Was Zürich bewegt

Südstarts geradeaus
Keine Südstarts geradeaus

Flughafen Zürich: Parkplatz-Wahn

Trotz massiver Bedenken baut der Flughafen Zürich seine Parkplätze aus. Der Bund genehmigte 862 neue Stellplätze gegen den Willen des Kantons Zürich – weitere 3000 sollen folgen. Anwohner müssen mit mehr Verkehrs- und Fluglärm rechnen, für ein Mega-Parkhaus droht Waldrodung.

Der Flughafen Zürich treibt trotz Widerstand des Kantons seinen Parkplatz-Ausbau voran. Das jüngst vom Bund bewilligte Projekt P65 mit 862 zusätzlichen Stellplätzen ist nur der Auftakt für weitere massive Eingriffe – ein fatales Signal in Zeiten der Klimakrise.

Bund überstimmt eigenen Hauptaktionär

Besonders brisant: Der Kanton Zürich, grösster Einzelaktionär der Flughafen AG, opponierte gegen das Projekt und verlangte eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Bundesrat Albert Rösti setzte sich über diese Bedenken hinweg und genehmigte den Ausbau ohne zusätzliche Prüfungen. Ein demokratiepolitisch fragwürdiger Vorgang, der zeigt, wie Wirtschaftsinteressen systematisch über Umweltschutz gestellt werden.

Anwohner zahlen den Preis

Die Konsequenzen tragen die Anwohner: Mehr Parkplätze bedeuten mehr Verkehr auf ohnehin überlasteten Zufahrtsstrassen. Die Gemeinden rund um den Flughafen ächzen bereits heute unter dem Durchgangsverkehr, Staus und Luftverschmutzung. Mit dem Rekordmonat Juli (3,26 Millionen Passagiere) und 54 Prozent Anreise per Auto verschärft sich die Situation dramatisch.

Gleichzeitig steigt der Fluglärm: Mehr Parkplätze locken mehr Passagiere an, was zu zusätzlichen Flugbewegungen führt. Die bereits stark belasteten Anwohner in Kloten, Opfikon und umliegenden Gemeinden müssen mit noch mehr Lärm rechnen – rund um die Uhr.

Umweltpolitisches Versagen

Der Ausbau widerspricht sämtlichen Klimazielen. Während die Schweiz CO₂-Neutralität bis 2050 anstrebt, fördert der Flughafen aktiv den motorisierten Individualverkehr und Flugbetrieb. Die Behauptung, man wolle das „Verkehrswachstum überproportional mit öffentlichem Verkehr auffangen“, ist angesichts der Parkplatz-Expansion pure Augenwischerei.

Das nächste Mega-Projekt droht

Noch bedrohlicher: Das geplante Parkhaus P9 mit 3000 Plätzen würde 30’000 Quadratmeter Wald vernichten. In Zeiten von Biodiversitätskrise und Klimawandel ist die Rodung für Parkplätze ein Skandal ersten Ranges.

Fehlgeleitete Verkehrspolitik

Der Fall zeigt exemplarisch das Versagen der Schweizer Verkehrspolitik. Statt den Flugverkehr zu begrenzen und Anreize für nachhaltige Mobilität zu schaffen, wird das Wachstum fossiler Mobilität aktiv gefördert.

Die Rechnung zahlen Anwohner, Umwelt und künftige Generationen. Es ist höchste Zeit, dass die Politik dem Flughafen Grenzen setzt – bevor weitere irreversible Schäden entstehen.