Die Parteinahme des Innovationsparks für einen Werkflugplatz in Dübendorf löst Irritation und Freude aus

NZZ 18.06.2020

Geschäftsfliegerei verträgt sich schlecht mit Forschung, die auf grosse Testflächen angewiesen ist: Auf diese Aussage des Präsidenten der Stiftung Innovationspark Zürich reagiert die Flugplatz Dübendorf AG mit Erstaunen.

Das Gespräch in der NZZ mit Peter E. Bodmer, dem Präsidenten des Stiftungsrats Innovationspark Zürich, hat die Wirkung eines Steins, den jemand in einen stillen Teich wirft. Der beabsichtigte Wellenschlag irritiert viele, findet aber auch Anklang.

Bodmer forderte den Bund auf, die geplante Dreifachnutzung samt Business-Airport zu überdenken. Er favorisiert wie die Standortgemeinden einen Werkflugplatz, der es erlaubt, neben der Luftwaffe das weitläufige Areal für Experimente zu nutzen. Der Innovationspark fokussiert sich auf Forschung, die viel Raum benötigt.

Direkt betroffen ist die Flugplatz Dübendorf AG (FDAG), für die kein Platz mehr wäre. Sie erhielt 2014 vom Bund den Zuschlag für den Betrieb eines Business-Airports. Er sei erstaunt, dass sich der Stiftungsratspräsident des Innovationsparks öffentlich gegen Beschlüsse des Bundesrates und der Zürcher Regierung stelle, sagt der Geschäftsführer Urs Brütsch auf Anfrage.

Dass sich Forschung und Geschäftsfliegerei ausschliessen, bestreitet er. Er sei gerne bereit, über die Nutzung gemeinsamer Synergien zu reden. Die FDAG habe immer betont, dass der Innovationspark Möglichkeiten biete, am Ursprungsort der Schweizer Luftfahrt ein Kompetenzzentrum für Aerospace zu schaffen.

Business-Airport rentiert

Den von Bodmer geäusserten Zweifeln daran, ob ein Business-Airport überhaupt rentabel zu führen sei, entgegnet Brütsch, die dabei erwähnte Studie habe widerlegt werden können. Die FDAG habe den Business-Case Anfang 2020 angepasst. Er funktioniere ohne finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand – ganz im Gegensatz zum Projekt Werkflugplatz.

Die politisch zuständigen Stellen in Bern und Zürich reagieren zurückhaltend. Über die aviatische Nutzung des Flugplatzes Dübendorf entscheide der Bund, schreibt die Zürcher Volkswirtschaftsdirektion auf Anfrage. Der Verpflichtungskredit für den Innovationspark werde in der zuständigen Kommission des Kantonsrats beraten, dieser Diskussion greife man nicht vor. Das zuständige Uvek in Bern teilte mit, man wolle die Idee von Herrn Bodmer derzeit nicht kommentieren.

Der Zürcher Ständerat Ruedi Noser (fdp.), welcher der Idee Innovationspark zum Durchbruch verholfen hat, teilt eine Sorge von Bodmer. Es sei äusserst bedauerlich, dass es in Zürich nicht vorwärtsgehe. «Der Innovationspark in Dübendorf hat ein grosses Potenzial, das heute leider nur sehr schlecht genutzt wird», sagte er. Die anderen vier Parks in der Schweiz seien auf Kurs. Noser weist die Aussage Bodmers, ein Scheitern des Projekts in Zürich gefährde alle anderen, klar zurück.

Die IG Dreifachnutzung, welche sich für die vorgesehenen Pläne einsetzt, sieht den Stiftungspräsidenten auf Abwegen. Dieser missachte die Festlegungen des Bundes. Das Modell mit einem Werkflugplatz habe der Bund abgelehnt, weil es keine Grundlage für Betrieb und Unterhalt des Flugplatzes biete.

Auch die FDP übt Kritik an Peter E. Bodmer. Es sei schon «etwas speziell», wenn jemand, der selber in die vom Bund beschlossene Dreifachnutzung des Flugplatzareals in Dübendorf involviert sei, nun versuche, die Regeln während des Spiels zu ändern, sagt der Parteipräsident Hans-Jakob Boesch. Er sieht die Stellungnahme gegen den Business-Airport als taktisches Manöver, um von linker Seite die Zustimmung zum Kredit für den Innovationspark zu erhalten.

Die SVP steht dem Innovationspark ohnehin kritisch gegenüber. Für den früheren SVP-Präsidenten Patrick Walder, der für die SVP Dübendorf Stellung nahm, ändert sich denn auch nichts. Die Idee eines Werkflugplatzes sei gut, allerdings nur, wie vom Forum Flugplatz Dübendorf einst gefordert, als militärisch-ziviler Werkflugplatz ohne Innovationspark. Dieser sei eine Illusion und liege am falschen Ort.

Dübendorf sieht sich bestätigt

Laut Stefanie Huber, GLP-Kantonsrätin aus Dübendorf, geht die neue Entwicklung in die richtige Richtung. Selbstverständlich hätten die Grünliberalen den Flugplatz gerne als Grünfläche genutzt. Ein Werkflugplatz sei jedoch ein gangbarer Kompromiss. Bodmer habe nun bestätigt, was die GLP bereits früher gesagt habe: Ein Werkflugplatz erzeuge die grössten Synergien mit dem Innovationspark.

Dübendorfs Stadtpräsident André Ingold (svp.) zeigt sich hocherfreut. Die Aussagen von Peter Bodmer stützten die Haltung der Standortgemeinden, dass ein Werkflugplatz kongruent sei mit dem Innovationspark. «Wir sind bereit», sagte Ingold, und die an der Werkflugplatz Dübendorf AG beteiligten Unternehmen seien willens, Investitionen zu tätigen.

Die Planungsgruppe Glatttal sei stets für einen Innovationspark eingetreten, sagte ihr Präsident Benno Hüppi. Dagegen lehne die Region die Nutzung des Flugplatzes für die Business-Aviation ab. Gegen die Idee eines Werkflugplatzes habe sie sich nie gewehrt.