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Die Luftfahrt ist auf Corona-Impfstoff-Transporte vorbereitet

cash 14.11.2020

Die Vorbereitungen auf das Beliefern der Welt mit sehnlich erwarteten Impfstoffen gegen Corona laufen in der Luftfahrt schon seit Monaten auf Hochtouren. Lufthansa und Swiss spielen eine wichtige Rolle.

Eine zentrale Rolle spielt dabei der Flughafen Frankfurt, der grösste Umschlagplatz für Luftfracht von kühlbedürftigen, sensiblen Pharmaprodukten in Europa. Insgesamt 13’500 Quadratmeter genau temperierbare Fläche stehen dafür zur Verfügung, von denen 8800 die Lufthansa nutzt.

Airline-Chef Carsten Spohr setzt auf ein „grosses, hochprofitables Geschäft“ für die Frachttochter Lufthansa Cargo. „So traurig es ist, diese Krise und die Notwendigkeit von Impfen, das wird ein grösseres Geschäft“, sagte er kürzlich. Die Lufthansa und die Tochter Swiss Worldcargo gehörten zu den wenigen Fluggesellschaften weltweit, die lückenlose Kühltransporte anböten. Ihre Konkurrenten sind zum Beispiel der Frachtflieger Cargolux oder die Golf-Airline Emirates.

Kurze Transportwege

Am Frankfurter Airport laufen die Fäden aller Beteiligten in der Luftfracht – Spediteure, Frachtabfertiger, Airlines und dem Flughafenbetreiber Fraport – bei der Air Cargo Community Frankfurt zusammen. Ihre Pharma-Arbeitsgruppe beschäftige sich schon seit März mit verschiedenen Szenarien, um die Lieferkette vorzubereiten, sagte Joachim von Winning, Hauptgeschäftsführer der Air Cargo Community, der Nachrichtenagentur Reuters.

Innerhalb Europas würden die meisten Impfstoffkontingente nicht mit dem Flugzeug, sondern per Lastwagen ausgeliefert, da auf dem Kontinent auch produziert werde. „Wir gehen für unsere Planung davon aus, dass wir hauptsächlich Exporte aus Europa heraus, etwa nach Afrika abzufertigen haben. Oder dass Impfstoffe aus Indien und China in Frankfurt umgeschlagen werden.“

Das Konzept für die Abläufe sehe vor, dass bis zu fünf Flugzeuge gleichzeitig be- und entladen werden könnten. „Durch kurze Transportwege werden Temperaturschäden vermieden.“

Tiefgefriergut Impfstoff

Eine besondere Herausforderung wird es, wenn Vakzine wie die der Mainzer Biotechfirma Biontech und des US-Pharmariesen Pfizer zum Einsatz kommen, die nach derzeitigem Stand nur ultra-tiefgekühlt bei bis zu minus 80 Grad Celsius transportiert werden müssen.

„Für die Luftfracht gibt es dazu spezielle, so genannte aktive, elektronisch steuer- und kontrollierbare Container, die sehr teuer sind – sie kosten etwa so viel wie ein Kleinwagen“, erklärte von Winning. Die Hersteller – so etwa Envirotainer aus Schweden, Dokasch aus Deutschland oder C-Safe aus den USA – vermieteten die Transportbehälter an Airlines und Spediteure. Womöglich würden sie in grosser Zahl nur einige Monate lang gebraucht, wenn der speziell kühlbedürftige Impfstoff noch weiter entwickelt werde, um höhere Grade zu vertragen. Um die extreme Kälte zu erreichen, wird Trockeneis eingesetzt – doch das begrenzt aus Sicherheitsgründen die zulässige Frachtmenge.

Denn Trockeneis sondert CO2 ab, was den Menschen an Bord die Luft zum Atmen nimmt. Nach Angaben von DHL dürfen Langstreckenflieger wie die Boeing 777 maximal 1088 Kilogramm Trockeneis aufnehmen. „Je nach Flugzeugtyp sind in der Regel nicht mehr als ein paar Container gleichzeitig an Bord“, sagte von Winning.

Viele Flüge notwendig

Schätzungen, wie viele Flüge für eine globale Versorgung mit Covid-Impfstoffe abheben müssen, reichen von 8000 des internationalen Luftfahrtverbandes IATA bis hin zu rund 15.000 von DHL. Um ein Stück von diesem Kuchen abzubekommen, arbeitet bei Lufthansa Cargo eine Task Force seit Juni an der Organisation und bedenkt dabei alle möglichen Szenarien.

„Wir können heute sagen, alle logistischen Abläufe stehen, sie sind weitgehend standardisiert“, sagte Unternehmenssprecher Andreas Pauker. Zwischen Lkw und Kühlhaus rollen die Container durch einen „gekühlten Finger“, der vor Temperaturausschlägen schützt. Auch Ultratiefkühltransporte seien machbar, die genauen Anforderungen an Verpackung, Transport und Lagerung aber noch nicht klar. Die Frachtkapazität ist wegen der vielen Passagierflugzeuge am Boden in der Corona-Krise bei Lufthansa Cargo um ein Drittel gesunken. „Das ist ein kritischer Punkt“, sagte Pauker. „Hoffentlich springt der Passagierflugverkehr wieder an.“ Denn dann wäre auch wieder mehr Frachtkapazität da durch Beladung im Unterdeck.

(Reuters/cash)