Sollte man sich für Besuch im Aquarium schämen?

20min 3.05.2019 – Ozeanium Basel

Für den Zürcher Zoodirektor Alex Rübel sind aus der Wildnis gefangene Tiere für Grossaquarien ein «notwendiges Übel». Es sei besser, als für Tauchferien nach Asien zu fliegen.

40 Aquarien, 4.6 Millionen Liter Wasser und Tausende Meerestiere: Basel stimmt am 19. Mai über den Bau des Ozeaniums Basel ab. Der Zoo Basel wirbt damit, das «Meer nach Basel zu holen». Und laut dem Direktor des Zollis, Olivier Pagan, mache man damit auf den Schutz der Ozeane aufmerksam. Bis zu 700’000 Besucher pro Jahr werden erwartet, 18 Franken soll ein Eintrittsbillett kosten. Doch der Widerstand gegen das 100-Millionen-Projekt ist gross.

Die Umweltschutzorganisation Fondation Franz Weber greift in einer Sonderausgabe seines Journals nicht nur das Ozeanium an, sondern holt zum Rundumschlag gegen Gross-Aquarien in ganz Europa aus. So würden bis zu 90 Prozent der Meerestiere in bedrohten Korallenriffen gefangen und so ihrem natürlichen Lebensraum entrissen.

Statt beim Besuch des Ozeaniums in eine «faszinierende Unterwasserwelt» einzutauchen, würde man sich am Leid von tausenden Tieren ergötzen, sagt Vera Weber, Präsidentin der Organisation. «Auf einen Besuch in einem Gross-Aquarium sollte man nicht stolz sein.» Den Kindern würde man so beibringen, dass es völlig in Ordnung sei, wilde Tiere zu fangen und dann in Gefangenschaft zur Schau zu stellen.»

«Einige Tiere können sterben»

Eine Gefangenschaft, die bei vielen zum Tod führt, sagt Weber: «Nach dem Fang werden die Tiere in Plastiksäcke verpackt und ausgehungert nach Europa verfrachtet, damit sie ihre Beutel nicht verkoten.» Bis zu 80 Prozent der Korallenfische überlebten das Prozedere nicht. «Sie sterben entweder schon beim Fang, beim Transport oder dann innerhalb eines Jahres im Aquarium, weil sie derart geschwächt sind.»

Dass einige der Tiere beim Transport für das Ozeanium sterben können, bestreitet der Zürcher Zoodirektor Alex Rübel nicht. «Das ist leider so. Aber nicht 80 Prozent, wie die Gegner behaupten», sagt Rübel. Trotzdem sei ein schlechtes Gewissen beim Besuch eines Aquariums fehl am Platz: Rübel ist überzeugt, dass es gerechtfertigt ist, Tiere in Gefangenschaft zu halten, wenn dadurch auch nur ein Bruchteil der Besucher für den Tier- und Meeresschutz sensibilisiert würden. «Das macht mehr Sinn und ist umweltschonender, als wenn man selber für Tauchferien nach Afrika oder Asien fliegt.»

«Ein Aquarium kann niemals die Wildnis ersetzen»

Auch beim Zoo Zürich stammen einige Meerestiere aus Wildfängen von Indonesien, Philippinen, Fidschi und den USA, so Rübel zu 20 Minuten. «Vom Aussterben bedrohte Salzwasserfische haben wir aber keine.»

Dass man die benötigten Meerestiere oft nicht selber züchten, sondern in Korallenriffen einfangen müsse, sei ein notwendiges Übel, sagt Rübel. Gleichzeitig relativiert er: «Für das Ozeanium holt man dafür so viele Fische aus dem Meer, wie in der Stadt Basel an einem Mittag auf den Tellern der Restaurants landen.» Entscheidend sei nicht der Herkunftsort, sondern, dass sich die Meerestiere wohl fühlten. «Ein Aquarium kann niemals die Wildnis ersetzen. Nie 100 Prozent aller Tiere fühlen sich im Zoo wohl. Aber für meine Kollegen am Zolli würde ich die Hand ins Feuer legen, dass sie sich so gut wie möglich um die Tiere kümmern», so Rübel.

«Auf den Fang mit Gift wird verzichtet»

Tanja Dietrich, Leiterin Kommunikation des Zoo Basel, sieht den Tierschutz durch den Bau des Ozeaniums nicht gefährdet: «Für das Ozeanium werden wir zum einen auf Bestände aus anderen Aquarien zurückgreifen. Weitere Fische und Korallen züchtet der Zolli bereits jetzt. Dennoch werden Meeresfische der Natur entnommen.» Wenn richtig und nachhaltig gemacht, seien diese jedoch unproblematisch, so Dietrich weiter.

Der Zoo arbeite dazu mit professionellen Händlern zusammen, die er persönlich kennt. «So stellen wir sicher, dass auf umweltschädigende Fangmethoden wie dem Fang mit Gift verzichtet wird. Weiter fällt dadurch auch der oftmals kritisierte Zwischenhandel weg.» Durch diesen professionellen Umgang, kämen auch beim Transport sehr wenige Tiere zu schaden. «Die Behauptung, dass beim Ozeanium ein Grossteil der Tiere auf dem Transport sterben, ist schlichtweg falsch.»

Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Falls das Basler Stimmvolk am 19. Mai Ja zum Ozeanium sagt, behält sich die Fondation Weber vor, Einsprache gegen die Baubewilligung zu erheben.