Die grosse Wahlprognose

Am 8. März 2026 wählt Maur – und zum ersten Mal seit Jahren wird es bei den Gemeinderatswahlen richtig spannend. Zwei Aussenseiter mischen das Feld auf.

Wer hat die besten Karten?

Das Establishment: Gesetzt, aber nicht unantastbar

Für die meisten der sieben Gemeinderatssitze gilt: Die Kandidierenden der etablierten Parteien – FDP, Die Mitte, GLP, SVP und SP – sind so gut wie gesetzt. Sie treten koordiniert auf, werden von der offiziellen Gemeindezeitung Maurmer Post unterstützt und verfügen über die klassische Parteiinfrastruktur. Yves Keller (FDP), der amtierende Gemeindepräsident, gilt als klarer Favorit auf eine weitere Amtszeit. Überraschungen sind hier möglich, aber unwahrscheinlich.

Was die Ausgangslage prägt: Ein Budgetdefizit, das anspruchsvolle Loorenprojekt und ein wachsendes Unbehagen gegenüber dem «Parteienkartell» haben Risse im Bild hinterlassen. Diese Risse nutzen zwei Kandidaten konsequent.

Thomas Renggli: Der unbequeme Journalist

Thomas Renggli, 53, Journalist, Buchautor und Gründer der Maurmer Zeitung, tritt parteilos für den Gemeinderat an. Seine Kandidatur ist eine logische Verlängerung seiner publizistischen Arbeit: Jahrelang hat er die Gemeindeführung kritisch begleitet – die Rolle der Maurmer Post kritisch hinterfragt, das Asylheim-Dossier aufgerollt, Budgetfragen gestellt, die andere nicht stellen wollten.

Renggli trägt eine Geschichte mit: Nach dem Ende seiner Zusammenarbeit mit der Maurmer Post gründete er kurzerhand ein eigenes Blatt. Was die einen als Zäsur sehen, zeigt für andere vor allem eines – er lässt sich nicht beirren. Diese Konsequenz ist es, die seine Kandidatur glaubwürdig macht.

Prognose: Bei acht Kandidaten für sieben Sitze reicht es, unter den Top 7 zu landen. Renggli ist bekannt, glaubwürdig und hat eine klare Botschaft. Sein Risiko ist sein Ruf als Einzelkämpfer. Sein Vorteil: Er kandidiert für ein Amt, konzentriert alle Energie darauf. Chancen: gut bis sehr gut.

Alex Gantner: Der erfahrene Rückkehrer

Alex Gantner, 57, Unternehmer und ehemaliger FDP-Mann, hat eine beeindruckende politische Biografie: acht Jahre Gemeinderat Maur, über zehn Jahre Kantonsrat Zürich, und war von 2017 bis Anfang 2025 im Bezirksrat Uster. Er kennt das System von innen – und kritisiert es von aussen, seit er parteilos angetreten ist.

Gantner kandidiert gleich doppelt: für den Gemeinderat und das Gemeindepräsidium. Er bringt mit, was Renggli noch fehlt: politische Erfahrung in Amt und Gremium, Budgetkompetenz, institutionelles Wissen. Gerade mit Blick auf das Loorenprojekt – eines der grössten und teuersten Vorhaben, die Maur in den kommenden Jahren beschäftigen wird – ist Budgetdisziplin kein abstraktes Versprechen, sondern eine konkrete Anforderung. Hier punktet Gantner mit seinem unternehmerischen Hintergrund.

Was ihn bremst, ist jedoch nicht zu übersehen: Der Austritt aus der FDP und seine Nähe zur Rimoldi-Bewegung während der Covid-Jahre dürften bei einem relevanten Teil der Wählerschaft Skepsis hinterlassen – auch bei jenen, die grundsätzlich für einen Aussenseiter offen sind. Das macht seine Ausgangslage schwieriger als sie auf den ersten Blick erscheint.

Prognose: Für das Gemeindepräsidium sind die Hürden sehr hoch – gegen einen amtierenden Präsidenten mit voller Parteiunterstützung als Einzelkämpfer mit politisch belasteter Vergangenheit anzutreten, wird für Gantner deshalb schwierig sein. Im Gemeinderat sind Chancen vorhanden, aber klar geringer als beim Aussenseiter Renggli. Chancen Gemeinderat: mittel, Präsidium: gering.

Ein Zeichen ist möglich – ein Erdbeben eher nicht

Maur ist eine Gemeinde, in der Persönlichkeiten zählen. Beide Aussenseiter haben echte Substanz – Renggli die Authentizität, Gantner die Erfahrung. Entscheiden die Wählerinnen und Wähler nach Köpfen anstatt nach Parteibuch, könnten beide ein Zeichen setzen. Ein Erdbeben wäre es nicht – aber ein klares Statement für eine andere Art von Lokalpolitik.

Abstimmen: 8. März 2026.