Das chinesische Start-up Moonshot AI hat mit Kimi K3 ein leistungsstarkes neues KI-Modell veröffentlicht. Wie die Financial Times in einem aktuellen Meinungsbeitrag von Samm Sacks darlegt, sparen immer mehr US-Unternehmen durch den Wechsel zu günstigen chinesischen Open-Source-Modellen wie K3, GLM von Z.AI, DeepSeeks R-1 oder Alibabas Qwen 3.8 Max Millionenbeträge ein, teils bei gleichzeitig besserer Leistung.
Die eigentliche sicherheitsrelevante Frage lautet gemäss Sacks aber nicht, ob ein Modell aus China stammt. Entscheidend ist, wo es betrieben wird.
Gewichte lassen sich frei verschieben
Offene Modelle wie Kimi K3 geben ihre Gewichte frei – jene in Millionen von Trainingsdurchläufen erlernten Parameter, die bestimmen, wie das Modell Informationen verarbeitet und Vorhersagen trifft. Unternehmen laden diese Gewichte herunter, passen sie an eigene Bedürfnisse an und betreiben das Modell anschliessend auf eigener oder gemieteter Infrastruktur. Wer also Bedenken bezüglich eines Datenabflusses nach China hat, kann dasselbe Modell auf eigener Hardware in den USA oder Europa laufen lassen.
Auch bei der Zensur zeigt sich dieser Effekt: Chinesische Modelle blockieren gewisse Themen nicht einheitlich. Läuft ein Modell auf westlicher Infrastruktur, beantwortet es Fragen, die in China gesperrt wären. Weil die Gewichte offen zugänglich sind, lassen sich Inhaltsbeschränkungen zudem gezielt entfernen.
China und der staatliche Datenzugriff
Selbst wenn Daten in China gehostet werden, bedeutet das laut Sacks nicht automatisch einen ungehinderten staatlichen Zugriff. Unternehmen sind zwar gesetzlich zur Kooperation mit den nationalen Nachrichtendiensten verpflichtet, wehren sich aber in der Praxis mitunter dagegen. Im März 2026 kam es bei einer Kontrolle durch chinesische Behörden bei der E-Commerce-Plattform Pinduoduo zu einer handfesten Auseinandersetzung mit dem Personal, wobei sich ein Beamter dabei einen Finger brach.
Infrastruktur statt Herkunftsland
Washington richtet den Blick derzeit vor allem auf Überwachung, Spionage und mögliche chinesische Beteiligung an kritischer Infrastruktur, und erwägt laut Sacks sogar Sanktionen gegen offene chinesische Modelle. Sacks argumentiert, das eigentliche Problem liege jedoch nicht im ausländischen Ursprung offener Modelle, sondern im Fehlen einer koordinierten Strategie, um kritische Infrastruktur gegen KI-gestützte Cyberangriffe abzusichern, die längst keine Hypothese mehr seien.
Offene Gewichte, auch chinesischer Herkunft, könnten laut Sacks paradoxerweise sogar zur Sicherheit beitragen: Erst letzte Woche habe die Plattform Hugging Face ein offenes chinesisches Modell genutzt, um eine Cyberattacke auf einen KI-Agenten zu analysieren, ohne dass dabei Daten das eigene System verlassen mussten.
Quelle
Financial Times 26.07.2026 – What is the risk of using Chinese open AI models like Kimi K3?