KI-Speicher-Beben: Warum SK Hynix und Samsung an einem Tag Milliarden verlieren

Am Dienstag, 28. Juli 2026, zerbrach die Erfolgsgeschichte der Speicherchip-Branche für einen Handelstag komplett. SK Hynix und Samsung, die beiden grössten Gewinner des KI-Booms der vergangenen Jahre, stürzten zweistellig ab und rissen ganze Börsenplätze mit sich.

SK Hynix fiel um fast 13 Prozent, Samsung Electronics um über 12 Prozent. Der koreanische Leitindex KOSPI sackte um 10,84 Prozent ab, zeitweise so heftig, dass automatische Handelsstopps griffen. Auch der Nikkei rutschte auf ein Dreimonatstief.

Die Kursverluste im Detail

SK Hynix schloss bei 1’575’000 Won, 13,27 Prozent tiefer als am Vortag. Vom Rekordhoch Ende Juni trennen die Aktie mittlerweile 47,47 Prozent.

Samsung verlor 12,89 Prozent auf 221’250 Won. Gemessen am Juni-Rekord von 374’500 Won bedeutet das einen Monatsverlust von rund 41 Prozent.

Selbst die Zulieferer blieben nicht verschont: Tokyo Electron und Advantest gaben in Tokio zeitweise ebenfalls über zehn Prozent nach.

Das finanzielle Umfeld: fragile Finanzierungsstrukturen

Der Ausverkauf trifft auf ein Finanzierungsumfeld, das bereits unter Beobachtung steht. Nvidia verhandelt Berichten des Wall Street Journal zufolge über eine Garantie von 250 Milliarden Dollar, um OpenAI beim Leasing eines gigantischen Rechenzentrums in Ohio zu unterstützen.

Kritiker sprechen in diesem Zusammenhang von zirkulärer Finanzierung: Nvidia unterstützt OpenAIs Finanzierung, OpenAI gibt das Geld für Nvidia-Chips aus, und Nvidia verbucht diese Käufe wiederum als Nachfrage-Beleg. Jeder einzelne Schritt ist real, doch der geschlossene Kreislauf erschwert die Einschätzung, wie viel echte Endkundennachfrage tatsächlich dahintersteht.

Damit stellt sich für Investoren eine grundlegende Frage: Trägt das Geschäftsmodell aus eigener Kraft, oder beruht das Wachstum zunehmend auf Schulden statt auf echten Erträgen?

Das technologische Umfeld: China holt auf

Parallel dazu verschiebt sich die technologische Machtbalance. Der chinesische Speicherhersteller CXMT startete in Shanghai mit einem Kurssprung von bis zu 500 Prozent und erreichte eine Bewertung von fast 515 Milliarden Dollar. Ein staatlich unterstütztes Unternehmen begann zudem mit der Serienproduktion eigener Lithografiemaschinen, was Pekings Abhängigkeit von ASML verringert.

Noch brisanter für die Bewertungsfrage: Das Open-Weights-Modell Kimi K3 des Pekinger KI-Start-ups Moonshot AI verdeutlicht, wie günstig leistungsfähige KI inzwischen verfügbar ist. Wenn ein Open-Weights-Modell aus China vergleichbare Leistung deutlich günstiger liefert, gerät eine zentrale Annahme des KI-Booms unter Druck: dass die Nachfrage nach immer mehr und immer teureren HBM-Chips dauerhaft exponentiell wächst.

Sentiment-Bereinigung oder Vorbote eines KI-Crashs?

Die Analystenmeinungen gehen auseinander. Die einen sehen im Ausverkauf eine überfällige Bewertungskorrektur nach einer Rally, die SK Hynix seit Jahresbeginn zeitweise um über 350 Prozent nach oben getrieben hatte. Belastbare Belege für einen echten Nachfrageeinbruch bei High-Bandwidth-Memory (HBM) gibt es bislang nicht, betonen mehrere Marktbeobachter.

Die anderen warnen, dass CXMT, die chinesische Lithografie-Offensive und günstige chinesische KI-Modelle zusammen ein früheres Warnsignal für die gesamte KI-Wertschöpfungskette sein könnten: Wenn Rechenleistung und Speicherbedarf günstiger zu haben sind als angenommen, rechtfertigen die aktuellen Multimilliarden-Investitionen der Hyperscaler ihre Bewertung möglicherweise nicht mehr.

Klarheit dürfte der Quartalsbericht von SK Hynix bringen, den der Konzern am 29. Juli 2026 vorlegt. Bestätigen die Zahlen ungebrochene HBM-Nachfrage, dürfte sich die Korrektur als Zwischenstopp erweisen. Enttäuschen sie, gewinnt die Crash-These an Gewicht.