Fluglärm-Blackout

Weltwoche 07.02.2019 – Gegenrede

Der rote Kolumnist aus Brig träumt.
Genau wie die Politiker in Zürich und Bern.

Von Klaus J. Stöhlker

Was Peter Bodenmann, der vom SP-Präsidenten zum Feuilletonisten aufgestiegen ist, unter dem Titel «Retten die SBB die Zürcher Goldküste vor mehr Fluglärm?» (Weltwoche Nr. 3/19) über den Luftverkehr im Raum Zürich geschrieben hat, hat die Präzision und Qualität der Berichterstattung über die Erstbesteigung des Matterhorns. Auch über diese Begebenheit weiss man ziemlich wenig, und doch äussert sich alle Welt darüber munter ins Ungefähre hinein.

Als Anwohner der seit über vierzehn Jahren vom Fluglärm stark betroffenen Zone zwischen dem Flughafen Zürich und der Forch darf ich hier festhalten: Es sind nicht die Villenbesitzer am Zürichsee, die hauptsächlich vom Fluglärm betroffen sind, sondern vielmehr die noch verbliebenen Zehntausenden von SP-Wählerinnen und -Wählern zwischen Opfikon und Dübendorf bis in die stark SP-lastige Gemeinde Gockhausen, wo zahlreiche linksgrüne Wissenschaftler von Zürcher Hochschulen zu Hause sind.

Nicht die Reichen leiden also unter dem Fluglärm, sondern der von der SP umschwärmte Mittelstand, der denn auch von Zürcher SP-Exponenten im Kampf gegen Fluglärm, Umweltverschmutzung und Gesundheitsgefährdung unterstützt wird. Davon weiss man allerdings im Wallis an der Saltina nichts, wo das bodenmannsche Hotel in erster Linie von Cars aus Deutschland angesteuert wird, die eine enorme CO2-Belastung verursachen. Doch diese will der Walliser Hotelier lieber nicht zur Kenntnis nehmen.

Der Fluglärm ist die Folge davon, dass die für die Swiss verantwortliche deutsche Lufthansa den Flughafen Zürich Kloten zu einem «Hub plus» gemacht hat, der bei weitem nicht mehr dem entspricht, was dessen Schweizer Gründer gewollt hatten – einen Landesflughafen.

Kloten ist vielmehr zu einem Umsteigeflughafen geworden, wo die Lufthansa mit ihren Töchtern, etwa Swiss und Edelweiss, von sechs Uhr morgens bis halb zwölf Uhr abends Umsteigepassagiere aus aller Welt empfängt und gleich weitertransportiert. 20 Prozent des Passagier-und Cargo-Volumens kommen aus Baden-Württemberg und Bayern. Die Kunden benutzen Kloten als Flughafen in die Welt hinaus. Doch die Gesundheits- und Lärmrisiken fallen fast ausschliesslich in der Schweiz an.

Keine Schweizer Partei, weder die FDP noch die SVP, hat diese Entwicklung verhindert. Im Unterschied zu den süddeutschen Politikern, die jeden Fluglärm über dem Südschwarzwald mannhaft erfolgreich bekämpft haben, blieben ihre Zürcher Kollegen in ihren lärmfreien Vorzugswohnungen und -häusern sitzen.

Wenn ich diese sich bürgerlich nennenden Schweizer Politiker auf den Fluglärm ansprach, zuckten sie verzweifelt die Schultern. Unter der politischen Peitsche eines Beat Walti, der in Bern die FDP-Fraktion führt, wagte kein National- oder Ständerat, eine eigene Meinung in Sachen Flughafen zu vertreten.

Träume der Politiker

Nicht für zuständig erklärten sich auch die meisten Vertreter der sozialdemokratischen, grünen und grünliberalen Minderheit. Sie alle, die Umwelt und Gesundheit zu verteidigen vorgeben, duckten sich unter dem Diktat ihrer Fraktionschefs.

Auch Peter Bodenmann lebt vom internationalen Tourismus, einem der grössten Umweltsünder der Welt. Wie alle Sünder, auch die grossen Luftfahrtgesellschaften, die in der Schweiz rund 20 Prozent des CO2-Ausstosses verursachen, glaubt er an Wunder, nämlich an elektrisch betriebene Lufttaxis. Er wird das nicht mehr erleben. So ist das mit den Träumen der Politiker.

Nun drohen uns zusätzlich Südstarts ab Kloten. Es war CVP-Bundesrätin Doris Leuthard, die solche erzwungen hat, um ihren Heimatkanton Aargau zu schonen.

Klaus J. Stöhlker ist Mediensprecher der Stiftung gegen Fluglärm, Zürich.