Den Gemeinden schwant Böses

Glattaler 26.10.2018

Dübendorf: Der Bund arbeitet zurzeit an einem so genannten SIL-Objektblatt für den Flugplatz Dübendorf. Dieses regelt, welche Infrastruktur der Flugplatz künftig haben soll – und befasst sich somit implizit auch mit der brisanten Frage, ob auf diesem Business Jets verkehren werden.

Definitiv fest steht noch nichts, aber die Tendenz betreffend der künftigen Entwicklung des Flugplatzes Dübendorf scheint doch deutlich in eine bestimmte Richtung zu zeigen. Und diese Tendenz vermag bei den Flugplatz-Standortgemeinden keine Begeisterung auszulösen, im Gegenteil: Von «Befürchtungen» und «Irritationen» ist in der jüngsten Medienmitteilung die Rede, die die Standortgemeinden Dübendorf, Volketswil und Wangen-Brüttisellen gemeinsam unterzeichnet haben.

Stein des Anstosses ist ein Dokument mit dem sperrigen Namen «Schlussbericht des SIL-Koordinationsprozesses zum Flugplatz Dübendorf», zu dessen Entwurf die Gemeinden im Sommer Stellung genommen haben. Und der als Grundlage für das so genannte SIL-Objektblatt dienen soll. Die Abkürzung SIL steht für «Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt». Vereinfacht gesagt legt das SIL Objektblatt fest, welche Infrastruktur der Flugplatz Dübendorf künftig haben soll. Unter anderem geht es um die Pistenlänge, die Lärmkurve und die Betriebszeiten. Aus diesen Grössen wiederum lässt sich mit etwas Wille zur Interpretation ableiten, ob der künftige Flugplatz Dübendorf sich mit den Vorstellungen der Standortgemeinden deckt – oder ob er eher der Vision des Bundes entspricht.

Bund Pro Business Jets

Der Bund hat in der Vergangenheit mehrfach bekräftigt, dass er den Flugplatz zu einem Zivilflugplatz machen will, dass auf diesem also auch Business Jets starten und landen sollen. Die Standortgemeinden wollen dies um keinen Preis. Sie haben als Alternative das Konzept «Historischer Flugplatz mit Werkflügen» (HFW) entworfen, gemäss dem es auf dem Flugplatz primär historische Flüge (zum Beispiel der Ju-Air) sowie Werk-, Rettungs-und Militärflüge geben soll. Der Dübendorfer Stadtpräsident André Ingold (SVP) betont zwar dass das SIL-Objektblatt direkt nichts mit dem künftigen Betrieb des Flugplatzes Dübendorf zu tun hat. «Unabhängig davon, ob die Zivilfliegerei nach Dübendorf kommt, steht für uns aber fest, dass wir in unserer Region nicht mehr Flugbewegungen wollen», sagt er. Genau dieses Szenario ist gemäss dem erwähnten Entwurf aber vorgesehen.

In Bern interveniert

In einem vor kurzem erfolgten «Bereinigungsgespräch» mit den Bundesverantwortlichen hätten die Gemeinden festgestellt, dass so gut wie keines ihrer Anliegen im Zusammenhang mit dem Schlussbericht berücksichtigt worden sei, so Ingold. Der Entwurf zum SIL-Objektblatt dürfte somit nicht den Vorstellungen der Standortgemeinden entsprechen. In ihrer gemeinsamen Medienmitteilung kommen die Gemeinden deshalb zum Schluss, dass der Wille der Stimmbürger, die sich im letzten November hinter das HFW-Konzept gestellt haben, nicht ernst genommen wird. Die Standortgemeinden hätten deshalb beim Bund interveniert und um eine Aussprache gebeten.

Stadtpräsident André Ingold rechnet damit, dass der Entwurf zum SIL-Objektblatt bis Ende November vorliegt. Gestützt darauf soll bis 2019 die weiteren Schritte ausgearbeitet und dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) zur Genehmigung vorgelegt werden. Gegen dieses wiederum könnte dann Einsprache erhoben werden.

Erst aber steht die Vernehmlassung zum SIL-Objektblatt an. Die Standortgemeinden künden wegen der möglicherweise kurzen Fristen über die Weihnachtsfeiertage jetzt schon an, dass sie die Bevölkerung über den weiteren Prozess informieren und gegebenenfalls zur Stellungnahme einladen werden.

Benjamin Rothschild