Höherer Funkmast sorgt für Unmut

ZSZ 25.03.2021Baupläne in Zumikon

Eine für den Flugfunk genutzte Antenne soll ersetzt werden. Nun sind vier Einsprachen eingegangen, und auch die Gemeinde stört sich an den Plänen.

Philippe Schmidt

Eigentlich ist der Räspweg eine idyllische Gegend: Wenn man dessen Verlauf vom Zumiker Wohnquartier in Richtung Zollikerberg folgt, passiert man zunächst ein niedriges Haus mit Antenne. Dabei handelt es sich um eine Flugfunkanlage von Skyguide. Tatsächlich wird die Technik sogar noch von zwei weiteren Parteien genutzt: Die Kantonspolizei verwendet sie für ihren Sicherheitsfunk und die Swisscom als Mobilfunkantenne. Genau dieser Mast oder vielmehr dessen geplanter Ersatz sorgt nun für Unmut in Zumikon. Bis zum 16. März lag das Gesuch für den Ersatzneubau öffentlich auf.

Funkturm-Zumikon

Rechts hinter dem Gebäude steht der jetzige Funkmast, im Vordergrund ist das Gerüst für den
Ersatzneubau zu sehen. Foto: Philippe Schmidt

Die Gemeinde Zumikon ist von den zuständigen Bundesbehörden gebeten worden, Stellung zu beziehen. In der Folge äussert der Gemeinderat in seinem aktuellen Sitzungsbericht deutliche Kritik, welche sich auf die «massigen» Ausmasse und den Standort des neuen Masts bezieht. Weiter ist dem Bericht zu entnehmen, dass der Gemeinderat die neue Funkanlage in der beantragten Form wegen ungenügender Einordnung ablehnt. Zudem bittet er das kantonale Amt für Mobilität, die Ablehnung des Gesuchs beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) zu beantragen.

«Nicht schön»

Ein Anruf bei Gemeindepräsident Jürg Eberhard (FDP) bringt Klarheit. «Wir stellen nicht den Standort an sich infrage», sagt Eberhard. «Vielmehr finden wir den geplanten Mast nicht schön im Naherholungsgebiet.» Vier Meter höher und deutlich umfangreicher soll die aktuell knapp 48 Meter hohe Anlage werden. Im oberen Bereich ist vorgesehen, dass der Mast rot-weiss gestreift ist. «Der jetzige Mast ist ein schmaler Turm, den man kaum sieht», schildert Eberhard die Situation vor Ort. Neu sei hingegen ein Fachwerkgitterturm geplant. «Wir als Gemeinderat fragen uns, ob man nicht etwas Schöneres erstellen kann.» Dies zu erreichen, ist denn auch das Ziel der gemeinderätlichen Kritik. «Wir hoffen, dass Skyguide nochmals über die Bücher geht.» Rechtliche Schritte gegen den neuen Mast sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht geplant, wie Eberhard sagt. Der Gemeinderat anerkenne, dass es Funkanlagen brauche, und habe auch nichts gegen einen 5G-Ausbau.

Ganz anders sieht das bei vielen Anwohnern aus. Diese haben in einem Artikel im «Zolliker Zumiker Boten» grundsätzliche Kritik gegen die Ersatzanlage geäussert. Unter anderem befürchten sie, dass der Mast auf 5G aufgerüstet wird. «Im Rahmen dieses Projekts zur Erneuerung des Masts ist kein Ausbau der vorhandenen Funkdienste vorgesehen», sagt Christian Schubert, Mediensprecher des Bazl. «Insbesondere eine allfällige Erweiterung der Swisscom-Mobile-Dienste ist nicht Bestandteil des Skyguide-Projekts.» Eine Nachfrage bei der Swisscom ergibt, dass beim Telekommunikationsunternehmen kein Projekt in Zumikon hängig ist.

Widerstand formiert sich trotzdem: So sind beim Bazl vier Einsprachen von rund 20 Privatpersonen gegen die neue Anlage eingegangen, wie Schubert bestätigt. Die Entscheidung über das Plangenehmigungsverfahren liegt beim Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek), wobei das Bazl für die Verfahrensleitung zuständig ist. Auf die Frage, warum der Turm überhaupt höher und breiter werden soll, sagt der Mediensprecher, dass das Bazl gegenwärtig an einer vertieften Prüfung dieses Punktes sei.

Zivil und militärisch genutzt

«Skyguide betreibt in Waltikon wichtige Flugsicherungsinfrastrukturen für die Kommunikation via Funk zwischen Pilot und Flugverkehrsleiter», erläutert Schubert den Nutzen der Anlage. Der Standort Waltikon sei ein integraler Teil des Radiosystems des Flugsicherungscenters in Dübendorf. «Mit diesem Standort wird hauptsächlich der östliche obere Luftraum über der Schweiz bedient.» Dabei geht es zum einen um den zivilen, zum andern auch um den militärischen Flugfunk.

Ob der neue Mast tatsächlich so gebaut wird, muss sich noch zeigen. Klar ist hingegen, dass die alte, 1988 erbaute Antenne abgebaut wird, sobald der Ersatz steht. Aus dem Plangenehmigungsgesuch geht hervor, dass der Mast mit einem «zunehmenden Rostproblem» zu kämpfen hat. Weiter ist da zu lesen, dass die auf dem Mast montierten Antennensysteme am Ende ihrer Lebensdauer angelangt seien, und es wird vor Ausfällen gewarnt.