Südanflug NEIN!

Zürich - Schweiz

Südstarts geradeaus
Keine Südstarts geradeaus

«Mehr Flüge wegen der Pistenverlängerung schliessen wir aus»

TA 31.08.2023 – Interview mit Flughafen-Präsident

Die Pistenausbauten am Zürcher Flughafen kommen zur Abstimmung. Jetzt wehrt sich Verwaltungsratspräsident Josef Felder gegen Kritik von Links-Grün. Und er verrät, wie es mit den umstrittenen Parteispenden weitergeht.

Am Montag hat das Kantonsparlament die Verlängerung der Westpiste 28 und der Nordpiste 32 auf dem Flughafen in Kloten mit 87 zu 83 Stimmen gutgeheissen. Es wird nächstes Jahr zu einer Volksabstimmung kommen. Nun kontert der Verwaltungsratspräsident der Flughafen Zürich AG die Kritik der Fluglärmgegner.

Herr Felder, Sie haben die Debatte über die Pistenverlängerungen im Kantonsrat verfolgt. Was ist Ihnen geblieben?

Josef Felder: Wir haben eine sehr rege Debatte erlebt. Unser Flughafen bewegt und interessiert alle. Die rund 80 Voten zu diesem Geschäft im Rat zeigen die Wichtigkeit des Flughafens Zürich als Tor zur Welt, als Wirtschaftsstandort und als Arbeitsplatz für rund 30’000 Mitarbeitende.

Eine Mehrheit der Gemeinden im Zürcher Unterland lehnt die Pistenverlängerungen ab. Was sagt Ihnen das?

Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Es gibt auch Gemeinden in der Region, die die Pistenverlängerungen unterstützen und die Wichtigkeit dieses Projektes für mehr Sicherheit und einen zuverlässigeren Betrieb am Flughafen erkannt haben. Es kommt deshalb betreffend Fluglärmverteilung zu einer leichten Verschiebung. Was aber allen zugutekommt: Wenn der Flugbetrieb abends pünktlicher abgewickelt werden kann, profitieren alle von mehr Nachtruhe.

Josef Felder ist seit Mai 2023 Präsident des Verwaltungsrats der Flughafen Zürich AG. Von 1998 bis 2008 war er CEO des Flughafens. Zuvor hatte er neun Jahre in der Geschäftsleitung für die Crossair gearbeitet. Ursprünglich ausgebildeter Verkäufer und Buchhalter, ist der 62-Jährige heute vollberuflicher Verwaltungsrat. Mandate hat der Luzerner etwa bei der Amag, bei der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee, beim Circus Knie und bei Musik Hug. Er lebt im Grossraum Luzern. (pu)

Der Flughafen wurde im Ratssaal teils heftig angegriffen. Tut das nicht weh als Institution, die stets beteuert, die Fluginfrastruktur nur mit und nicht gegen die Bevölkerung zu betreiben?

Ja, das tut schon etwas weh – zumal die Vorwürfe teilweise haltlos sind und wir uns als offene und transparente Firma verstehen. Wir laden alle Ratsmitglieder regelmässig zum Dialog mit uns ein.

Ein Befund zog sich durch die Debatte wie ein roter Faden: Das Vertrauen in den Flughafen ist weg. Wie wollen Sie Gegensteuer geben?

Dieser Befund war vor allem von links-grüner Seite zu hören. Auf der anderen Ratsseite tönt das anders. Aber wir nehmen das selbstverständlich ernst und werden aufzeigen, dass der Flughafen nach wie vor ein verlässlicher Partner ist.

«Ja, einen Kapazitätsausbau aufgrund der Pistenverlängerungen können wir ausschliessen.»

Eine der grössten Befürchtungen ist, dass der Flughafen mehr Flüge abwickelt. Können Sie hier und jetzt zusichern, dass dies nicht geschehen wird?

Ja, einen Kapazitätsausbau aufgrund der Pistenverlängerungen können wir ausschliessen. Das ist wegen technischer und regulatorischer Gegebenheiten nicht möglich. Es besteht kein Zusammenhang zwischen Pistenlänge und Anzahl Flugbewegungen. Auf einer Piste kann jeweils nur ein Flugzeug starten oder landen, unabhängig von deren Länge. Die Pistenverlängerungen erhöhen aber den Bremsweg nach der Landung oder bei einem Startabbruch, die Sicherheitsmarge wird also grösser. Und der Betrieb wird stabilisiert. Die Folge sind weniger Verspätungen und nicht ein Kapazitätsaufbau.

