Flughafen-Anwohner: «Das glaubt wohl niemand im Ernst»

TA 09.10.2019

Ein Gutachten rechnet wegen kürzerer Flugzeiten mit einem Abbau von 8000 Arbeitsplätzen am Flughafen Zürich. Das sei Schwarzmalerei, sagen die Anwohner.

Seit zwei Jahren tobt am Flughafen Zürich ein neuer, unübersichtlicher Streit. Es geht um Flugrouten und Verspätungen. Mit einem neuen Betriebsreglement sollen die Probleme gelöst werden. Doch im Moment ist eher das Gegenteil der Fall. Anwohnerverbände decken das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) mit Einsprachen ein. Nun haben der Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Zürich (SBFZ) und die IG Nord weitere Einsprachen nachgereicht.

Dabei geht es um ein Gutachten, mit welchem der Flughafen zu belegen versucht, wie sich eine weitere Einschränkung des nächtlichen Betriebs auswirken würde. Das Gutachten entstand auf Anweisung des Bazl. Wegen der chronischen Verspätungen möchte es, dass der Flughafen Slots für Landungen nur noch bis um 22.45 Uhr (heute 22.55 Uhr) und für Starts nur noch bis 22.30 Uhr (22.45 Uhr) vergeben darf. So möchte das Bundesamt nächtlichen Fluglärm abbauen.

Anwohner zweifeln Unabhängigkeit an

Das Flughafen-Gutachten rechnet mit einem Abbau von 8000 Arbeitsplätzen und einem Rückgang der Wertschöpfung um 1,6 Milliarden Franken, wenn diese Regeln umgesetzt würden. Gemäss Gutachten wäre auch die Drehkreuzfunktion des Zürcher Flughafens gefährdet.

Der SBFZ zweifelt die Unabhängigkeit der Gutachter an und schreibt in einem Communiqué: «Das glaubt wohl niemand im Ernst.» In einer Einsprache fordert der Verband ein «Obergutachten» über die Folgen der Anpassungen, und zwar von einer vom Flughafen unabhängigen Firma. Zudem will man eine Ausweitung des Flugverkehrs in der Nacht verhindern. Eine solche fürchten auch andere Anwohnerorganisationen, denn der Flughafen hat zwischen 22 und 22.20 Uhr neue Slots für vier Langstreckenflüge beantragt.

In ihrer Einsprache verlangt die IG-Nord unter anderem eine neue Festlegung der Lärmgrenzwerte in der Nacht. Auch die Region Ost kritisiert das Gutachten des Flughafens. Es sei auffällig, dass im Bericht nur auf die negativen Folgen der Einschränkung verwiesen werde. Ein Ansatz zur Lösung des Verspätungsproblems fehle vollständig. Dennoch reicht diese Organisation keine Einsprache ein, da sie sich von den neuen Flugrouten im Betriebsreglement eine Entlastung verspricht.