Lowcost erobert jetzt auch die Langstrecke

HZ 09.07.2018

Auf der Langstrecke gibt es immer mehr Billigflüge. Europäische Airlines bekommen ein Mittel im Wettstreit mit Golf-Fluggesellschaften.

Von Gesche Wüpper («Die Welt»)


Für 410 Euro von Berlin nach Singapur in Südostasien und zurück nach Deutschland? Für 539 Euro von Köln aus nach Seattle an der amerikanischen Westküste und zurück? Die Zahl der Direktverbindungen auf langen Strecken von Deutschland und anderen europäischen Ländern aus nehmen stetig zu. Das weckt Begehrlichkeiten.

Klassische europäische Fluggesellschaften wie Lufthansa und IAG (British Airways/ Iberia) bauen eigene Töchter für diese Billigflüge auf. Nicht zuletzt befeuert dieser Trend auch das Interesse, das Airlines wie eben Lufthansa und IAG an einer Übernahme von Norwegian zeigen. Die Norweger sind die europäische Nummer Eins unter den Billiganbietern im Langstrecken-Bereich.

Easyjet fliegt jetzt auch von Berlin-Tegel

Die Lufthansa hat neue Konkurrenz auf innerdeutschen Strecken bekommen: Der britische Billigflieger Easyjet fliegt nun auch von Berlin-Tegel nach Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart und München.

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Billiganbieter sparen bei Flughafengebühren

Kleinere Flughäfen sind jedoch für Billiganbieter interessant, da dort weniger Gebühren anfallen. Gleichzeitig gibt es nun neue Flugzeugmodelle wie etwa den A321LR, der sowohl von den Anschaffungs- als auch den Betriebskosten her günstiger ist als Langstreckenjets wie der 787-Dreamliner oder der A350. Der A321LR bietet Platz für weniger Passagiere – und genau das macht ihn für den Einsatz an Flughäfen interessant, die eben nicht so gross sind wie Frankfurt, Paris oder London Heathrow.

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Gäste buchen Anschlussflüge getrennt

Der Trend zu Billigfluggesellschaften auf der Langstrecke sorgt jedoch auch dafür, dass das sogenannte Self Connecting zunimmt. Während klassische Airlines für ihre Kunden Flugverbindungen organisieren, buchen Fluggäste inzwischen ihre Anschlussflüge im Internet verstärkt selber – bei zwei verschiedenen Billiganbietern. Nach Angaben der Unternehmensberatung ICF haben letztes Jahr bereits 16 Millionen Passagiere in Europa auf das Self Connecting gesetzt. 2021 könnten es sogar 25 Millionen sein, glaubt ICF.

Das Self Connecting ist zwar günstiger, bietet jedoch auch grössere Risiken. So sind die Anschlussflüge bei Verspätungen des ersten Fluges im Gegensatz zu Flugverbindungen klassischer Airlines nicht garantiert. Zudem müssen Fluggäste beim Self Connecting ihr Gepäck einsammeln und dann wieder komplett neu einchecken.