Gemeinde Maur: 72’000 Franken Steuergelder für juristisches Sturschädel-Theater

Der Gemeinderat Maur leistet sich ein teures Hobby: das Prozessieren. Während andere Gemeinden ihre Ressourcen für Infrastruktur oder Dienstleistungen einsetzen, pumpt Maur Steuergelder in Anwaltshonorare – und zwar in beträchtlichem Umfang.

Die laufenden juristischen Auseinandersetzungen rund um die «Maurmer Post» haben die Steuerzahlenden bereits rund 50’000 Franken gekostet, mandatiert beim renommierten – und entsprechend teuren – Rechtsprofessor und Verwaltungsrechtler Tomas Poledna.

Weitere 22’000 Franken kommen obendrauf.

Wofür? Um dem ehemaligen Chefredaktor Thomas Renggli ausstehende Lohnzahlungen von über 28’000 Franken nicht begleichen zu müssen. Man liest richtig: Die Gemeinde gibt 22’000 Franken aus, um 28’000 Franken nicht zahlen zu müssen. Kaufmännisches Denken sieht anders aus.

Der Bezirksrat Uster hatte dem Gemeinderat bereits im Fall von Christoph Lehmann, dem früheren stellvertretenden Chefredaktor der «Maurmer Post», eine klare Rechtsverletzung attestiert: Die öffentliche Begründung seiner Freistellung sei rechtswidrig gewesen, Datenschutz- und Persönlichkeitsrechte seien verletzt worden. Eine einvernehmliche Lösung lag auf dem Tisch – runder Tisch, Entschuldigung, Gegendarstellung.

Der Gemeinderat lehnte ab und zieht nun den Fall ans Verwaltungsgericht weiter.

Mehr Sturheit geht kaum.

Doch der finanzielle Unsinn ist nur ein Teil des Problems. Die politische Seite wiegt deutlich schwerer.

Thomas Renggli kandidiert bei den bevorstehenden Gemeinderatswahlen als Gemeinderat. Ausgerechnet jetzt, kurz vor dem Urnengang, wird er durch das laufende Arbeitsrechtsverfahren öffentlich als jemand positioniert, der mit der Gemeinde im Clinch liegt. Wer einen Kandidaten kurz vor Wahlen bewusst in einem offenen Rechtsstreit mit der Gemeinde belässt, obwohl eine Klärung leicht möglich wäre, produziert ein Bild mit fataler Wirkung – jenes eines unberechenbaren Querulanten, der noch vor Amtsantritt für Ärger sorgt. Genau dieser subtilen und falschen Unterstellung gilt es mit allen Mitteln entgegenzuwirken.

Die Ironie dabei: Querulant ist in diesem Streit nicht Renggli. Er fordert lediglich ein, was ihm rechtlich zusteht – seinen Lohn. Es ist die Gemeinde, die sich weigert, eine schlichte Schuld zu begleichen, und stattdessen mit Steuergeldern prozessiert. Wer hier Unruhe stiftet, liegt auf der Hand.

Renggli selbst gibt sich denn auch gelassen: «Ich bin ein Teamplayer und würde mich freuen, auch mit Persönlichkeiten zusammenzuarbeiten, die meine Meinung nicht immer teilen.» Gemeindepräsident Yves Keller äussert sich «im Vorfeld grundsätzlich nicht» zu möglichen Auswirkungen des Wahlausgangs. Eine Antwort, die in ihrer Kargheit fast schon beredter ist als jede Stellungnahme.

72’000 Franken und kein Ende in Sicht. Maur leistet sich den Luxus des Rechthabens – auf Kosten aller anderen.

Quellen

KleinReport 26.02.2026 – Gemeinde Maur zieht Urteil von ehemaligem Journalisten weiter – der Steuerzahler begleicht die Rechnung

Bantliz 21.02.2026 – Maur zahlt 22’000 Franken Anwaltskosten – um 28’000 Franken Lohn nicht zu bezahlen