Der Flughafen will zwei Pisten verlängern

Eine These: Wenn der Flughafen zusichern würde, dass nach 23 Uhr nicht mehr geflogen wird, wäre die Pistenverlängerung schlank durch den Kantonsrat gekommen. Warum tut das der Flughafen nicht?

Bereits heute werden keine geplanten Slots nach 23 Uhr vergeben. Die halbe Stunde zwischen 23 und 23.30 Uhr dient dem Verspätungsabbau. Wir haben bereits die strengste Nachtruhe in Europa. Bei einer weiteren Slotvorverlegung würden wichtige Langstreckendestinationen nach Asien, Südafrika und Südamerika wegfallen. Die Pistenverlängerungen helfen, die Pünktlichkeit zu verbessern, und wirken sich damit positiv auf die Nachtruhe aus.

Es werden viele Slots in der Stunde zwischen 22 und 23 Uhr vergeben. Wenn Sie diese ausdünnen würden, gäbe es weniger Verspätungsabbau. Warum tut dies der Flughafen nicht?

Für die Flugbetriebskapazität ist am Abend nicht die technische Kapazität massgebend, sondern der Lärmschutz. Der Sachplan Infrastruktur Luftfahrt – kurz SIL – und der Richtplan begrenzen den Fluglärm und damit den Flugbetrieb. In der lärmsensiblen Stunde zwischen 22 und 23 Uhr gelten bereits restriktive Lärmgrenzwerte und ein striktes Lärmcontrolling. Zudem dürfen die Anzahl Landungen ab 21 Uhr und die Anzahl Starts ab 22.20 Uhr seit 2019 nicht mehr erhöht werden. Es gibt also einen sogenannten Slotfreeze.

«Es gab und gibt keinerlei Zusammenhang zwischen dem Projekt der Pistenverlängerungen und den getätigten Parteispenden.»

Thema Parteispenden: Wie viel hat der Flughafen den «flughafenfreundlichen» Parteien fürs laufende Wahljahr gespendet? Und welche bekam am meisten?

Die Parteispenden der Flughafen Zürich AG wurden von den Gegnern der Pistenverlängerungen bewusst als Kampagnenelement eingesetzt. Vermutlich mangels inhaltlicher Argumente, die gegen die Pistenverlängerungen sprechen. Fest steht: Es gab und gibt keinerlei Zusammenhang zwischen dem Projekt der Pistenverlängerungen und den getätigten Parteispenden. Diese sind Pauschalbeträge, die einer langjährigen Praxis entsprechen und mit keinerlei Auflagen verbunden waren.

Sie haben vorhin gesagt, dass sich der Flughafen als transparente Firma versteht. Welche Partei hat nun wie viel bekommen?

Dazu wurde im Rat ausführlich Stellung genommen. (Lesen Sie hier mehr zur entsprechenden Ratsdebatte.) 

«Mitgliedschaften in Parteien sind für die Flughafen Zürich AG kein Kriterium für ein VR-Mandat.»

Der Flughafen hat angekündigt, das Reglement für Parteispenden zu überprüfen. Wie weit sind Sie, und in welche Richtung geht es?

Der Verwaltungsrat der Flughafen Zürich AG hat aufgrund der öffentlichen Debatte entschieden, die Praxis der Parteispenden entlang der Entwicklung der Corporate Governance zu überprüfen. Also zu schauen, ob unsere Praxis noch unserem Verständnis von guter Unternehmensführung entspricht. Wir gehen davon aus, dass wir eine allfällige Anpassung der bisherigen Praxis im Herbst kommunizieren würden.

Im Flughafen-Verwaltungsrat sitzen mit Carmen Walker Späh und Beatrix Frey-Eigenmann zwei freisinnige Kantonsvertreterinnen. Sind noch weitere VR-Mitglieder in der FDP?

Mitgliedschaften in Parteien sind für die Flughafen Zürich AG kein Kriterium für ein VR-Mandat.

Sind oder waren Sie selbst in der FDP?

Nein, ich bin parteilos.