Während Rösti in Fehraltorf und Rickli in Greifensee ans Rednerpult treten, bleibt es in Maur ungewohnt ruhig. Weder Festrede noch Prominenz sind zu vernehmen, dort wo sonst Blasmusik schmettert und markige Worte zum Nationalfeiertag fallen.
Wenn Vandalen die 1. August Rede verhindern
Der Stelen-Schock sitzt tief in den Maurmer Knochen. Gemeindepräsident Yves Keller spricht bekanntlich am liebsten per Videobotschaft zum Volk. Doch Vandalen zertrümmerten ausgerechnet jene Videostelen beim Gemeindehaus und auf der Forch, die ihm dafür zur Verfügung standen. Kein Screen, kein Auftritt!
Der Steinwurf gegen die Technik traf mitten ins Herz der eidgenössischen Beredsamkeit. Wer den ersten Stein wirft, trägt auch die Konsequenzen. In Maur heisst das am 1. August: am Zopf kauen, statt auf den Screen schauen.
Wegen der Betriebsferien beim Lieferanten fehlt bislang jeder Reparaturtermin. Die Displays bleiben schwarz. Ein analoger Auftritt auf einer echten Holzkiste wäre zwar denkbar gewesen, aber das schien dann offenbar doch zu riskant zu sein. Wer weiss schon, wer sonst noch Steine wirft oder gar unbequeme Fragen stellt.
Lokale Köpfe gäbe es genug
Dabei fehlt es im Dorf wahrlich nicht an Talenten, die ganz ohne Akkulaufzeit auskommen. Walter Andreas Müller (WAM) könnte die Rede mühelos in fünf Dialekten inklusive Cabaret-Einlage halten. Loco Escrito würde mit Reggaeton-Rhythmen das Feuerwerksverbot vergessen machen. Und Freddy Burger wartet ohnehin schon seit gefühlten 40 Jahren auf seinen grossen Auftritt.
Vollkornbrot statt Vaterlandsliebe
Maur wählt stattdessen den sicheren Weg der Kommunikationsvermeidung. «Schweigen und Brunchen» nennt sich das. Auf dem Bergerhof oberhalb Maur gibt es Zopf statt Zündstoff. Rösti auf dem Teller statt Rösti auf der Bühne. Gegessen wird ohne Screen und ganz ohne Politik. Dafür greift man mit viel guter Laune bei den zahlreichen Köstlichkeiten kräftig zu.
So bleibt Maur dieses Jahr am 1. August die einzige Ruheoase im weiten Zürcher Oberland. Entschleunigt von ein paar Vandalen mit Steinen. Vielleicht ist das sogar besser als eine Polit-Hero-Ansprache von der Bühne: Ein Gespräch mit viel Spass von Angesicht zu Angesicht am Brunchtisch. Dann guten Appetit!