Lobhudelei nagt an Glaubwürdigkeit

Leserbrief 28.09.2018

Rücktritt von Bundesrätin Leuthard

SRF-Nachrichten, Echo der Zeit, Tagesschau, Tele Züri, 10 vor 10 alle 27.9.2018

Bei der Verkündung des Rücktritts von Bundesrätin Leuthard wurde ihre grandiose Leistung über alle Masse durch sämtliche Sprecher oben genannter Institute gelobt. Nebst ihren positiven Leistungen, die zweifelsohne zu würdigen sind, wurde aber mit keinem Wort die Leistung Frau Leuthards in einer ihrer wesentlichsten Aufgaben, nämlich dem Umwelt- und Personenschutz erwähnt, gewürdigt oder kritisiert. „Bagatellen“ wie der Postauto-Skandal wurden nur vereinzelt im Flüsterton gehaucht.

Nicht genannt wurde ihr gänzliches Versagen im Fluglärmproblem, und davon abhängig, in wesentlichen Punkten des Umwelt- und Bevölkerungsschutzes. Unbestreitbar ist, dass

  • der CO2-Ausstoss in sehr hohem Masse Verursacher der schicksalsbestimmenden Erderwärmung ist.
  • das Fluglärmproblem für ca. 400’000 Menschen in den betroffenen Gebieten des Kantons Zürich von grösster Bedeutung ist.
  • der weltweit ständig zunehmende Flugverkehr 100’000 -en die Lebensqualität enorm verringert.
  • die durch den Flugverkehr verursachte Belärmung in hohem Masse gesundheitsschädigend ist.
  • die Belärmung in den nächtlichen Grenzzeiten den Lernerfolg besonders von Kindern und Studierenden stark beeinflusst.
  • es Liegenschaftsbesitzer zu gewaltigen Kosten für die Isolierung von Dach, Fenstern und Rolladenkästen zwingt.
  • der Fluglärm für private Liegenschaftsbesitzer zu gewaltigen Verlusten auf ihren Liegenschaftswerten geführt hat.
  • die in Liegenschaften investierten Renten-Gelder zur Sicherung des Alters damit zum grossen Teil vernichtet werden.

Unsere Bundesverfassung kennt z.B. Artikel 26 betr. Eigentumsgarantie, Artikel 74 betr. Umweltschutz und Artikel 118 betr. Schutz der Gesundheit. Diese Lektüre kennt Frau Leuthard offensichtlich nicht. Irgendwelches verfassungsrechtlich vorgesehenes Entgelt für die Kosten für Lärmschutz und Wertverluste haben die Betroffenen (mit ganz wenigen Ausnahmen) nie gesehen! 

Dass die heutigen Flugpreise nicht im geringsten kostendeckend sein können, ist für jedermann offensichtlich. Frau Leuthard unterliegt dem Diktat der Deutschen Swiss, dem Flughafen Zürich und der Flughafen-Lobby und ermöglicht damit die unsinnige Erhöhung der Kapazität des Flughafens durch zusätzliche Südstarts, Schnellabrollwege, andauernde Steuerbefreiung von Kerosin, keine Vorschriften für CO2-Abgaben (in allen Nachbarstaaten angeblich eingeführt), und damit die Förderung des Hub-Standortes Zürich zunehmend zu deutschem Nutzen und noch mehr Billigst- und Transitflügen, welche für unser Land wirtschaftlich unwesentlich sind — Klimaerwärmung hin oder her. 

Frau Leuthard unterlag dem Druck Baden-Württembergischer und Berliner Politiker und musste trotz handfester Beweise deren unsinnigen Forderungen zum Schaden der Schweizer Bevölkerung nachgeben. 70 % des Fluglärms wird immerhin durch sich in deutscher Hand befindende Flugzeuge produziert. Für die vor 15 Jahren unter Notrecht eingeführte Südschneise über dichtest bevölkertem Gebiet konnte sie bis heute keinem vernünftigen Gegenvorschlag zustimmen. Sie hat auch nichts unternommen, dass die beinahe alltäglichen Verletzungen der vorgeschriebenen Start- und Landezeiten eingehalten werden.   

Die einseitige Würdigung der Leistungen Frau Leuthards durch die oben erwähnten Sprecher ist höchst bedenklich und erschreckend! Die fahrlässige Lobhudelei nagt an deren Glaubwürdigkeit. 

Adrian Schoop, Gockhausen