Das umweltfeindliche Wachstum des Flughafens Zürich umkehren und die Bevölkerung vor dem schädlichen Fluglärm schützen

30.3.2019 – Update

Der Titel der VFSN-Podiumsdiskussion war vielversprechend. Diese driftete jedoch schon zu Beginn schnell in die allgemeine Klimadebatte ab. Auf den Flüglärm im Süden und insbesondere auch auf die neuen Südstarts geradeaus vom BAZL verordnet, wurde überhaupt nicht eingegangen.

VFSN-Podiumsdiskussion vom 25.3.2019 verlief nicht, was sie im Vorfeld versprach.

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion in Fällanden waren:

  • Priska Seiler Graf, Nationalrätin SP, Stadträtin Kloten, Co-Präsidentin KLUG, Präsidentin des Dachverbandes Fluglärmschutz
  • Max Binder, Präsident PRO FLUGHAFEN und a. Nationalrat SVP
  • Jürg Eberhard, Gemeindepräsident Zumikon und Präsident Fluglärmforum Süd
  • Christian Weiss, Business Continuity and Crisis Management Skyguide
  • Moderation Michael von Ledebur, Redaktor NZZ

Gesprächsleiter Michael von Ledebur, NZZ bereitete Zettel mit je einer Frage vor, die er an einen der Podiums Teilnehmer weiterreichte und von diesem vorlesen liess. Darauf war die Diskussionsrunde der Podiumsteilnehmer jeweils eröffnet.

Wie nicht anders zu erwarten war, ging es gleich mit dem Thema Klimawandel und Luftverkehr los. CO2-Reduktion und weniger fliegen, war auf der einen Seite mit Priska Seiler die Antwort. Auf der anderen Seite erklärte Max Binder gespielt harmlos und immer wieder von neuem fast gebetsmühlenartig, dass der Flughafen einfach nur die Nachfrage erfülle und nicht mehr. Jürg Eberhard vom Fluglärmforum Süd stand positionsmässig etwa in der Mitte der Diskussion und erinnerte daran, dass er von seinem ehemaligem ETH-Studium her auch noch etwas von den CO2-Emissionen mitbekommen habe. Zwar wichtig für ihn, aber das war es dann schon bei diesem Thema.

Dass die Nachfrage aktiv vom Flughafen und den Fluggesellschaften gefördert wird, darauf ging weder der Moderator, noch die Diskussionsrunde genauer darauf ein. Mit ein paar Worten zu den Billigfliegern und einer länglichen Diskussion über die richtige Höhe einer Lenkungsabgabe war der Punkt schon erledigt.

Kein Wort darüber, warum zum Beispiel das Mega Projekt „The Circle“ von Flughafen Zürich und Swisslife in Milliardenhöhe im Moment gebaut wird. Auch nicht, warum die Geschäftsflüge nach Dübendorf verschoben werden, um so zusätzliche Kapazität für den Flughafen Zürich zu schaffen. Das wäre insbesondere interessant gewesen, weil Max Binder immer wieder behauptet hatte, der Flughafen erfülle nur die Nachfrage.

Die meiste Zeit wurde stattdessen mit den üblichen Argumenten beim Thema „Klima und Flugverkehr“ verbracht, anstatt auch einmal auf den Fluglärm und die neuen Flugrouten über den dicht besiedelten Süden einzugehen. Mit anderen Worten, es wurde viel im Kreis herum geredet und das Thema Südstarts und Südlandungen tunlichst vermieden.

Dann kam endlich auch noch die Frage der Ostpistenverlängerung 28 auf das Tapet. Diese heisse Kartoffel wurde aber von allen Diskussionsteilnehmern geschickt umschifft. Es erschien so, wie wenn man sich schon vorher darauf geeinigt hätte, Priska Seiler und den Osten nicht zu vergrämen. Dass Christian Weiss von Skyguide dabei keine Prognose über die zukünftige Anzahl von Ostanflügen abgeben wollte, liegt auf der Hand.

Priska Seiler, wie nicht anders zu erwarten, lehnte sofort dankend ab und meinte, eine Ostpistenverlängerung würde automatisch auch den Süden mit mehr Südüberflügen treffen. Wenigstens beim Klima sässe man im gleichen Boot und man sollte das Ganze jetzt nicht leichtfertig auf das Spiel setzen.

Jürg Eberhard als Präsident vom Fluglärmforum Süd und Podiumsteilnehmer widersprach ihr nicht, dass die Verlängerung der Ostpiste automatisch auch mehr Südüberflüge bringen würde. Der Grund dafür war offensichtlich, dass man nicht auf das „gemeinsame Sprachrohr“ in Bern zum Thema „Klima und Fliegen“ verzichten wollte.

Der Süden vergass dabei aber ganz, dass Priska Seiler auch Präsidentin des Fluglämverteiler-Dachverbands von Norden, Osten und Westen ist. Das ist genau jene Organisation, die in der Vergangenheit immer wieder vehement Südstarts und Südanflüge forderte. Dies tut sie auch heute noch im laufenden SIL-Verfahren und die aktuell laufende Klimadebatte wird nichts daran ändern.

Max Binder verhedderte sich teilweise deutlich, wie beispielsweise mit der Aussage, die Anzahl der Betroffenen hätte über die Jahre hinweg überhaupt nicht zugenommen. Die Zuhörerschaft quittierte dies mit einem herzhaften, lauten Lachen. Leq, raunte es durch die Zuhörerschaft! Die Leute sind eben inzwischen aufgeklärt und wissen, wie man Dezibelwerte von 80 dB und mehr, durch Mittelung plötzlich zu Null macht.

Fazit

Der Fluglärm und die neuen Flugrouten, wie die Südstarts geradeaus standen bei diesem Podium gar nie zur Diskussion. Hier wurde am Thema völlig vorbei diskutiert. Deshalb hielt die Podiumsdiskussion bei weitem nicht, was sie im Vorfeld mit dem etwas reisserischen Titel „Bevölkerung vor dem schädlichen Fluglärm schützen“, versprach.