«Skandal am Himmel»

ZSZ 12.12.2018 – Leserbrief

Zu «Klimaschutz verteidigt» vom 04.12.2018

Die lächerliche Pseudoeinbindung des Luftverkehrs in die Klimadiskussion des Nationalrates widerspiegelt in keiner Weise die Haltung der Schweizer Bevölkerung. Der geplante Einstieg in den flügellahmen Emissionshandel der EU ist nicht mehr als eine wirkungslose Alibiübung, die in keiner Weise der verursachergerechten Klimarelevanz des Luftverkehrs entspricht.

Gemäss GFS-Umfrage sind 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung der Meinung, dass die Steuerbefreiung des Luftverkehrs nicht mehr zeitgemäss sei.

Es darf nicht sein, dass fünf Prozent der Weltbevölkerung als Vielflieger mit dem klimaschädlichsten Verkehrsmittel zu Tiefstpreisen die Welt bereisen – zulasten der übrigen 95 Prozent, welche noch nie ein Flugzeug betreten haben, deren Lebensgrundlage aber von einem intakten Klima abhängt.

Vor diesem Hintergrund ist es geradezu zynisch, wenn die Aviatiklobby versucht, ihre Mitverantwortung am Klimawandel weiterhin verantwortungslos auszuklammern.

Schon 2030 wird das gemäss Pariser Abkommen verbleibende CO2-Budget der Schweiz allein durch den aus der Schweiz heraus verursachten Luftverkehr beansprucht werden.

Unter dem Vorwand einer vermeintlichen Benachteiligung des schweizerischen Luftverkehrs soll die Schweiz nicht einmal mit einer in all unseren Nachbarstaaten bereits eingeführten Ticketabgabe nachziehen. Stattdessen soll die Lufthansa-Swiss ihre Schweizer Passagiere weiterhin mit ihrer zweifelhaften Ticketpolitik subventioniert austricksen können.

Die Spiesse der Swiss sind seit je überlang, nicht nur wegen der fehlenden Ticketabgabe, sondern auch wegen der Operationsbasis Hochpreisinsel Schweiz, wo für ein Flugticket nur halb so lang gearbeitet werden muss wie im Ausland.

Ein Skandal, dass die Politik den Umdenkprozess in der Bevölkerung nicht wahrnehmen will.

Deshalb ist es wohl an der Zeit, über eine Volksinitiative für eine längst überfällige, verursachergerechte Kerosin-, CO2- und Mehrwertsteuer auf alle in der Schweiz vertankten Flugtreibstoffe nachzudenken.

Jean-Pierre Schiltknecht
Zollikerberg