Elf tote Hunde, sechs Monate Schweigen – und eine Ermittlung, die keiner ernst nimmt

Seit dem 24. Oktober 2025 sind in einer Maurmer Hundepension elf Hunde gestorben – mutmasslich vergiftet. Seither vergeht Monat um Monat, ohne dass Behörden, Staatsanwaltschaft oder Labors Greifbares liefern. Was übrig bleibt, ist ein Muster aus Formfehlern, Kompetenzgerangel und einer auffälligen Bereitschaft, Komplexität als Ausrede zu nutzen.

Zoll, Rücktransport, Neustart – Dilettantismus auf Kosten der Wahrheit

Der jüngste Bericht der Maurmer Zeitung enthüllt ein Detail, das mehr als peinlich ist: Mehrere Hundekadaver wurden nach Deutschland verschickt, um an einem Münchner toxikologischen Institut untersucht zu werden – und steckten dann wochenlang am Zoll fest. Grund: ein Formfehler bei der Deklarierung. Anschliessend wurden die Tiere zurück in die Schweiz geführt, wo nun humanmedizinische Spezialisten ran sollen.

Das ist kein Pech. Das ist organisatorisches Versagen, das den gesamten Untersuchungsprozess um Monate verzögert hat. Wer Tierkadaver über eine Landesgrenze schickt, muss die Zollformalitäten kennen – oder jemanden beiziehen, der sie kennt. Dass dies offenbar niemand getan hat, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Ernsthaftigkeit, mit der dieser Fall angegangen wurde.

«Komplex» als Schutzschild

Immer wieder heisst es offiziell, der Fall sei «komplex». Eine Vielzahl möglicher Giftstoffe müsse geprüft werden. Das klingt gründlich – ist aber in Anbetracht moderner Labortechnik schlicht nicht überzeugend. Heutige toxikologische Screenings sind weitgehend automatisiert und können in kurzer Zeit ein breites Spektrum an Substanzen erfassen. Was früher Wochen dauerte, ist heute in Tagen möglich.

Zudem wäre die Ermittlung methodisch gar nicht so komplex, wie suggeriert wird. Sie besteht im Kern aus zwei Untersuchungslinien, die zunächst völlig unabhängig bearbeitet werden können: erstens die toxikologische Analyse – welche Giftstoffe kommen in Frage, und wie zugänglich sind sie (Drogerien, Internet, Landwirtschaft)? Zweitens die Einengung des Täterkreises – wer hatte Zugang zur Pension, wer steht in einer Beziehung zur Familie Brüngger oder zu den betroffenen Tierhaltern, wer käme als Feind oder Konkurrent in Frage? Spaziergänger scheiden dabei weitgehend aus; der Täter kannte offenkundig das Umfeld.

Diese Untersuchungslinien lassen sich parallel und effizient bearbeiten. Erst in einer späteren Phase werden die Erkenntnisse zusammengeführt. Das ist solide Ermittlungsarbeit – keine Hexerei, sondern Büroarbeit.

Was auf dem Spiel steht

Für die betroffenen Hundehalter ist diese Hinhaltetaktik kaum erträglich. Sie haben ihre Tiere verloren – und erhalten statt Antworten nur Ausflüchte. «Keine kommunizierbaren Neuigkeiten» lautet die offizielle Formel. Als wäre der Tod von elf Tieren bloss eine Pressemitteilung, die man sich sparen kann.

Sechs Monate, ein Zolldebakel, kein einziges Ergebnis. Wer hier von Komplexität spricht, verschleiert, was in Wirklichkeit fehlt: Priorität, Koordination – und der Wille zur Aufklärung.