In Los Lunas, New Mexico, entsteht eine Fusionsanlage für über eine Milliarde Dollar. Das Start-up Pacific Fusion will damit als erstes Unternehmen mehr Energie erzeugen, als die Anlage verbraucht. Die Nähe zu einem grossen US-Atomwaffenlabor soll dem Vorhaben dabei einen entscheidenden Vorteil verschaffen.
Das Fachmagazin Nature besuchte die Halle in Los Lunas, wo Arbeiter und Industrieroboter derzeit die ersten von über 150 sogenannten Marx-Generatoren zusammenbauen. Diese lkw-grossen Module sollen künftig ringförmig um eine zentrale Reaktionskammer angeordnet werden.
Elektrische Pulse statt Laser
Pacific Fusion setzt auf «pulsed power»: Statt wie das kalifornische National Ignition Facility (NIF) mit 192 Lasern arbeitet die Anlage mit gebündelten Stromstössen. Die Module sollen gleichzeitig feuern und einen elektrischen Puls erzeugen, der tausendfach stärker ist als ein Blitzschlag. Dieser trifft auf eine erbsengrosse Wasserstoff-Kapsel im Zentrum der Maschine und komprimiert sie durch ein starkes Magnetfeld.
Der Vorteil gegenüber Lasern liegt in der Effizienz. Am NIF erreicht weniger als ein Prozent der eingesetzten Energie das Zielobjekt, weil die Ladung mehrfach umgewandelt wird. Bei Pacific Fusion sollen es laut Technikchef Keith LeChien rund 12 Prozent sein. Die geplante Demonstrationsanlage soll pro Schuss 80 Megajoule an elektrischer Energie einsetzen und 100 Megajoule Fusionsenergie liefern. Das würde einen sogenannten «net facility gain» bedeuten, den bislang keine Anlage weltweit erreicht hat.
Sandia als Partner für Energie und Waffen
Pacific Fusion, mit Hauptsitz im kalifornischen Fremont, hat seit der Gründung 2023 über eine Milliarde Dollar eingesammelt. Die Nähe zum Sandia National Laboratory in Albuquerque ist dabei kein Zufall: Die Einrichtung, die auf nationale Sicherheitsforschung spezialisiert ist, kooperiert offiziell mit Pacific Fusion, um die Pulsed-Power-Technik sowohl für die Energiegewinnung als auch für die Erforschung des alternden US-Atomwaffenarsenals zu nutzen.
Diese doppelte Nutzung ist in der Fusionsbranche keine Seltenheit, macht die Anlage aber auch politisch heikel. Für Pacific Fusion bedeutet die Partnerschaft vor allem eines: Zugang zu Fachwissen und Infrastruktur, die ein privates Start-up allein kaum aufbauen könnte.
Wo die Konkurrenz steht
Der Wettlauf um den ersten kommerziell relevanten Fusionsdurchbruch ist eng. Das MIT-Spin-off Commonwealth Fusion Systems baut in Devens, Massachusetts, mit dem Tokamak-Reaktor SPARC ein Konkurrenzprojekt. Das Unternehmen hat über zwei Milliarden Dollar Kapital eingesammelt und setzt auf supraleitende Hochtemperatur-Magnete statt auf Pulsed Power. Der Zeitplan hat sich mehrfach verschoben: Ursprünglich für 2025 angekündigt, visiert SPARC nun das erste Plasma für 2026 oder 2027 an, den Netto-Energiegewinn frühestens für 2027.
Auch First Light Fusion im britischen Yarnton verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie Pacific Fusion. Fachleute wie der Plasmaphysiker Kyle Peterson von Sandia betonen, dass die Vielfalt der Konzepte kein Zufall ist: Die beste technische Lösung für eine kommerzielle Fusionsanlage steht schlicht noch nicht fest.
Selbst wenn Pacific Fusions Maschine wie geplant funktioniert, wäre der Energiegewinn pro Puls erst rund ein Fünftel dessen, was ein echtes Kraftwerk benötigt. Bis zur kommerziellen Stromerzeugung bleibt also noch viel Grundlagenforschung nötig, räumt LeChien selbst ein.
Quelle
Nature 24.08.2026 – Billion-dollar machine aims to set a fusion-energy record – and study nuclear weapons