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Keine Südstarts geradeaus

Fake-Handwerker mit Top-Bewertungen: Wie Google-Suchen zur Kostenfalle werden

Ein verstopfter Abfluss, ein defekter Geschirrspüler – in Notsituationen googeln viele verzweifelt nach schneller Hilfe. Doch wer dabei alleine auf die erstplatzierten Anbieter in Google mit perfekten Bewertungen vertraut, tappt oft in eine teure Falle.

Auch in Gemeinden wie Maur häufen sich die Fälle von betrügerischen Handwerkern, die systematisch abzocken und Pfusch hinterlassen.

Von Marokko aus gesteuert

Die neue Masche ist perfide durchdacht: Im Hintergrund agiert eine Organisation aus Marokko, die ein Callcenter betreibt, das die Anrufe der Kunden annimmt, wie die Zürcher Staatsanwaltschaft herausfand. Gezielte Werbekampagnen platzieren diese Scheinfirmen ganz oben bei Google-Suchen. Hilfesuchende glauben, eine Schweizer Nummer zu wählen – tatsächlich landen die Anrufe in Marokko und werden von dort an meist ungelernte Handwerker weitergeleitet.

Diese Arbeiter stammen meist aus dem Ausland und wurden gezielt angeworben. Sie drängen Kunden, den Einsatzrapport bereits vor Arbeitsbeginn zu unterschreiben und nutzen deren Unwissen schamlos aus. Was folgt, ist ein Albtraum: Statt der versprochenen 30 Minuten vergehen teils Stunden. Die Arbeit wird dilettantisch ausgeführt – Rohre bleiben verstopft, Lecks werden schlimmer, provisorische „Reparaturen“ fallen innerhalb von Tagen auseinander. Betroffene stehen schockiert vor einem Chaos, das teurer ist als das ursprüngliche Problem. Die nachträgliche Beseitigung des Pfuschs durch seriöse Handwerker kostet oft das Doppelte oder Dreifache der bereits überhöhten Rechnung.

Horrende Kosten für Pfuscharbeit

Die Dimensionen des Betrugs sind erschreckend. Ein 26-jähriger Deutscher machte innerhalb von zwei Jahren einen Umsatz von fast 800’000 Franken mit 1350 Einsätzen – der Wucher-Anteil beträgt rund 400’000 Franken. In einem konkreten Fall verlangte er für einen halbstündigen Einsatz gegen Ameisen 502 Franken statt der anfangs genannten 159 Franken. Marktüblich wären maximal 250 Franken gewesen.

Ein anderer Kunde sollte 1500 Franken für eine vermeintlich komplette Abwasserreinigung zahlen – der Handwerker putzte lediglich zwei Abflüsse. Als der Betrogene sich weigerte zu zahlen und die Polizei rief, beschied ihm die Patrouille fälschlicherweise, er müsse wegen der Unterschrift trotzdem bezahlen.

Der Druck auf die Handwerker ist enorm: Sie erhalten ihre Aufträge per WhatsApp von Hintermännern und müssen rund zwei Drittel des Umsatzes abliefern. Wer nicht genug einnimmt, wird unter Druck gesetzt.

Wanderhandwerker an der Haustür

Parallel zur Online-Masche operieren klassische Wanderhandwerker. Sie klingeln unangemeldet an Haustüren und bieten spontan Arbeiten wie Fassadenreinigung oder Dacharbeiten zu Schnäppchenpreisen an. Oft behaupten sie, in der Nachbarschaft gearbeitet zu haben und angebliche Schäden entdeckt zu haben.

Nach Arbeitsbeginn explodieren die Preise, die Qualität ist mangelhaft. Besonders perfide: Sie bestehen auf sofortige Barzahlung und treten dabei oft aggressiv auf. Die nachträgliche Reparatur ihres Pfuschs kostet Betroffene häufig mehr als die ursprüngliche überteuerte Rechnung.

Systematisches Netzwerk

Die Betrugsmasche ist professionell organisiert. Zahlreiche Scheinfirmen sind in der Schweiz, Deutschland und Österreich auf verschiedene Namen registriert, laufend werden neue gegründet. Der Internetauftritt wechselt regelmässig, wirkt aber stets seriös. Die Staatsanwaltschaft führt derzeit eine ganze Reihe von Strafverfahren gegen Handwerker und Geschäftsinhaber. Auch einen mutmasslichen Kopf der Organisation hat sie ausfindig gemacht.

Mitte Dezember verurteilte das Bezirksgericht Zürich den 26-jährigen Deutschen wegen gewerbsmässigen Wuchers zu 18 Monaten Freiheitsstrafe, sechs davon unbedingt. Danach wird er für fünf Jahre des Landes verwiesen. Es war bereits die dritte Verurteilung im Kanton Zürich im Zusammenhang mit diesen Wucher-Handwerkern.

Quelle

Watson 02.01.2026 – Zürcher Staatsanwaltschaft ist «Wucher-Handwerkern» auf der Spur