Schweizer Medien gegen Fluglärmgegner?

persoenlich.com 16.01.2019 – Klaus J. Stöhlker

Die Bedeutung des Kernflughafens Zürich für die Schweizer Volkswirtschaft und Gesellschaft wird von niemand infrage gestellt. Umstritten ist es, ob Kloten für Süddeutschland (Baden-Württemberg und Bayern) die Aufgabe eines internationalen «hub plus» übernehmen soll, der als Exportfenster in alle Welt dienen kann.

Es sind vor allem Deutsche, die in Kloten die Dienstleistungen ihres eigenen nationalen Carriers in Anspruch nehmen, sei es als Passagiere oder Cargo-Kunden. Alle Versuche von Schweizer Politikern, mit dem Verkehrsministerium in Berlin diesbezüglich in Verhandlungen einzutreten, sind gescheitert. Die deutsche Bundesregierung verweigerte sich gutnachbarlichen Gesprächen mit Bern. Die grün-rote Regierung in Stuttgart, die den Umweltschutz auf ihre Fahnen geschrieben hat, besteht darauf, Kloten nutzen zu dürfen, weshalb Umwelt- und Gesundheitsrisiken alleine zulasten der Schweizer Bevölkerung gehen.

Während die süddeutschen Politiker und die süddeutschen Medien sich entschieden und lautstark dafür einsetzen, dass es still bleibt über ihren Wäldern und Feldern, haben bürgerliche Schweizer Politiker und auch die meisten Vertreter der Sozialdemokraten in der Schweiz nicht das geringste Interesse gezeigt, die heisse Kartoffel «Fluglärm» in die Hand zu nehmen. Nur wenige Linkspolitiker wagten es, sich gegen den Trend und für die Interessen ihrer Wählerinnen und Wähler auszusprechen.

Dieser Akt kollektiver Verweigerung ist auch bei den Zürcher Leitmedien festzustellen. Sie berichten häufig und seitenlang über Fortschritte am Flughafen und Erfolge des Platzhirschs Lufthansa/Swiss, aber die Fluglärmgegner müssen um jeden Leserbrief kämpfen oder erhalten ein- bis zweimal jährlich die Möglichkeit eines Kommentars in eigener Sache.

Was für die Zürcher Printmedien gilt, trifft auch für die Sender des Schweizer Radios und Fernsehens (SRF) zu. Während das Westschweizer TV und das Westschweizer Radio im letzten Jahr mehrfach über die Lärm- und Gesundheitsbelastung der Zürcher Bevölkerung berichteten, verweigerten sich die Sender der Deutschschweiz solchen Ansinnen.

Diese Schweigespirale zulasten der Betroffenen zu durchbrechen, ist Aufgabe eines guten Dutzend von Organisationen rund um den Flughafen, welche ihre Bevölkerung im Kampf gegen den Fluglärm verteidigen. Ihre Aktivitäten unterliegen Konjunkturen, die davon abhängig sind, welche Vorstände oder Geschäftsführer ihre Aufgabe mehr oder weniger ernst nehmen. Noch ist es nicht gelungen, eine gemeinsame Verteidigungslinie gegen den Zürcher Flughafen zu bestimmen, aber der Trend geht in diese Richtung, zumal auch auf nationaler Ebene mit «KLUG» eine auf Schutz der Bevölkerung und der Umwelt fokussierte Gruppierung aufgebaut wurde, die ihre Schlagkraft laufend steigert.

Die Organisationen der Fluglärmgegner mögen noch Schwächen haben, aber zunehmend ist dies auch bei den Fluggesellschaften der Fall. Die Lufthansa leidet stark unter dem überfüllten europäischen Himmel wie unter Streiks der eigenen Mitarbeiter, was die Bedeutung des streikfreien Flughafens Zürich nur grösser macht.

Im Kern stellt sich gerade in Kloten die Frage: «Mehr Wachstum oder mehr Qualität?» Die Fluglärmgegner haben die Antwort längst gegeben: «Mehr Qualität und weniger Wachstum».


Klaus J. Stöhlker ist Mediensprecher der Stiftung gegen Fluglärm, Zürich.