Warum kontrolliert der Flughafen Zürich keine Corona-Tests?

TA 02.05.2021

Auf Mallorca erwarteten uns Frauen in Schutzanzügen, die unsere PCR-Tests genau unter die Lupe nahmen. Zurück in Zürich, kümmert sich niemand darum. Was ist da los?

Wir wundern uns: Kein Mensch will bei der Einreise vergangene Woche am Flughafen Zürich unseren PCR-Test sehen. Wir sind aus dem Flugzeug gestiegen, zum Gepäckband marschiert – und haben den Flughafen verlassen. Ohne dass irgendwer kontrolliert hätte, ob wir uns wie verlangt auf Mallorca testen liessen, geschweige denn, ob der Test auch negativ ausgefallen ist.

Ganz anders bei der Einreise am Flughafen von Palma de Mallorca ein paar Tage zuvor: Wir werden empfangen von Frauen in Schutzanzügen, die unsere Zertifikate genau unter die Lupe nehmen. Wer ohne oder mit ungültigem PCR-Test erwischt wird, muss sich vor Ort testen lassen. Und es drohen saftige Geldbussen: Verstösse gegen die strengen Covid-Regeln werden mit bis zu 60’000 Euro geahndet. Die Botschaft lautet: In diesem Land wird die Pandemie ernst genommen. Willkommen ist, wer kooperiert.

Die Polizei macht Stichproben, mehr nicht

Zurück in der Schweiz aber: keine Kontrollen. Die Kantonspolizei Zürich schreibt auf Anfrage, die Überprüfung des Covid-Tests sei Sache der Fluggesellschaften (auch wir mussten das Formular jeweils beim Check-in vorlegen). Die Grenzkontrolle führe zusätzlich Stichproben durch. Über die Häufigkeit dieser Stichproben und ob Passagiere aus Ländern mit erhöhtem Ansteckungsrisiko genauer kontrolliert würden, will man «aus polizeitaktischen Gründen» keine Auskunft geben.

Und was passiert, wenn jemand keinen PCR-Test vorzeigen kann? Dann werde die zuständige kantonale Behörde informiert, und es könne eine Ordnungsbusse von 200 Franken erhoben werden, schreibt die Kapo. Aber: «Unsere Stichproben zeigen, dass die Airlines ihrer Kontrollpflicht nachkommen.»

Alles korrekt also. Doch es geht eben auch um die Botschaft, die den Passagieren vermittelt wird. Wie lautet sie in der Schweiz? Willkommen im Land, wo die persönliche Freiheit über alles geht? Nicht die schlechteste Werbung – in normaleren Zeiten.