China schlägt Elon Musks Neuralink: Weltweit erstes kommerzielles Hirnimplantat zugelassen

Ein querschnittsgelähmter Patient mit einer schweren Halswirbelverletzung konnte nach mehr als einem Jahrzehnt der Lähmung wieder selbstständig eine Tasse halten und trinken – dank einer minimalinvasiven Gehirn-Computer-Schnittstelle namens NEO.

China hat damit Geschichte geschrieben: Die nationale Arzneimittelbehörde (NMPA) hat NEO für den kommerziellen Einsatz zugelassen. Entwickelt vom Shanghaier Unternehmen Neuracle Medical Technology, ist es die weltweit erste Gehirn-Computer-Schnittstelle (BCI), die für Patienten ausserhalb streng kontrollierter klinischer Studien freigegeben wurde.

Wie funktioniert NEO?

Anders als Elon Musks Neuralink, das Tausende feine Elektroden direkt ins Hirngewebe einführt, verfolgt NEO einen deutlich schonenderen Ansatz. Das Gerät besteht aus einem münzgrossen drahtlosen Implantat im Schädelknochen mit lediglich acht Elektroden, die sanft auf der äusseren Schutzschicht des Gehirns aufliegen – ohne ins Gewebe einzudringen.

Das Implantat hat keinen eigenen Akku. Stattdessen empfängt es über eine magnetische Spule auf der Kopfhaut kabellos Strom und überträgt Daten.

Sobald der Nutzer sich vorstellt, seine Hand zu bewegen, erfassen die Oberflächenelektroden elektrische Signale aus dem sensomotorischen Kortex. Ein angeschlossener Computer entschlüsselt diese Gedanken in Echtzeit und sendet dann einen Befehl an einen weichen pneumatischen Robotikhandschuh, den der Patient trägt. Dieser fungiert als künstliche Muskulatur und ermöglicht das Greifen von Gegenständen.

Das Gehirn lernt sich selbst zu heilen

Das Bemerkenswerteste an NEO ist nicht nur die Steuerung des Handschuhs – das System scheint das Nervensystem tatsächlich zur Selbstheilung anzuregen. Über neun Monate nutzte einer der querschnittsgelähmten Patienten NEO zu Hause und erzielte dabei eine hundertprozentige Erfolgsrate beim Bewegen von Gegenständen. Er gewann zudem die Fähigkeit zurück, alltägliche Aufgaben wie Essen und Trinken selbstständig zu erledigen.

Die kontinuierliche Wiederholung – sich eine Bewegung vorzustellen und zu spüren, wie der Handschuh sie ausführt – löste eine neurologische Umstrukturierung aus. Elektrische Signale an der Verletzungsstelle des Rückenmarks begannen sich tatsächlich zu erholen. Am Ende der Studie konnte der Patient Gegenstände auch dann halten, wenn die BCI ausgeschaltet war. Er erzielte einen Zuwachs von 27 Punkten auf einer Standardskala zur Messung motorischer Armfähigkeiten.

Insgesamt wurden 32 Personen mit dem Gerät versorgt, und alle konnten mit Hilfe des Handschuhs die Greifbewegung ausführen.

Wettlauf um die Neurotechnologie

Die Zulassung fällt passend mit Chinas aktuellem Fünfjahresplan (2026–2030) zusammen, der 17 Schritte zur Führung in der BCI-Branche vorsieht und diese offiziell als Zukunftsindustrie ausweist.

In den USA navigieren Unternehmen derweil noch durch langwierige Regulierungshürden. Neuralink hatte Stand Januar 2026 erst 21 Studienteilnehmer. Kein BCI-Gerät ist dort bisher kommerziell zugelassen.

Aktuell ist NEO für Patienten zwischen 18 und 60 Jahren mit Lähmungen durch Rückenmarks- oder Halsverletzungen zugelassen. Die Forscher planen bereits klinische Studien für weitere Anwendungen, unter anderem für durch Schlaganfall verursachte Lähmungen – noch in diesem Jahr.

Quelle

ZME Science 23.03.2026 – China Beat Elon Musk’s Neuralink to Approve the World’s First Commercial Brain Implant