Flughafen Zürich will stark wachsen

Blick 11.03.2019

Die Luftfahrt ist der Sektor in der Schweiz, in dem die CO2-Emissionen am stärksten ansteigen. Zwar hat die Branche das Problem erkannt und schlägt Lösungen vor. Doch ohne schmerzhaftere Einschnitte wird es wohl nicht gehen.

Jeden Tag ziehen Tausende Geschäftsleute am Flughafen Zürich ihre Rollkoffer an einer Ausstellung vorbei, mit der das Flughafen-Management seine Anstrengungen im Umweltschutz aufzeigen will.

Umweltschutz-Werbung im Zentrum der Kerosin-Verbrennung? Ein Witz? Natürlich nicht. Aber der Zwiespalt ist offensichtlich.

Seit 2004 ist der Treibstoffverbrauch auf Flügen zwischen der Schweiz und dem Ausland um 55 Prozent angewachsen. Die Fliegerei ist für fast ein Fünftel des Schweizer Klima-Fussabdrucks verantwortlich.

Halbierung bis 2030

Anders der Flughafen selbst: Er will seine Emissionen bis 2030 gegenüber 1991 halbieren. Obwohl man von einem Anstieg auf über 40 Millionen Passagiere ausgeht – 2004 waren es noch 17 Millionen. Und trotz des Kongress- und Hotelzentrums The Circle, für das ab 2020 noch mehr Geschäftsleute herfliegen sollen.

WWF-Klimaexperte Patrick Hofstetter (53) tadelt trotzdem: «Das ist etwa so, wie wenn Shell die Beleuchtung aller Tankstellen auf LED umrüsten würde, um dann zu behaupten, Autofahren sei jetzt umweltfreundlich.»

Immerhin regulieren sich die Airlines nun selbst: Weltweit werden sie ab 2020 Emissionen mit Zertifikaten abgelten. Allerdings nur jene Emissionen, die über das Niveau von 2020 hinausgehen.

Wir müssen alle weniger fliegen

Reicht das? Nicht, um die Ziele des Klimagipfels 2015 zu erreichen! Dafür müssten die Emissionen in 20 Jahren unter dem Strich bei null sein.

«Für fast alle Bereiche des Lebens gibt es dafür Technologien und Strategien», sagt Hofstetter. «Die Luftfahrt ist eine der wenigen Ausnahmen. Es führt kein Weg daran vorbei, weniger zu fliegen.»

Damit spricht er eine Billett-Besteuerung an, die es bisher nicht gibt. Im Volk ist diese beliebt. Die Airlines Swiss und Easyjet lobbyieren aber in Bern dagegen, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Und hoffen, mit der Selbstregulierung einem Durchgreifen der Politik zuvorzukommen.

Das Pariser Klima-Abkommen

196 Mitgliedsstaaten der UN-Klimakonvention haben sich am 12. Dezember 2015 in Paris darauf geeinigt, dass sie alles unternehmen wollen, um den globalen Temperaturanstieg möglichst auf 1,5 Grad – sicher aber auch deutlich unter 2 Grad Celsius – zu beschränken. Das soll vor allem über die Reduktion von CO2-Emissionen erreicht werden. Auch die Schweiz hat das Pariser Abkommen ratifiziert.

Doch der Vertrag hat einen Pferdefuss: Er sieht erstens keine verpflichtenden Massnahmen für die einzelnen Staaten vor, wie der CO2-Ausstoss verkleinert werden soll. Vor Beginn der Klimaverhandlungen in Paris hatten 187 Staaten nationale Klimaaktionspläne und entsprechende CO2-Reduktionsziele eingereicht. Allerdings würden diese zu einer Erderwärmung von etwa 2,7 Grad führen.

Zweitens droht keinem Land eine Strafe, wenn es die Ziele nicht erreicht oder einfach untätig bleibt. Auf wie wackligem Boden das Abkommen steht, zeigt der Rückzug der USA, den Präsident Donald Trump am 1. Juni 2017 bekannt gegeben hat.