Trick, statt endlich Massnahmen.

Ein im Kantonsrat im 2018 überwiesenes Postulat behauptet, der Zürcher Fluglärm Index ZFI hätte noch Geburtswehen. Der Zürcher Regierungsrat schloss sich dieser Meinung an und bekam volle 2 Jahre Zeit, über Lösungsvorschläge nachzudenken. Es wird hier erklärt, was dahintersteckt und begründet, warum die Behauptung falsch ist.

Der Zürcher Flughafen hat plötzlich seine Politiker im Kantonsrat in Gang gesetzt, weil der Zürcher Fluglärmindex ZFI in den letzten Jahren dauernd zunahm und dabei die zulässige Limite von 47’000 Betroffenen übertraf, ohne dass der Zürcher Regierungsrat wirkungsvolle Massnahmen dagegen einleitete.

Es wurde ihm im Hinblick auf die kommenden Abstimmungen über Pistenverlängerungen offensichtlich doch zu ungemütlich.  

Siehe dazu auch: Der Zürcher Fluglärmindex soll geändert werden – NZZ 17.9.2018

Dazu liess er sich etwas Besonderes einfallen.

Der bisherige Zürcher Fluglärmindex ZFI als reiner Monitoringwert soll so umfunktioniert werden, dass bisher betroffene Anwohner plötzlich kein Fluglärm mehr haben, weil sie zu wenig lange an ihrem Wohnort wohnten. Mit anderen Worten, Fluglärm soll auch von der Dauer des Wohnortes abhängen. Da beisst sich offensichtlich etwas in den Schwanz.

Es sollte stattdessen klar zwischen dem Zürcher Fluglärm Index ZFI als Monitoringwert einerseits und den daraus abgeleiteten Massnahmen der Politik andererseits, unterschieden werden.

ZFI (Monitoringwert)

ZFI = Total Anzahl von Fluglärm stark Betroffenen oberhalb eines bestimmten Dezibel-Schwellenwerts.

Der Trend des ZFI ob zu- oder abnehmend und wie stark interessiert dabei besonders, denn er lässt Schlüsse auf die Wirksamkeit der getroffenen Massnahmen zu.

Die Anzahl der stark Betroffenen in den einzelnen Gebieten und wie sich der ZFI als Summe daraus zusammensetzt, wird bei der Berechnung ebenfalls ausgewiesen.

Der ZFI ist unabhängig von der Politik anzusehen und dient einzig und alleine dem Zweck, die Anzahl der von Fluglärm stark Betroffenen zu erfassen.

Die Neuzugezogenen sind genauso von Fluglärm betroffen, wie die bereits seit langem Ansässigen und es gehört deshalb zum Konzept, diese auch zu berücksichtigen. Hier von Geburtswehen zu sprechen, ist völlig falsch.

Die Trennung zwischen dem Zürcher Fluglärm Index ZFI als Monitoringwert einerseits und den daraus abgeleiteten Massnahmen der Politik andererseits ging bei der Überweisung des Postulats offenbar völlig vergessen.

Es braucht keine Änderung des Fluglärmindex ZFI, sondern endlich Massnahmen.

Politik (Massnahmen)

Der Zürcher Regierungsrat legte die Limite von 47`000 stark belästigten / gestörten Personen für den ZFI fest, ab wann spätestens Massnahmen gegen den Fluglärm zu treffen sind. Der Zürcher Regierungsrat bestimmt auch, welche Massnahmen genau zu treffen sind. Das war aus den Abstimmungsunterlagen aus guten Gründen nicht ersichtlich und wurde auch im Vorfeld der Abstimmung immer wieder kritisiert. Die Kritiker sollten Recht bekommen.

Der zulässige Grenzwert des ZFI wird schon seit Jahren überschritten und noch wichtiger, der Trend des ZFI zeigt zusätzlich ununterbrochen nach oben. Die versprochenen, wirksamen Massnahmen blieben bisher aus oder verliefen alle völlig ins Leere.

Mit dem überwiesenen Postulat kommt jetzt plötzlich eine neue Komponente mit ins Spiel, um den Zürcher Flughafenindex ZFI rein buchhalterisch quasi von einem Tag auf den anderen massiv zu senken.

Die Neuzuzüger sollen speziell wie Ausgesteuerte behandelt werden und gar nicht mehr auf der Liste erscheinen. Die Rechnung beim Flughafen ginge auf, nicht aber bei den Betroffenen. Sie alle würden nicht davon profitieren. Am Fluglärm selber würde sich nichts ändern.

Der Zürcher Fluglärmindex ZFI war bewusst von der Politik unabhängig so gewählt worden, dass er aufzeigt, wieviele stark Fluglärmbetroffene es gibt und wo diese wohnen. Darauf basierend waren Massnahmen zu treffen. Darüber haben die Stimmbürger abgestimmt.

Sollte der Zürcher Fluglärmindex ZFI zum Misch-Index von Fluglärm und Wohnort-Dauer umfunktioniert werden, käme dies einer Missachtung des Willens der Stimmbürger gleich.

Der ZFI spielt bei der Siedlungspolitik und der Raumplanung praktisch keine Rolle, sondern nur die Erschliessung der Gebiete und deren verkehrstechnische Anbindung. Dies entnimmt man auch dem Flughafenbericht 2018 unter Abschnitt Siedlungsentwicklung und ZFI. Dort heisst es: Dieser Anstieg liesse sich höchstens aufhalten, wenn die An- und Abflüge noch häufiger über weniger dicht besiedeltes Gebiet geführt werden könnten.

Deshalb bleibt als einzig wirkungsvolle Massnahme zur Stabilisierung und Reduzierung des ZFI nur noch die Flugrouten über weniger dicht besiedeltes Gebiet, als den Süden zu führen übrig. Dies entspricht auch dem Umweltschutzgesetz.

Die Einführung des gekrümmten Nordanflugs und der Verzicht auf gerade Südstarts haben deshalb oberste Priorität.