Bis 2040 wird das Häuschen mit Garten zur Ausnahme. Hinter der Einigkeit der Expertinnen und Experten verbergen sich grundverschiedene Interessen — und Diagnosen.
Zusammenfassung
- Neue Einfamilienhäuser entstehen kaum noch: Der Bestand wächst nur noch um rund 3000 Einheiten pro Jahr, früher waren es 10 000.
- Die Preise stiegen in 15 Jahren um 75 Prozent. Heute können sich nur noch Haushalte ab 175 000 Franken Jahreseinkommen eine Hypothek leisten.
- Bis 2040 kommen rund 400 000 Eigenheime der Babyboomer auf den Markt — meist nicht an Kinder, sondern an Investoren.
- Vier Expertinnen und Experten sind sich über die Entwicklung einig, ziehen aber je nach Interessenlage sehr unterschiedliche Schlüsse.
- Das Einfamilienhaus ist kein Auslaufmodell der Natur — sondern das Ergebnis politischer Entscheide, die korrigiert werden könnten.
Das Einfamilienhaus in der Schweiz wird bis 2040 zum Privileg für Wohlhabende und Erben. Bauland wird knapper, Preise steigen, und rund 400 000 Eigenheime der Babyboomer kommen in den nächsten Jahren auf den Markt. Was bedeutet das für den Schweizer Wohntraum — und wessen Interessen stehen hinter den Prognosen?
Die Zahlen sind eindeutig: Vor 15 Jahren entstanden jährlich rund 10 000 neue Einfamilienhäuser in der Schweiz, heute sind es noch etwa 3000. Der Preis eines mittleren Objekts stieg seither um 75 Prozent. Alle Befragten sind sich einig — das Einfamilienhaus wird 2040 nur noch einer Minderheit zugänglich sein. Doch was sie daraus schliessen, trennt sie erheblich.
Hauseigentümerverband HEV: Verknappung als Aufwertung
Direktor Markus Meier beschreibt das Einfamilienhaus als künftiges «begehrtes Liebhaberobjekt» — teurer, aber attraktiver. Was dabei verschwiegen wird: Der HEV vertritt rund 340 000 bestehende Hauseigentümer, deren Vermögen durch steigende Preise wächst. Die Verknappung schadet der Klientel des Verbandes nicht — sie nützt ihr.
SP-Nationalrätin Badran: Politisches Versagen, nicht Naturgesetz
Jacqueline Badran benennt die strukturellen Ursachen am schärfsten: die Aufweichung der Lex Koller ab 2005, die Tiefzinsphase nach 2008, die Verdrängung von Normaleinkommen durch institutionelles Kapital. Der Immobilienmarkt wurde bewusst für globales Anlagekapital geöffnet — mit dem Ergebnis, dass heute nur noch Haushalte mit einem Einkommen ab 175 000 Franken Hypotheken bedienen können.
Architektin Beyeler: Verdichtung ja, aber nicht so
Mariette Beyeler richtet den Blick auf die Qualität der Verdichtung. Renditeorientierte Investoren ersetzen Einfamilienhäuser durch «massige Neubauten» mit «belangloser Architektur» — teuer, aber weder ökologisch noch sozial nachhaltig. Ihr Gegenvorschlag: sanfter Umbau statt Abriss, bezahlbare Wohnungen durch Aufstocken und Anbauen.
Ökonom Schmid: Langsamer Umbau statt Sturm
Marco Schmid (Wüest Partner) beschreibt den Wandel nüchtern als langsamen Strukturumbau. Er sieht in Reiheneinfamilienhäusern eine realistische Lösung, die Individualität und Dichte verbindet — ohne die politischen Ursachen der Preisspirale zu thematisieren.
Quelle
TA 19.04.2026 – Das Einfamilienhaus wird bis 2040 zum Privileg für Reiche und Erben