Im Pflegezentrum Forch sollen Pflegende ihre Notizen künftig nicht mehr tippen, sondern sprechen. Ein KI-System wandelt das Gesagte in Text um und ordnet es dem Bewohnendendossier zu.
Die Institution nennt das einen Schritt zu moderneren Arbeitsbedingungen, wichtige Fragen zu Anbieter und Datenschutz bleiben in der Ankündigung aber offen.
Das Pflegezentrum Forch, bis vor einigen Jahren als Zollingerheim bekannt, gehört der gemeinnützigen Gustav Zollinger-Stiftung. Getragen wird es von den Gemeinden Maur und Zumikon, die das Angebot 1983 gemeinsam aufgebaut haben. Wenn dort ein neues Dokumentationssystem eingeführt wird, betrifft das damit auch die Maurmer Gesundheitsversorgung direkt.
Mobile Geräte statt Büro-PC
Bisher erfassten Pflegende ihre Beobachtungen oft erst später am Computer im Stationszimmer. Neu sollen sie direkt am Bett oder im Wohnbereich auf mobile Geräte zugreifen und dokumentieren, während die Information noch frisch ist. Das Zentrum verspricht sich davon weniger Übertragungsfehler und mehr Zeit für die Betreuung selbst.
Diktieren statt Tippen
Der zweite Schritt geht weiter: Pflegende sollen ihre Notizen künftig mündlich erfassen, auch in verschiedenen Sprachen. Eine KI wandelt das Gesprochene in Text um und ordnet die Angaben nach einer Kontrolle durch die Pflegefachperson dem richtigen Bereich im Dossier zu. Solche Sprachassistenten sind in der Pflege kein Einzelfall.
In Deutschland etwa arbeitet die Klinikgruppe der Stadt Köln an einem vergleichbaren System, und mit voize oder speeKI gibt es bereits kommerzielle Anwendungen, die Fachbegriffe erkennen und Dokumentationen strukturieren. Neu ist eher, dass das Prinzip nun auch in kleineren Schweizer Heimen ankommt.
Offene Fragen zum Datenschutz
Die Mitteilung des Pflegezentrums nennt weder den Hersteller der Software noch den Ort der Datenverarbeitung. Bei Sprachaufnahmen aus der Pflege handelt es sich um besonders schützenswerte Personendaten im Sinn des revidierten Datenschutzgesetzes. Wo die Aufnahmen verarbeitet und gespeichert werden, in der Schweiz, in der EU oder in den USA, ist deshalb keine technische Nebensache, sondern eine Frage, die Angehörige und Bewohnende interessieren dürfte.
Offen bleibt auch, wie die angekündigte Kontrolle vor der Übernahme ins Dossier konkret abläuft und wie viel Verantwortung letztlich bei der überprüfenden Pflegefachperson hängenbleibt, wenn die Software Aussagen fehlerhaft interpretiert.
Die Sicht des Personals fehlt
Die Mitteilung spricht ausschliesslich aus Sicht der Institution. Ob die Umstellung von den Pflegenden selbst als Entlastung oder als zusätzliche Kontrolle empfunden wird, bleibt offen. Aus anderen Projekten ist bekannt, dass Spracherkennung bei Dialekten und Akzenten nicht immer zuverlässig funktioniert, was gerade in einem mehrsprachigen Pflegeteam relevant wird. Eine Einschätzung von Pflegefachpersonen aus dem Pflegezentrum Forch würde dem Thema mehr Substanz geben als die Ankündigung allein.
Quelle: Maurmer Post 28.08.2026