Es lärmt am Zürichsee

BZ 10.11.2018

Von Pascal Unternährer
 
Was für ein Krach! In der Agglo Zürichsee ist Lärm DAS Thema. Zumindest erhält man diesen Eindruck. Drehen wir die Zeit etwas zurück. Als die frühmorgendlichen Südanflüge kamen, war die Goldküste jahrelang im Kampfmodus. Auf der anderen Seeseite gabs ein anderes Problem: Kirchengeläut. Wädenswiler gingen vor Gericht gegen das nächtliche Gebimmel. Wieder Seitenwechsel: In Meilen war plötzlich die S-Bahn der Quell des Ärgers. Anwohner bekämpften ein Wendegleis – ebenfalls vor Bundesgericht, ebenfalls wegen des Lärms, ebenfalls ohne Erfolg. In Herrliberg waren es Trillerpfeifen der Schiedsrichter und Jubelschreie von Kickern, welche Anwohner auf die Palme brachten. Sie wollten das wilde Treiben des lokalen Fussballclubs unterbinden. Was nicht gelang, aber wieder waren es die Bundesrichter, die die Amateurwelt retten mussten.
 
Dann kam die Schiffshorn-Diskussion – und jetzt haben wir mit Stäfa das Epizentrum der Lärmdebatte erreicht. Ein Seeanstösser beschwerte sich, weil die Schiffe jeweils kurz hornten, wenn sie ablegten. Der ehemalige Kampfjetpilot ertrug diesen Krach nicht mehr und stiess auf Verständnis in Bern. Die Kapitäne durften nur noch tuten, wenn Gefahr drohte. Aber dafür vier Sekunden lang. Stäfa ist eine gefährliche Gegend. Ein Jahr später zeigte der Anwohner die Kapitäne an.
 
In Stäfa, genauer im Kehlhof, ist aber auch der Autolärm aktuell, und damit die grösste Lärmbelastung überhaupt. Die Goldküstenautobahn – auch Seestrasse genannt – soll aufs leise Tempo 30 statt der lauten 60 km/h getrimmt werden. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Kehlhofer die jüngste Meldung von der Autofront nicht gelesen haben: Elektrowagen, diese lautlosen Vehikel, müssen künftig künstliche Motorengeräusche von sich geben, aus Sicherheitsgründen.
 
Ja, und ausgerechnet im lärmempfindlichen Stäfa findet dieses Wochenende das lauteste Festival des Kantons statt. An der Gewerbeschau gibts Flüge von Armee- und Rega-Helikoptern zu bestaunen und sogar Rundflüge zu buchen. Feuerwehr, Polizei und Ambulanz wollen zeigen, dass auch sie hornen können. Nichts aber ist lärmiger als Politiker im Abstimmungs- und Wahlkampf. Standesgemäss ist also die lauteste Partei der Schweiz mit einem Grösstaufgebot präsent: Neben Lokal- und Kantonspolitikern sind nicht weniger als 20 amtierende Nationalratsmitglieder der SVP angekündigt. Lärmkläger, übernehmen Sie!