Westanflüge als Lösung

Zolliker Zumiker Bote 14.08.2015

Im Interview erklärt Jean-Pierre Schiltknecht, weshalb Südstarts geradeaus nicht die grösstmögliche Sicherheit gewährleisten und welche Lösungsvorschläge die Stiftung gegen Fluglärm anstrebt.

Was sind die Bestrebungen der Stiftung gegen Fluglärm?

Die Bestrebungen sind, mit konstruktiven Vorschlägen einen Beitrag zur Verbesserung der verfahrenen Betriebssituation am Flughafen Zürich zu leisten. Sie hat zum Beispiel mit grossem Aufwand mit dem Westanflug nach einer Lösung gesucht, die bei Realisierung sowohl für die Bevölkerung wie auch für den Flugbetrieb entscheidende Vorteile bedeuten würde.

Was sagen Sie zu den Forderungen für ganztägige Südstarts geradeaus auf der Piste 16 von BAZL-Chef Peter Müller?

Er begründet seine provokative Forderung mit «Safety-First-Argumentationen». Gegenüber dem heutigen Flugregime mag dies rein flugtechnisch zutreffen, Opfer unter der Wohnbevölkerung bei einem möglichen Absturz im dichtest besiedelten städtischen Abfluggebiet werden aber, wie immer bei Sicherheitsüberlegungen, von der Aviatik ausgeklammert.

Wird denn die grösstmögliche Sicherheit gar nicht angestrebt?

Nein, in Bern offenbar nicht. Sonst hätte man sich ernsthaft um die Integrierung des Westanfluges auf der Piste 10, in Kombination mit dem Ostanflug auf Piste 28 und der Abflugpiste 32 Richtung Norden, befassen müssen. Auf unsere Rückfrage hin erhielten wir die Antwort, dass der Lägern-Hügel ein topografisches Hindernis darstelle.

Ist der Lägern-Hügel denn ein topografisches Hindernis?

Die Stiftung gegen Fluglärm hat diese Aussage im Jahr 2014 von einer renommierten Aviatikfirma in Holland überprüfen lassen. Diese haben die Machbarkeit des Westanfluges auf der Piste 10 bestätigt. Es sei daran erinnert, dass beim damaligen Evaluationsverfahren 2002 der Zürcher Regierungsrat die Variante BV2- optimiert favorisierte, die jährlich 40 000 (sichere) Westanflüge vorsah.

Wie äussern sich der Flughafen und Skyguide dazu?

Trotz Widerlegung der topografischen Lägern-Argumentation signalisieren weder der Flughafen Zürich noch Skyguide, dass sie diese neue Sachlage als Anlass für eine vertiefte Aufarbeitung dieser vielversprechenden Entlastungsmöglichkeit nutzen wollen. Die Geschäftsleitung des Flughafens bemerkte dazu, dass nicht die Technik, sondern die Politik der wesentliche Treiber von Flugrouten sei. Und Skyguide lässt durchblicken, dass angesichts von Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit einer völlig neu zu gestaltenden Luftraumstruktur im Westen die personellen und finanziellen Mittel dafür fehlten. Dies ist umso schwerer nachvollziehbar vor dem Hintergrund, dass im Lärmfonds rund 700 Millionen lagern und für die letzte grosse Neugestaltung der Luftraumstruktur 2005 gemäss eines Artikels der NZZ vom 27.4.05 nur fünf Millionen benötigt wurden.

Wie wären die Gemeinden Zollikon und Zumikon von ganztägigen Südstarts geradeaus betroffen?

Zollikon und Zumikon wären die am stärksten betroffenen Seegemeinden mit permanentem, flächendeckendem Donnergrollen zu jeder Tageszeit. Entsprechend hoch sind natürlich die Erwartungen der Bevölkerung an ihre Gemeindebehörden, auf politischer Ebene alles zu tun, um einer besseren Lösung nachhaltig zum Durchbruch zu verhelfen.

Wie geht es jetzt weiter?

Es bleibt zu hoffen, dass die Zürcher Regierung über ihr Verwaltungsrats-Sperrminoritätsmandat den Flughafen verpflichten wird, Bemühungen für die Integration von Westanflügen aufzunehmen. So würden endlich die Weichen auf Nachhaltigkeit gestellt und so wenig Menschen wie möglich belastet. Die Westanflug-Innovation im Flugbetrieb hätte auch für den Flughafen und Skyguide grosse Vorteile punkto Sicherheit und Betriebswirtschaftlichkeit. (ft)