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Schweizer Chip-Fabrik: 170-Millionen-Projekt für digitale Souveränität

Eine Expertengruppe will in Dübendorf ein Chip-Labor errichten und die Schweiz weniger abhängig von ausländischen Halbleitern machen. 110 Millionen Franken soll die öffentliche Hand beisteuern.

Die Schweiz braucht eine eigene Chip-Strategie – davon sind fünf Experten von ETH, Empa und der Privatwirtschaft überzeugt. Ihr ambitioniertes Ziel: Auf dem Gelände des Innovationsparks Dübendorf soll bis nächstes Jahr eine Halbleiter-Produktionsstätte entstehen, die Schweizer Unternehmen und Start-ups zur Verfügung steht.

170 Millionen für digitale Unabhängigkeit

Das geplante „Chip Fablab“ würde 170 Millionen Franken kosten. Auf 4000 Quadratmetern – etwa einem halben Fussballfeld – sollen Reinräume entstehen, in denen hochsensible Schaltkreise hergestellt und getestet werden. Unternehmen könnten sich einmieten und eigene Maschinen aufstellen oder vorhandene Anlagen nutzen.

110 Millionen Franken soll die öffentliche Hand beisteuern, 60 Millionen kommen von ETH, Empa und privaten Investoren. Die Initiative wird von ETH-Professor Jürg Leuthold, Empa-Abteilungsleiter Lars Sommerhäuser, Unternehmer Beat de Coi, Swissmem-Vertreter Adriaan Spierings und Ex-SBB-Chefin Jeannine Pilloud vorangetrieben.

Geopolitische Risiken im Fokus

„Mikrochips sind überall“, erklärt Leuthold und zeigt auf Laptop, Handy und Ladegerät. Ohne die kleinen Elektronikteile funktionieren weder Waschmaschinen noch Autos oder das Internet. Die grössten Produzenten sitzen in Taiwan – ein geopolitisches Risiko, falls China angreift.

Viele Schweizer Start-ups wandern ins Ausland ab, weil sie hier keine Produktionsmöglichkeiten finden. Gleichzeitig investieren die EU (43 Milliarden Euro) und die USA (53 Milliarden Dollar) massiv in eigene Chip-Industrien.

Positive politische Reaktionen

Die ersten politischen Reaktionen sind ermutigend. SP-Nationalrätin Jacqueline Badran, die selbst eine IT-Firma aufbaute, begrüsst die Initiative: „Alles, was die digitale Souveränität der Schweiz stützt, ist eine gute Sache.“ Auch FDP-Politiker Ruedi Noser unterstützt das Projekt.

Bereits 25 Unternehmen haben Interesse signalisiert, darunter der japanische Konzern Hitachi. Etwa 50 Millionen Franken sollen über Rüstungsgegengeschäfte via Armasuisse finanziert werden, da Chip-Technologien oft sowohl zivil als auch militärisch nutzbar sind.

Zeitdruck als grösstes Risiko

„Das grösste Risiko ist Mutlosigkeit“, warnt Sommerhäuser. Jeannine Pilloud fürchtet vor allem eins: „Dass wir zu langsam sind.“ Der ehrgeizige Zeitplan sieht vor, bereits 2026 mit dem Bau zu beginnen. Die Schweiz müsse jetzt handeln, um international nicht den Anschluss zu verlieren.

Quelle

TA 26.08.2025