davon werden seit der Einführung der FL80-Regel im flughafennahen Gebiet nach 22 Uhr viel dichter besiedelte Gebiete überflogen.

Mit der beantragten Änderung des Betriebsreglements sollen diese negativen Auswirkungen der FL80-Regel so weit als möglich rückgängig gemacht werden unter gleichzeitigem Erhalt der positiven Seiten, nämlich der grösseren Konzentration der Flugspuren auf den publizierten Routen. Im Grundsatz wird an der FL80-Regel festgehalten, es wird dem Flugverkehrsleiter aber gleichzeitig ermöglicht, sich anbahnende Konflikte taktisch zu lösen, indem er Flugzeuge in diesem Fall abweichend von der Startroute führen kann. Dies ist im Übrigen eine weitere Massnahme aus der Sicherheitsüberprüfung, wird doch durch die notwendige Flexibilität auch die Arbeit für die Flugverkehrsleiter vereinfacht.