So kostet Ihr Swiss-Flug bis zu 283 Franken weniger

20min 09.03.2019

Wer zusätzliche Flüge bucht, kann mit Swiss und Edelweiss deutlich billiger in die Ferien fliegen. Davon profitierten die Kunden, meint die Airline.

Leserin A. C.* plant ihre Ferien in Punta Cana. Auf einem Onlineportal hat sie nach passenden Reisen gesucht. Die günstigste Option: ein Flug mit Swiss und Edelweiss von Genf über Zürich nach Punta Cana und zurück. Würde C. hingegen auf die Flüge von und nach Genf verzichten und nur die ansonsten identischen Direktflüge von und nach Zürich nehmen, müsste sie pro Ticket 200 Franken mehr bezahlen.

Das hält C. für stossend. Inlandflüge gehörten abgeschafft, weil die Schweiz ein kleines Land mit gut ausgebautem Zug- und Busnetz sei, sagt sie. «Gerade ein solches Angebot fördert aber Inlandflüge», sagt C. «Sie nützen nur der jeweiligen Fluggesellschaft, ohne Rücksicht auf ökologische Aspekte.»

Alle Flüge müssen angetreten werden

Im Test von 20 Minuten zeigt sich: Der Direktflug der Swiss-Schwestergesellschaft Edelweiss von Zürich nach Punta Cana und zurück ist 283 Franken teurer als derselbe Flug mit einem vor- respektive nachgelagerten Swiss-Flug von und nach Genf. Auch auf anderen Strecken, etwa nach Brasilien, lässt sich viel Geld sparen, wenn ein Flug von und nach Genf dazugebucht wird (siehe Box).

Die Zubringerflüge müssen auch tatsächlich angetreten werden. Weil die Strecke von Zürich nach Genf Flughafen und zurück mit der Bahn im günstigsten Fall mit Halbtax bereits ab etwa 60 Franken zu haben ist, lassen sich immer noch über 200 Franken pro Ticket sparen.

Lufthansa verklagt Passagier

Tritt man die Transferflüge nicht an, wird es schnell teuer. «Grundsätzlich muss die Flugreise in der gebuchten Reihenfolge abgeflogen werden», sagt Swiss-Sprecherin Meike Fuhlrott. Mache man das nicht, werde der «tatsächlich anwendbare Tarif für die geänderte Flugroute» berechnet. Hinzu komme eine Änderungsgebühr.

Wer Flüge bucht, die er nicht antritt, gilt als No-Show. Airlines gehen unterschiedlich streng dagegen vor. Kürzlich wurde bekannt, dass die Swiss-Mutter Lufthansa einen Passagier verklagt hat, der einen Transferflug nicht angetreten hatte. Das Amtsgericht Berlin-Mitte hat die Klage zwar abgewiesen, die Lufthansa hat aber Berufung eingelegt, wie das Portal Airliners.de berichtet.

«Sonst werden Strecken eingestellt»

So weit ist die Swiss noch nicht gegangen. «Bisher ist es noch zu keinem Fall gekommen, in dem Swiss gegen Kunden hätte vorgehen müssen», sagt Sprecherin Fuhlrott. Die Regelung mit der gebuchten Reihenfolge müsse am Ende des Buchungsprozesses aber mit einem Häkchen akzeptiert werden. Die günstigeren Tarife erklärt sie einerseits mit der verschiedenen Zahlungsbereitschaft je nach Flughafen und Markt.

Andererseits seien Anschlusspassagiere wichtig, um eine Strecke profitabel betreiben und auslasten zu können. Wenn ein Kunde, der direkt fliegen wolle, eine Umsteigeverbindung buche, umgehe er das Tarifangebot der Airline. So könnten Flüge nicht nachhaltig profitabel durchgeführt werden.

Lohnt sich der Umweg?

«Das könnte letztlich zur Einstellung einer Strecke führen», so Fuhlrott. Die Swiss-Kunden könnten nur darum auf ein breites Angebot zurückgreifen, weil auch Transferpassagiere mit günstigeren Tickets mitfliegen würden. Von dieser Preisdifferenzierung profitiere letztlich der Kunde.

Leserin C. allerdings überlegt sich nun, den Umweg über Genf zu machen. «Ich möchte keine Inlandflüge unterstützen», sagt sie. Andererseits betrage die Preisersparnis für sie und ihren Partner 400 Franken. «Das ist viel Geld», sagt C. «Ich bin ziemlich in der Zwickmühle.»