Richter verlangen vom Flughafen Zürich ein Schallschutz-Konzept für Südanflüge

TA 23.03.2011

Aus dem Fluglärmfonds sind 120 Millionen Franken in den Schallschutz geflossen. Weitere 150 Millionen stehen bereit – auch für den Süden.

Jeder in Kloten abfliegende Passagier bezahlt einen «Lärmfünfliber»: 5 Franken landen im Fluglärmfonds, zusammen mit den Landegebühren der Fluggesellschaften, die je nach Lärm höher oder tiefer ausfallen.

Kürzlich hat das Bundesgericht in einem Urteil zum vorläufigen Betriebsreglement den Flughafen verpflichtet, die auf frühestens 2013 angekündigte Revision der Lärmgebühren vorzuziehen. Lenkungswirksamere Gebühren sollen dazu führen, dass die Fluggesellschaften insbesondere am frühen Morgen entweder leisere Flugzeuge einsetzen oder den Flughafen Zürich meiden.

Aktuellen Grenzwerte reichen nicht

Das ist die eine Hausaufgabe, welche die Richter in Lausanne dem Flughafen aufgegeben haben. Die andere ist nicht weniger aufwendig – und erst noch dringend: Bis Ende Jahr muss der Flughafen beim Bundesamt für Zivilluftfahrt ein Konzept für Schallschutzmassnahmen im Bereich der Südanflüge einreichen. Das Bundesgericht war zum Schluss gekommen, dass die aktuellen Grenzwerte nicht genügend Schutz böten gegen Fluglärm, der geballt zu besonders sensiblen Tagesrandstunden auftritt: «Insbesondere die seit 2003 eingeführten morgendlichen Südanflüge führen zum Teil zu übermässigen Lärmimmissionen.»

Das Konzept soll aufzeigen, wie Schallschutzmassnahmen die betroffenen Anwohner vor zu frühem Erwachen schützen können. Laut Sprecherin Sonja Zöchling arbeitet der Flughafen auf der Basis der Schweizerischen Lärmschutzverordnung intensiv daran; infrage kommen Schallschutzfenster- und -lüfter. «Vieles ist offen, und das macht es schwierig. Es ist völlig unklar, wie das Resultat aussehen wird.»

Bisher hat der Flughafen Zürich gemäss Angaben an der Medienkonferenz von gestern Mittwoch aus dem Fluglärmfonds 130 Millionen Franken ausgeschüttet. 120 Millionen davon flossen laut Finanzchef Daniel Schmucki in Schallschutzmassnahmen. In einem über die Jahre gefüllten 740-Millionen-Topf stehen weitere 150 Millionen für den Schallschutz bereit.

Viel Geld für Entschädigungen

410 Millionen Franken sind budgetiert als Entschädigung für Grundeigentümer, deren Immobilien wegen des Fluglärms an Wert verloren haben. Ausbezahlt wurden davon allerdings erst 10 Millionen. Weitere 60 Millionen sind für ein operatives Lärm-Management reserviert; dazu gehören etwa Rechtskosten.

Mit 138,5 Millionen Franken Jahresgewinn bei 862,9 Millionen Franken Umsatz konnte Flughafen-Chef Thomas Kern ein respektables Ergebnis präsentieren. Gemessen am Vorjahr entspricht das zwar einem Gewinnrückgang von gut 27 Prozent, doch 2009 war der Gewinn durch einen Teilverkauf des Engagements im Flughafenbau in Indien um 75 Millionen Franken geprägt gewesen.

Gutes Geschäft mit Fracht

Derzeit wird am Flughafen das Dock B mit 9 Standplätzen und das zentrale Gebäude für die Sicherheitskontrolle gebaut. Beide Gebäude sollen im Dezember in Betrieb genommen werden. Das Dock B erlaubt eine flexible Abfertigung von Flügen in- und ausserhalb des Schengen-Raums, was dem Flughafenbetreiber grosse Anpassungsfähigkeit an den Flugbetrieb ermöglicht.

Mit der Bauerei sind temporäre Ladenschliessungen verbunden, sodass das Nicht-Fluggeschäft in den Shoppingzonen etwas leiden wird. Dennoch will der Flughafen das Ergebnis um 10 bis 15 Prozent steigern. Dazu beitragen sollen insbesondere die Passagiere aus dem Heimmarkt Schweiz, die bis Ende Februar deutlich stärker zunahmen als die Transferpassagiere. Diese bringen dem Flughafen auch mehr Gebühren als Transferpassagiere. Ebenfalls gut läuft das Geschäft mit der Fracht – ein Frühindikator für die Konjunktur. Gegenüber 2009 wurden letztes Jahr 19,3 Prozent Tonnen mehr abgefertigt; in den ersten zwei Monaten des Jahres lag das Plus immerhin noch bei knapp 4 Prozent.

Zollfrei shoppen bei Ankunft

Grosse Hoffnungen setzt der Flughafen auf das Dutyfree-Geschäft mit ankommenden Passagieren. Wird dagegen nicht noch das Referendum ergriffen, kann man ab Anfang Juni auf 1900 Quadratmeter Fläche Tabak, Alkoholika, Parfüms und Schokolade einkaufen statt am Rollband auf das Gepäck warten. Laut Kern schafft dies 60 bis 80 Stellen. Der Flughafen erwartet zusätzliche Einnahmen zwischen 10 und 15 Millionen Franken und Umsätze von gegen 50 Millionen für die Betreiber der Läden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.03.2011, 22:19 Uhr