Zumikon liefert beunruhigende Fakten zur Fluglärm-Belästigung

ZSZ 07.12.2017

Die Belastung durch den Südanflug ist grösser als die offiziellen Werte glauben lassen. Das haben Messungen der Gemeinde Zumikon ergeben. Sie zeigen, dass der Fluglärm in den entscheidenden Randstunden sehr hoch ist. Der Gemeinderat fordert nun eine Anpassung der Verordnung.

Vier Monate genügten um die wahre Lärmbelästigung durch die seit 14 Jahren durchgeführten Südanflüge festzuhalten. Sie liegen in den massgeblichen Morgen- und Abendstunden zum Grossteil in jenem Bereich, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als gefährdend bis gefährlich bezeichnet: ein wiederkehrender Schallpegel von mehr als 55 dBA. In Zumikon wurde dieser Werte bei weitem übertroffen.

Im April und Mai sowie Juli und August liess der Gemeinderat Zumikon von einem Ingenieurbüro die Belastungen durch den Fluglärm messen. Dazu wurden zwei Stationen eingerichtet. Eine befand sich am Dorfplatz auf 653 Meter Seehöhe, die andere im Wohngebiet Chapf (727 Meter), wo die Flugzeuge noch tiefer über die Häuser fliegen.

Bis 84 Dezibel laut

Die Erhebungen haben die grosse Belastung in Zumikon bestätigt. Im Dorf wurden bei den meisten Südanflügen 64 bis 65 dBA gemessen, im Chapf waren es bei fast zwei Drittel aller Überflüge mehr als 70 dBA. Einzelne Flugzeuge verursachten einen Schallpegel von bis zu 84 dBA, wie der Gemeinderat mitteilt.

Doch für die allgemeine Bewertung der Beeinträchtigung ist das irrelevant, weil der Bund sich in der Lärmschutzverordnung auf die durchschnittlichen Werte über den ganzen Tag beruft. So liegen die gemittelten Lärmbelästigungen von 6 bis 22 Uhr unter den geltenden Grenzwerten. Demnach ist Zumikon der Empfindlichkeitsstufe II zugeordnet. Die Immissionsgrenzwerte gelten über das ganze Jahr gesehen und betragen 60 dBA (06 – 22 Uhr), 55 dBA (22 – 23 Uhr), 50 dBA (23 – 24 Uhr).

Höchstwert statt Tagesmittel

Zumikon möchte dies mit seinen Messungen ändern, wie Gemeindepräsident Jürg Eberhard (FDP) erklärt: «Wir sehen jetzt, wie viel Lärm so ein Flug absolut verursacht, wie hoch der Lärmpegel in den Randstunden am Morgen und am Abend ist.» Zumikon sei es wichtig, dieses Thema – Höchstwerte statt Tagesmittelwerte – wieder auf den Tisch zu bringen. «Wir haben mit den Randstunden eine spezielle Situation», sagt Eberhard. «Es nützt mir ja nichts, wenn ich am Sonntag um 9 Uhr wieder einschlafen könnte, wenn ich seit 6 Uhr wach liege.»

Zumikon geht es vor allem um eine Anpassung der ungenügenden Lärmschutzverordnung, weil diese die effektive Lärmbelastung nicht wiederspiegle. Auch das Bundesgericht hat bereits 2010 geurteilt, dass die Lärmberechnung des Bundes am frühen Morgen und am Abend fragwürdig sei. Der Gemeindepräsident ist überzeugt, dass die Lärmbelastung mit den in Zumikon gemessenen Daten höher bewertet werden müsste. «Wir haben jetzt die Fakten.»

Er ist aber skeptisch, ob das zu einem Umdenken in Bern führt. Es sei schwierig, eine Praxisänderung beim Bund durchzusetzen, denn diese würde neue Entschädigungsleistungen nach sich ziehen. Zumikon zum Beispiel würde dann wohl im Perimeter für die Grenzwerte und somit für Lärmschutzmassnahmen liegen. Das bedeutete vermutlich ein Anrecht auf Schallschutzfenster.

Spricht gegen Südstarts

Zumikon ist eine von 20 Gemeinden im Fluglärmforum Süd. Dieses will die Südanflüge stoppen und Südstarts verhindern. Die Messungen wurden bereits dem Fluglärmforum übergeben und untermauern dessen Forderungen im Streit um den Flughafen Zürich und die Lärmschutzverordnung.

Ausserdem dienen die erhobenen Werte zur Lärmbelastung in Zumikon der Argumentation gegen die geplanten Südstarts geradeaus im Zuge des Entwicklungsplans SIL 2. Bei Nebel und Bise dürfen Flugzeuge dann auch Richtung Zürichsee in die Luft gehen. Für Jürg Eberhard ist klar: «Die Grenzwerte der Fluglärmbelastung sind jetzt schon erreicht. Mit den Südstarts würden sie überschritten.»

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.12.2017, 12:53 Uhr