Maurmer Gemeinderat versagt bei eigenen Richtlinien

Am 8. März 2026 finden in Maur die Gemeindewahlen statt. Doch bereits jetzt wirft der Wahlkampf Schatten: Die Gemeinde erlebt einen bemerkenswerten Fall selektiver Regelanwendung.

Während der Gemeinderat Maur bei der „Maurmer Post“ in der Vergangenheit wegen vermeintlicher Verstösse gegen die Richtlinien noch hart durchgegriffen hat, werden diese jetzt bei der Wahlwerbung sehr grosszügig ausgelegt, bezw. ignoriert.

Klare Regeln – selektive Anwendung

Die Fakten sind eindeutig: Gemäss den gültigen Richtlinien der Maurmer Post vom 27. März 2025, Punkt 7.3 Wahlen und Abstimmungen, gilt ein Publikationsstopp für entsprechende Zuschriften vier Wochen vor Wahlterminen.

Der entscheidende Passus in Punkt 7.3 lautet unmissverständlich:

„- Nicht-Publikation von Zuschriften, die erkennbar parteipolitisch motiviert sind oder die primär Parteiwerbung respektive eine Wahl- oder Abstimmungsempfehlung enthalten.“

Diese Regel soll eine ausgewogene Berichterstattung gewährleisten – ein demokratisches Grundprinzip. Doch genau hier liegt das Problem.

Wahlwerbung trotz Verbot

In der aktuellen Ausgabe der MP vom 13. Februar 2026, wie auch in vorherigen Ausgaben, findet sich eine Reihe von Zuschriften mit Wahlwerbung, die gegen diese klare Vorgabe verstösst. Was die Richtlinien explizit verbieten, landet trotzdem in den Briefkästen der Maurmer Bevölkerung. Der Gemeinderat als Aufsichtsorgan schaut zu – oder weg.

Zweierlei Mass nach Sponstürli-Affäre

Besonders brisant wird dieser Regelbruch im Kontext der Sponstürli-Tragödie. Damals wurde wegen der Veröffentlichung eines Interviews ein regelrechtes „Theater“ inszeniert. Redaktoren wurden entlassen, eine Kommission abgesetzt. Man zeigte sich kompromisslos, wenn es um die Einhaltung von Richtlinien ging.

Wo bleibt nun diese Konsequenz? Warum wird bei Wahlwerbung weggeschaut? Diese selektive Strenge lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder fehlt es an Kontrolle, oder die Regeln werden bewusst nach Belieben angewendet.

Unabhängige Medien unverzichtbar

Dieser Fall unterstreicht, wie wichtig unabhängige lokale Berichterstattung ist – sei es durch die Maurmer Zeitung oder andere Medien. Wenn das offizielle Gemeindeorgan seine eigenen Richtlinien nicht durchsetzt, braucht es kritische Stimmen, die Missstände aufzeigen.

Die Bürgerinnen und Bürger von Maur haben ein Recht auf transparente, regelkonforme Information – gerade in Wahlzeiten.