Motörchen gegen Fluglärm: «Absolute Frechheit»

TA 22.02.2012

Der Flughafen will mit Schliessautomaten an den Fenstern den Lärm aus den Schlafzimmern der Südschneiser verbannen. Diese glauben nicht daran, dass dieser Plan den Bundesrichtern passt.

Mit kleinen Motörchen will der Flughafen Zürich den Südschneisern ihren morgendlichen Schlaf zurückgeben. Diese schliessen die Fenster, noch bevor die erste Maschine die Piste 34 anfliegt. Das zeigt das Schutzkonzept Süd, das seit gestern in verschiedenen Gemeinden aufliegt.

Thomas Morf, der Präsident des Vereins «Flugschneise Süd – Nein», ist empört über die vom Flughafen vorgeschlagene Lösung. «Das ist eine absolute Frechheit.» Das Bundesgericht habe im Herbst festgestellt, dass den Südschneisern der Lärm nicht länger zugemutet werden könne. Es brauche wirkungsvolle Schutzmassnahmen. «Das vorgeschlagene Schutzkonzept ist sicher nicht im Sinne der Bundesrichter», ist Morf überzeugt.

«Absolute Minimalistenlösung»

Er findet es stossend, dass der darin festgelegte Perimeter lediglich bis Gockhausen reicht. «Der Lärm betrifft die gesamte Südschneise.» Er selbst wohne zwei Kilometer von der Perimetergrenze entfernt. «Und spätestens beim zweiten Flugzeug wache ich auf.» Er sei auch im Sommer gezwungen, bei geschlossenem Fenster zu schlafen. «Ein Motor, der mein Fenster automatisch schliesst, ist nutzlos, wenn nicht auch der Schallschutz des gesamten Gebäudes stimmt.»

Der oberste Südschneiser bezeichnet den Vorschlag des Flughafens als «absolute Minimalistenlösung». Er habe dies kommen sehen und will sich nun für Einsprachen rüsten. «Bis dann tatsächlich etwas geschieht, dauert es noch Jahre, denn der Entscheid kann bis vor Bundesgericht angefochten werden», sagt Morf. Er verstehe nicht, warum der Flughafen nicht ein angemessenes Schutzkonzept vorgelegt habe. «Das Geld dafür wäre ja im Lärmfond vorhanden.»

«Massnahme reicht aus»

Das lässt Flughafensprecherin Sonja Zöchling nicht gelten: «Das Bundesgericht hat eine Lösung verlangt, die die Leute vor dem Aufwachlärm schützt.» Das Schutzkonzept Süd erfülle diesen Auftrag. Zöchling stellt klar, dass die Lärmschutzverordnung nicht überall Lärmschutzmassnahmen erfordere. Lärmberechnungen hätten gezeigt, dass ein geschlossenes Fenster den Fluglärm genügend dämpfe, so dass die Schlafenden nicht aufwachen.

Der Flughafen investiert in diese Massnahme einen einstelligen Millionenbetrag aus dem Fluglärmfond. Der Einbau der Schliessmechanismen erfolgt in Etappen und soll innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen sein. Das Schutzkonzept Süd umfasst rund 1300 Gebäude in den Gemeinden Opfikon-Glattbrugg, Wallisellen, Zürich und Dübendorf. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.02.2012, 12:38 Uhr