Klimapolitik schafft Chaos

Inside Paradeplatz 5.8.2019

Parteien überbieten sich im Wahljahr mit abstrusen Ideen – Ist der Mensch überhaupt bereit, auf Wohlstand zu verzichten?

Seit dem Hype um die schwedische Klima-Greta erleben die Grünen in ganz Europa einen nie dagewesenen politischen Aufschwung. Auch die Schweiz ist ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht, als Klima-Musterschülerin die Welt vor dem verteufelten CO2 zu retten.

Was das heisst und was praktisch zu tun wäre, darüber können sich die Parteien allerdings nicht verständigen. Keiner weiss wirklich, wie man was tun müsste.

Was hingegen klar ist, sind die Wahlen im Oktober, die man um jeden Preis gewinnen will. Danach arbeitet man weiter an der Bewirtschaftung der bestehenden Probleme, anstatt funktionierende und bezahlbare Lösungen anzugehen und umzusetzen.

Die Grünen wollen nur eines: weg mit den Verbrennungsmotoren und hin zu elektrischen Antrieben. Noch besser wäre nur das Fahrrad.

Das sind nette Vorstellungen von ideologisch gelenkten Menschen. In der Praxis sind sie aber nicht umsetzbar.

Was wäre zu tun mit den Millionen von Autos mit Benzinmotor, die heute unsere Strassen verstopfen? Sollte man sie von heute auf morgen auf dem Schrottplatz entsorgen und sofort einen Tesla für 120’000 Franken kaufen?

Bob Lutz, Ex-Boss von Ford, hat kürzlich das Ende von Tesla prophezeit, weil dieses Produkt überteuert und bereits veraltet sei. Zudem haben Forscher inzwischen mehrfach bestätigt, dass alleine die Batterien der E-Autos alles andere als klimaneutral sind – weder bei der Herstellung noch bei der Entsorgung.

Was wäre also eine kluge Alternative? Alle denken darüber nach, viele wollen es wissen und andere verlieren sich in endzeitlichen Prophezeiungen.

Das Elektroauto kann nur eine Zwischenentwicklung sein. Es wird irgendwann durch den sauberen Wasserstoffantrieb ersetzt werden. Die Technik macht’s möglich.

Noch schlauer und günstiger wäre es, wenn wir das CO2, das beispielsweise von unseren 30 Kehrichtverbrennungs-Anlagen (1,85 Millionen Tonnen Ausstoss jährlich) produziert wird, in der Schweiz recyceln und das gereinigte CO2 mit Wasserstoff verbinden würden.

Mit einer professionellen Methanisierung könnte so viel Methan produziert werden, dass man damit die Hälfte aller Autos in der Schweiz mit ausgereiftem Gasantrieb ausstatten könnte – komplett sauber.

Methan ist zu 85 bis 98 Prozent in Erdgas enthalten. Dieses könnten wir im 17’000 Kilometer langen Erdgasnetz unter der Schweiz speichern.

Für die meisten Menschen sind diese Gedanken heute eine Träumerei, obwohl die Technologie längst vorhanden ist. Die Politiker aber, so scheint es, wollen nur kurzfristige und kleine Erfolge, damit sie weiter von der Wählergunst profitieren.

Und die Autokonzerne wollen möglichst lange ihre herkömmlichen Verbrenner verkaufen. Schwierige Situation, aber sachlich lösbar.

Noch unerklärlicher sind die jüngsten Aussagen zum Klima unserer neuen Verkehrsministerin, Simonetta Sommaruga. Vor einigen Wochen plädierte sie öffentlich und lautstark dafür, dass der Bund seinen CO2-Ausstoss verringern müsse.

Keine schlechte Idee, wie ich meine. Wie kann es aber sein, dass dieselbe Bundesrätin es unterstützt, dass der Flughafen Zürich seine Kapazitäten massiv ausbaut? Neben den bisherigen Südanflügen, die regional schon jetzt massiv belasten, sollen in Zukunft auch noch Südabflüge erlaubt werden.

Tangiert davon sind die Gesundheit und die Sicherheit von über 300’000 Menschen in der Südzone. Zusätzlich ist eine Stagnation der Immobilienpreise in diesen Zonen schon heute sichtbar.

Es scheint, als sei man in Politikerkreisen nicht mehr in der Lage, systemische Zusammenhänge zu erkennen. Der Steuerzahler muss in jedem Fall für die Fehlentscheidungen aufkommen, was unhaltbar ist.

Die Politik will durchsetzen, dass wir Bürger bei unseren Flugreisen eine CO2-Steuer bezahlen oder uns durch Zertifikate reinwaschen. Der mittelalterliche Ablasshandel feiert seine Renaissance, wie die jüngsten Zahlen von MyClimate beweisen.

Man staune, aber es gibt tatsächlich Menschen, die sich blenden lassen und glauben, dass ihre Flugreise durch die Zertifikate klimaneutral würde. Dieser Handel dient ausschliesslich der eigenen Psychohygiene und soll das schlechte Gewissen beruhigen.

Man will ja nicht Täter sein.

Ein berühmter Zürcher Milliardär meinte einmal: „Wissen Sie, mit der naiven Masse verdient man am meisten Geld.“ Er hatte leider Recht und wird mit dieser Aussage auch in Zukunft Recht behalten.

Beim Zertifikate-Handel profitieren nur zwei Parteien: die Zertifikate-Händler und die Empfänger der Gelder, die dann ein paar neue Bäume pflanzen oder eine Biogasanlage aufstellen, die beim Gärungsprozess erneut CO2 ausstösst.

Zusammenhänge werden nicht erkannt oder einfach unter den Teppich gewischt.

Die Klimaziele 2050 sind komplett unrealistisch. Es sind postulierte Visionen von Menschen, die in eine unbekannte Zukunft geschoben werden. Und Menschen sind es gleichzeitig, die sich nicht um die Klimaziele kümmern, wenn sie selber betroffen sind.

China, Indien und die USA investieren gerade jetzt massiv in neue Kohlekraftwerke, damit der wachsende Bedarf an bezahlbarem Strom künftig gedeckt werden kann.

Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist klar: Ist der Mensch überhaupt bereit, auf Wohlstand zu verzichten, um die Klimaziele zu erreichen? Oder muss der Mensch erneut durch gesetzliche Vorgaben zu seinem Glück gezwungen werden?