Swiss erleidet Rückschlag im Streit mit Flughafen Zürich

HZ 28.09.2018

Mehr Starts und Landungen

Kloten will die Kapazität steigern – vor allem mit Starts am Morgen. Die Swiss stemmt sich dagegen. Nun hat das BAZL im Sinne des Flughafens entschieden.

In der Debatte um eine Ausweitung der Kapazitäten (also weitere Start- und Landerechte, Slots) am Flughafen in Zürich hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) eine Entscheidung gefällt. Wie die «Handelszeitung» erfuhr, hat das BAZL bezüglich des Sommerflugplans 2019 verfügt, dass die Zahl der morgendlichen Starts erhöht werden kann – konkret zwischen 5.45 Uhr und 7 Uhr. Dabei geht es um vier Slots an Wochentagen. Ausserdem gibt es weitere Slots am Wochenende sowie zusätzliche Landerechte in den Abendstunden, konkret zwischen 21 und 22 Uhr. Das BAZL bestätigt dies.

Die Entscheidung des BAZL ist ein Rückschlag für die Swiss. Sie hatte sich gegen eine Ausweitung gestemmt. Zwar ist die Lufthansa-Tochtergesellschaft die führende Airline in Kloten, doch sie argumentierte mit Verspätungen. Eine zusätzliche Erhöhung der Kapazitäten würde die Verspätungssituation weiter zuspitzen, so die Swiss.

Mehr Geschäft für den Flughafen

Branchenkenner argumentieren hingegen, dass es der Swiss primär darum gehe, ihren Einfluss in Zürich gegenüber der Konkurrenz zu festigen und verhindern zu wollen, dass Konkurrenten die Möglichkeit für weitere Slots erhalten. Hingegen hat der Flughafen Zürich ein Interesse, die bisher stark begrenzten Kapazitäten zu erhöhen und damit allen Airline-Kunden weitere Möglichkeiten einzuräumen. Das Mehrgeschäft wirkt sich natürlich auch finanziell positiv für den Flughafen aus.

Wie die «NZZ am Sonntag» kürzlich berichtete, herrscht in der Frage um die Kapazitätsausweitung zwischen dem Flughafen Zürich und der Swiss dicke Luft. Zwar starten und landen in Kloten rund 700 Flieger am Tag, so dass einige weitere Slots keine sehr grosse Veränderung darstellen. Doch der BAZL-Votum zeigt, dass sich der Flughafen nicht davor scheut, gegenüber seinem grössten Kunden, der Lufthansa-Gruppe, ungünstige Entscheide durchzuboxen.

Profitieren von der BAZL-Verfügung können derweil auch kleinere Anbieter, wie die Fluggesellschaft Germania. Sie wäre nun in der Lage, ihre Kapazitäten zu steigern, also bestehende Strecken in Zukunft öfter zu bedienen oder sogar weitere Routen anzubieten im Sommer 2019.

«Das BAZL hat Antrag gutgeheissen»

Das BAZL reagierte auf eine Anfrage der « Handelszeitung» am Freitagnachmittag wie folgt: «Der Sachplan Infrastruktur Luftfahrt (SIL) für den Flughafen Zürich sieht generell eine moderate Anpassung der Bewegungen von heute 66 auf 70 pro Stunde vor. Diese leichte Ausdehnung der Kapazität wird unter anderem auch durch technische Massnahmen am Boden ermöglicht, die die Sicherheit des Pistenbetriebes verbessern. Das BAZL hat einen entsprechenden Antrag des Flughafens für eine Erhöhung der Kapazitätseckwerte gutgeheissen. Die im SIL beschriebene Bewegungszahl wird aber damit noch nicht erreicht.»

Der Flughafen Zürich begrüsse den BAZL-Bescheid, sagte Sprecherin Sonja Zöchling gegenüber der «Handelszeitung», «die zusätzlichen Slots ausserhalb der Wellenspitzen sind vorerst die einzige Möglichkeite für ein moderates Wachstum, das uns gemäss SIL zugestanden worden ist».

Die Swiss-Medienstelle liess verlauten, dass sie «grundsätzlich immer Möglichkeiten für nachfragegerechtes Wachstum» begrüsse. «Mit den Erfahrungen aus dem Sommer 2018 sind wir allerdings der Meinung, dass zur Stabilisierung des Systems für den Sommer 2019 kein Flugbewegungswachstum am Flughafen Zürich stattfinden sollte. Allfällige Unregelmässigkeiten im Flugbetrieb (Wetter, Streiks) und deren Konsequenzen auf die Pünktlichkeit können durch entsprechende Puffer zeitnaher und effizienter eliminiert werden.» Dies reduziere massgeblich die Verspätungen und somit auch die negativen Auswirkungen auf die Fluggäste, so die Swiss.