Der Flughafen Zürich ist noch in Hochform

NZZ 13.3.2019

Die Flughafen Zürich AG hat vom Passagierrekord im vergangenen Jahr profitiert und setzt die Dividende um 6 Prozent auf 6 Franken 90 hinauf. Der schwelende Streit um das Ausmass einer Senkung der Passagiergebühren belastet.

Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga und der Gesamtbundesrat als Beschlussgremium haben voraussichtlich im Spätsommer mit der Festsetzung der neuen Flughafengebühren einen heiklen Entscheid zu treffen. Stephan Widrig, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Flughafen Zürich AG, appellierte an der Bilanzmedienkonferenz an die Landesregierung, in der volkswirtschaftlich bedeutsamen Frage einen ausgewogenen Entscheid zu treffen. Bekanntlich war der Kurs der Flughafenaktie im vergangenen November stark eingebrochen, nachdem das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) eine kräftige Senkung der Passagiergebühren in Aussicht gestellt hatte.

Gegen die Bazl-Rechnung

Die Flughafen-Führung hat sich nie gegen eine Senkung der Gebühren per se gestellt, aber sie wehrt sich gegen zwei konkrete Punkte. Zum Ersten will das Bazl, dass die Flughafen Zürich AG 50 Prozent statt 30 Prozent des mit Läden und Restaurants erzielten ökonomischen Mehrwerts und 75 Prozent statt wie bisher 30 Prozent der Parkhaus-Erträge dem Fluggeschäft zurechnet. Das gäbe mehr Luft für die anvisierte Gebührensenkung. Und zum Zweiten liegt man sich hinsichtlich der Kapitalkosten für das Betreiben und vor allem das Erneuern der Flughafen-Infrastruktur in den Haaren.

Widrig argumentiert, die Passagiergebühren lägen trotz den sehr hohen Lohn- und Baukosten in der Schweiz im europäischen Mittelfeld. Im Vergleich mit Frankfurt und München – zwei strategisch wichtigen Flughäfen des Zürcher Grosskunden Lufthansa/Swiss – sei das Leistungspaket unter Einrechnung von Start- und Landegebühren sogar deutlich billiger.

Jedenfalls werden in Zürich auch in Zukunft hinsichtlich Kapazitätserweiterung und Lärmschutz noch einige knifflige Hausaufgaben zu lösen sein. Nach dem Passagierrekord im Jahr 2018, der eine Steigerung um 5,8 Prozent auf 31,1 Millionen Kunden brachte, wird dieses Jahr mit einer Zuwachsrate von 3 Prozent gerechnet. Allerdings beschleicht den Beobachter bisweilen das Gefühl, der Flughafen habe wie Finanzminister Ueli Maurer etwas Mühe damit, die Dynamik richtig einzuschätzen. Der Passagierzuwachs wie auch die Staatseinnahmen wurden in der jüngeren Vergangenheit regelmässig zu konservativ veranschlagt.

Gewinne im Fluggeschäft

Die robuste Nachfrage nach Flügen liess 2018 die Kassen des Flughafens klingeln. Der Rückgang des Ebitda um 2 Prozent ist zu relativieren, weil der Rechnung vor Steuern 57,6 Millionen Franken für das erweiterte Schallschutzprogramm belastet wurden. Es ist im Auge zu behalten, dass im Jahr 2017 eine Swissair-Sonderdividende von 4,8 Millionen Franken und Vorsteuer-Gewinne von 36,3 Millionen Franken aus dem Verkauf der Beteiligung am Flughafen Bangalore geflossen waren.

Im Fluggeschäft (regulierter Bereich) steigerte der Flughafen den Betriebsgewinn unter Ausschluss der Lärmthematik um 26 Prozent auf 177,2 Millionen Franken. Es liegt auf der Hand, dass dem Flughafen in den vergangenen zwei, drei Jahren Flügel gewachsen sind, welche das Bazl jetzt etwas stutzen möchte. Eine von mehreren Unsicherheiten besteht darin, wie viele Millionen der Flughafen dereinst zur Abgeltung von Lärm- und Anwohnerschutz wird zahlen müssen. Der Lärmfonds war Ende Jahr mit 400 Millionen Franken alimentiert, wovon 249 Millionen schon zugesagt waren.

Im Kommerzgeschäft lief es auch rund: Duty-free und die Restaurants ermöglichten Umsatzzuwächse von fast 8 Prozent. Mit der Betriebsübernahme in Florianópolis (Brasilien) vervielfachte sich der Umsatz im internationalen Geschäft auf 83 Millionen Franken, aber das war erst der Anfang. Die Investitionen lagen mit total 290 Millionen Franken über dem langjährigen Durchschnitt.