«Ich flog den Gekröpften rund 20 Mal pro Jahr»

Noiseletter – 29.03.2004

Charles Ott (77) war 34 Jahre lang Pilot bei der Swissair, davon 10 Jahre Europa-Chefpilot und 15 Jahre als Piloten-Ausbildner. Ausserdem war er 30 Jahre Militärpilot der Schweizer Luftwaffe, zuletzt als Regimentskommandant.

Interview mit Charles Ott, ehemaliger Europa-Chefpilot und Ausbildner der Swissair zum gekröpften Nordanflug

Noiseletter: Herr Ott, Sie sind den gekröpften Nordanflug in Ihrer Pilotenlaufbahn mehrfach geflogen, wie oft insgesamt?

Charles Ott: Ich schätze, pro Jahr rund 20 Mal. Was war der Anlass dafür? Ott: Wir kamen jeweils aus dem Warteraum „Ecco“ über Waldshut. Wenn da von der anderen Seite ein weiteres Flugzeug nahte, bot uns der Tower „to expedite the approach“ an – was eine Aufforderung zur Beschleunigung des Anfluges war. Das geschah mittels einer Abkürzung – eben dem gekröpften Nordanflug.

Wie gefährlich waren diese Anflüge?

Ott: Sie waren vollkommen ungefährlich, für uns ein Standardverfahren. Ich selbst flog diese Route südlich des Rheins sehr oft mit einer Coronado, später mit der DC-10. Das sind schnelle Flugzeuge. Mit den heutigen Maschinen, die auch langsamer fliegen können, ist dieser Anflug erst recht kein Problem. Ich verstehe nicht, weshalb immer wieder behauptet wird, dieser Anflug sei erst in 2 Jahren realisierbar.

Welches Wetter braucht es für diesen Anflug?

Ott: Wir haben ihn nur bei guten Sichtbedingungen geflogen. Doch der heutige Südanflug kann auch nur bei Fernsicht geflogen werden, was bekanntlich auch kein Grund war, ihn nicht einzuführen.