Maur zahlt 22’000 Franken Anwaltskosten – um 28’000 Franken Lohn nicht zu bezahlen

Thomas Renggli, ehemaliger Chefredaktor und Gemeinderatskandidat in Maur, führt ein arbeitsrechtliches Verfahren gegen die Gemeinde, die ihm laut eigenen Aussagen über 28’000 Franken an Lohnzahlungen schuldet. Die Gemeinde bestätigt den Fall – und hat bereits 22’000 Franken Anwaltskosten angehäuft. Auf Kosten der Steuerzahler.

Gemeinderatswahlen sind in der Regel eine überschaubare Angelegenheit: Kandidatinnen und Kandidaten stellen sich vor, versprechen Einsatz für die Gemeinde, und die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger entscheiden. In Maur läuft das gerade etwas anders ab.

Thomas Renggli, Ex-Chefredaktor und Kandidat für den Gemeinderat, steht nicht nur im Wahlkampf – er steht auch vor Gericht. Genauer gesagt: im arbeitsrechtlichen Verfahren gegen eben jene Gemeinde, in deren Exekutive er künftig Einsitz nehmen möchte. Laut eigenen Aussagen gegenüber dem Tages-Anzeiger schuldet ihm Maur Lohnzahlungen von über 28’000 Franken. Die Gemeindeverwaltung bestätigt den Fall auf Anfrage.

Was ist da los?

Das fragt man sich unwillkürlich. Eine Gemeinde, die offenbar geschuldete Löhne nicht bezahlt und den früheren Chefredaktor der Maurmer Post zwingt, sein Recht auf dem Rechtsweg einzufordern.

Für die Bearbeitung des Falls hat die Gemeinde Maur einen Rechtsanwalt engagiert. Kostenpunkt bis Ende 2025: satte 22’000 Franken. Bezahlt werden diese Kosten von den Einwohnerinnen und Einwohnern von Maur – aus Steuergeldern.

Renggli selbst hat ebenfalls Anwaltskosten – mehrere Tausend Franken, wie er sagt. Er trägt sie aus eigener Tasche. Wer über die Gemeindefinanzen entscheidet, sitzt am längeren Hebel. Das zeigt ihm der Gemeindepräsident immer wieder in aller Deutlichkeit.

Renggli gibt sich versöhnlich

Renggli gibt sich trotz des laufenden Verfahrens unbekümmert. Auf die naheliegende Frage, ob eine Zusammenarbeit im Kollegialorgan Gemeinderat unter diesen Vorzeichen überhaupt funktionieren kann, antwortet er: «Ich bin ein Teamplayer und würde mich freuen, auch mit Persönlichkeiten zusammenzuarbeiten, die meine Meinung nicht immer teilen.»

Der Gemeindepräsident schweigt

Gemeindepräsident Yves Keller lässt sich zu möglichen Auswirkungen bestimmter Wahlausgänge nicht vernehmen. Er äussere sich im Vorfeld grundsätzlich nicht dazu, teilt er schriftlich mit. Eine Antwort, die in ihrer Formulierung fast schon mehr verrät als jede inhaltliche Stellungnahme.

Wer kontrolliert die Gemeinde?

Die Frage ist, warum eine Gemeinde ihre grundlegendsten Pflichten – die Lohnzahlung an Mitarbeitende – offenbar nicht erfüllt, und stattdessen Steuergelder für Anwälte ausgibt. Es braucht Aufsicht. Der Bezirksrat als formelles Kontrollorgan reicht dafür bei weitem nicht aus. Was es auch braucht: eine unabhängige lokale Presse, die genau solche Vorgänge ans Licht bringt.

Quelle

TA 21.02.2026 – Ein Toter, eine Entlassung und ein umtriebiger Journalist – ein Dorf im Ausnahmezustand