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Von Palantir zur Roboterarmee: Ukraines automatisierter Krieg

Palantir, autonome Drohnen und eine geplante Roboterarmee: Die Ukraine treibt die Automatisierung des Krieges auf mehreren Ebenen gleichzeitig voran. Der folgende Überblick zeigt, wie Datenanalyse, autonome Waffensysteme und private Rüstungsinitiativen zusammenspielen.

Der Krieg in der Ukraine wird zum Testfeld für algorithmische Kriegsführung. Datenplattformen wie Palantir liefern das Lagebild, Drohnen greifen zunehmend ohne GPS oder Funkverbindung an, und der frühere Digitalminister Mykhailo Fedorov plant nun eine private Roboterarmee. Die drei Entwicklungen zeigen, wie schnell sich die Grenze zwischen menschlicher Kontrolle und automatisierter Entscheidung verschiebt.

Noch vor wenigen Jahren galt der Einsatz künstlicher Intelligenz im Gefecht als Zukunftsszenario. Heute gehört er in der Ukraine zum Alltag der Front. Die Entwicklung beginnt bei der Datenanalyse im Hintergrund, geht über die autonome Ausführung in der Luft und mündet in eine neue industrielle Struktur für Kampfroboter.

Palantir liefert das Lagebild, nicht den Abschussbefehl

Das US-Unternehmen Palantir stellt der Ukraine seine Plattformen Foundry und AIP weitgehend kostenlos zur Verfügung. Die Software führt Satellitenbilder, Drohnenvideos, Wärmedaten und Open-Source-Informationen in Echtzeit zusammen. Algorithmen erkennen Veränderungen im Gelände, schlagen Ziele vor und berechnen deren Priorität. Nach einem Angriff werten weitere Modelle Folgebilder aus, um den Erfolg zu prüfen. Laut Palantir und ukrainischer Führung trifft am Ende immer ein Mensch die Entscheidung über den Waffeneinsatz. Kritiker sehen darin trotzdem einen Vorboten vollständig autonomer Zielauswahl.

Drohnen operieren zunehmend ohne GPS und Funk

An der Front geht die Autonomie längst weiter, als Palantirs Modell vorsieht. Das Unternehmen Auterion hat mit Skynode S eine Recheneinheit entwickelt, die den autonomen Zielanflug übernimmt, sobald gegnerische Störsender die GPS- oder Funkverbindung kappen. Der Soldat wählt das Ziel weiterhin selbst aus, danach steuert die Software den Endanflug allein.

Das Prinzip dahinter ist einfach erklärt. Die Drohne trägt vorab gespeicherte Karten und 3D-Geländedaten der Zielregion an Bord. Kamera und weitere Sensoren liefern während des Flugs laufend Echtzeitbilder des überflogenen Geländes. Ein Algorithmus vergleicht beide Datensätze fortlaufend, erkennt markante Geländepunkte wieder und bestimmt daraus die eigene Position, ganz ohne Satellitensignal.

Die ukrainische Firma Sine Engineering verfolgt mit ihrem Funknetzwerk Sinelink einen ähnlichen Ansatz. Sie will Drohnen unabhängig von GPS machen und erstmals echte Massenoperationen ermöglichen.

Berichte über einen Einsatz im Juni 2026 zeigen, wohin die Entwicklung führen kann. Eine Kampfdrohne soll dabei zehn Minuten ohne Datenverbindung und ohne Videosignal agiert, Soldaten getötet und ein Fahrzeug zerstört haben. Der Fall lässt sich bislang nicht unabhängig bestätigen, zeigt aber die Richtung, in die sich die Technik bewegt.

Fedorov will private Kampfroboter-Firmen aufbauen

Der frühere ukrainische Vizepremier und Digitalminister Mykhailo Fedorov hat an der IT Arena 2026 in Lwiw ein neues Projekt vorgestellt. Unter dem Namen «Army of Robots» kündigt er ein privatwirtschaftliches Programm für Kampfroboter an und will sie für Verwundetenbergung, Minenräumung und Kampfeinsätze einsetzen. Getragen werden soll das Projekt durch Investitionen in private Firmen sowie eigene Technologieprojekte, die anschliessend mit dem Militär getestet und skaliert werden. Fedorov nennt dabei eine bemerkenswerte Zahl: Drohnen seien inzwischen für mehr als 95 Prozent aller Zielbekämpfungen verantwortlich, ohne Zeitraum oder Datenbasis zu benennen. Sein Ziel formuliert er knapp mit den Worten «Roboter sollen kämpfen, nicht Menschen». Ob auch Roboter künftig selbstständig über Angriffe entscheiden sollen, lässt er offen, bei Drohnen ist das nach Einschätzung von Fachleuten bereits Realität.

UN diskutiert Verbote, die Praxis läuft längst weiter

Während Staaten im UN-Rahmen weiter über Grenzen für autonome Waffen beraten, wirbt Fedorov bereits offensiv für die vollständige Robotisierung des Schlachtfelds. Diese Lücke zwischen internationaler Regulierung und militärischer Praxis dürfte sich in den kommenden Jahren kaum schliessen. Für Staaten mit eigener Rüstungsindustrie, auch für die Schweiz, ist das eine Entwicklung, die genaue Beobachtung verdient.