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Südstarts geradeaus
Keine Südstarts geradeaus

Kann der 750-Milliarden-Dollar-KI-Boom so weitergehen?

Fünf grosse Technologiekonzerne geben laut Berechnungen von Axios in diesem Jahr über 750 Milliarden Dollar für Investitionen aus, ein Plus von 67 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund drei Viertel davon fliessen in KI-Infrastruktur. Die Frage, ob dieses Tempo tragbar ist, beschäftigt Investoren zunehmend.

Die Kapitalintensität erreicht historische Höchstwerte

Amazon, Microsoft, Alphabet, Meta und Oracle haben ihre Investitionen seit 2024 mehr als verdoppelt. Bei einzelnen Konzernen macht der Kapitalaufwand mittlerweile 45 bis 57 Prozent des Umsatzes aus, ein Wert, den Analysten noch vor wenigen Jahren für undenkbar hielten. Amazons freier Cashflow dürfte laut Prognosen 2026 erstmals negativ werden.

Schulden finanzieren einen wachsenden Teil des Booms

Weil das operative Geschäft die Ausgaben nicht mehr deckt, greifen die Hyperscaler verstärkt zu Fremdkapital. Allein 2025 nahmen sie rund 108 Milliarden Dollar an neuen Schulden auf. Morgan Stanley und J.P. Morgan rechnen damit, dass der Sektor in den kommenden Jahren bis zu 1,5 Billionen Dollar an neuen Anleihen ausgeben muss. Zusätzlich beziffert die Ratingagentur Moody’s die bereits unterschriebenen, aber noch nicht begonnenen Leasingverpflichtungen der Hyperscaler auf rund 662 Milliarden Dollar. Diese Summe taucht in den offiziellen Investitionszahlen nicht auf und übersteigt bereits die gesamten bilanzierten Schulden derselben Konzerne.

Ist ein Börsen-Crash bereits vorprogrammiert?

Die Konzentration an den amerikanischen Börsen erreicht Ausmasse, die Analysten mit den grossen Krisen der Geschichte vergleichen. Die zehn grössten Aktien der USA machen inzwischen rund 40 bis 45 Prozent des S&P 500 aus, der höchste Wert seit dem Höhepunkt vor dem Börsencrash von 1929, so eine Analyse der Deutschen Bank. Fast alle diese Titel hängen direkt oder indirekt am KI-Boom.

Die wichtigsten Warnsignale im Überblick:

  • Marktkonzentration: Zehn Aktien machen 40 bis 45 Prozent des S&P 500 aus, Rekordniveau seit 1929.
  • Bewertung: Das Shiller-KGV lag Anfang 2026 bei fast 40, nahe am Rekordwert der Dotcom-Blase von 2000.
  • Umsatzlücke: Die Infrastrukturausgaben übersteigen die tatsächlichen KI-Umsätze der Nutzerfirmen bei weitem.
  • Auslöser-Risiko: Eine Kürzung der Investitionspläne bei nur einem Hyperscaler könnte laut Morgan Stanley eine Kettenreaktion auslösen.

Der Chefökonom von Apollo Global Management, Torsten Sløk, spricht von einer «Diversifikations-Illusion»: Wer heute einen breiten Indexfonds kauft, glaubt sich diversifiziert, hält faktisch aber eine Wette auf eine Handvoll Technologiekonzerne.

Es gibt allerdings einen wichtigen Unterschied zur Jahrtausendwende: Die heutigen KI-Konzerne erwirtschaften reale Gewinne. Nvidia etwa erzielt Nettomargen von über 50 Prozent und wird deutlich tiefer bewertet als Cisco auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase. Das grösste Risiko liegt laut mehreren Analysten woanders: im Missverhältnis zwischen den hohen Infrastrukturausgaben und den bislang deutlich kleineren tatsächlichen KI-Umsätzen der Unternehmen, die diese Rechenzentren nutzen.

Weil die grossen Technologiewerte einen so grossen Anteil der Indizes ausmachen, würde ein Einbruch dort kaum auf den Sektor begrenzt bleiben, sondern breite Teile der Altersvorsorge und Anlagefonds treffen.

Kapazitätsengpässe sprechen kurzfristig für weitere Investitionen

Die Ratingagentur CreditSights geht davon aus, dass die Nachfrage nach KI-Rechenleistung auch 2027 höher bleibt als das Angebot. Das spricht kurzfristig für anhaltend hohe Investitionen. Ob sich diese aber langfristig rechnen, hängt davon ab, ob die KI-Umsätze mit dem Tempo der Bauvorhaben mithalten können. Bis sich das zeigt, tragen Schulden und eine historisch hohe Marktkonzentration ein wachsendes Gewicht im Fundament dieses Booms.