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Zürich - Schweiz

Südstarts geradeaus
Keine Südstarts geradeaus!

Überraschend klar: Das Volk unterstützt die Pisten­verlängerungen

TA 11.10.2023 – Umfrage zum Ausbau am Flughafen

Fast zwei Drittel sagen in einer Tamedia-Umfrage Ja zu längeren Pisten in Zürich. Sogar SP-Wählerinnen wackeln.

Die Verlängerungen der Westpiste 28 und der Nordpiste 32 am Zürcher Flughafen waren Ende August im Kantonsparlament äusserst umstritten. Sieben Stunden lang wurde gestritten, am Ende resultierte ein knappes Ja von 87 gegen 83 Stimmen.

Klarer sieht es in der Bevölkerung aus: Das Vorhaben des Flughafens scheint überaus populär zu sein. Fast zwei Drittel der knapp 7900 Teilnehmenden an einer Umfrage von Tamedia und «20 Minuten» antworteten auf die Frage «Würden Sie einer Pistenverlängerung zustimmen?» mit Ja oder eher Ja.

7897 Personen aus dem Kanton Zürich haben am 19. und am 20. September an der Umfrage von «20 Minuten» und Tamedia im Vorfeld der eidgenössischen Wahlen vom 22. Oktober 2023 teilgenommen. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit dem Umfrageinstitut Leewas durchgeführt. Leewas modelliert die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich bei der Hauptfrage liegt bei 2 Prozentpunkten. Bei den Auswertungen nach Geschlecht, Altersgruppen und Parteisympathien können statistische Unschärfen von 2 bis 7 Prozentpunkten entstehen. (red)

Dezidiert gegen die Pistenverlängerungen ist nur ein knappes Viertel der Befragten, eher dagegen sind 13 Prozent.

Männer sind gemäss der Erhebung noch flughafenfreundlicher als die Frauen: 71 Prozent der Teilnehmer und 58 Prozent der Teilnehmerinnen wollen die Pisten verlängern.

Das Alter spielt eine eher kleine Rolle, wobei die älteren Befragten tendenziell kritischer sind als die jüngeren – vielleicht weil Letztere öfter mit dem Flugzeug unterwegs sind. Mehr als zwei Drittel der 18- bis 34-Jährigen, aber «nur» 58 Prozent der über 65-Jährigen befürworten den Ausbau in Kloten.

GLP-Basis klar für Ausbauten

Bemerkenswert ist die Auswertung der Umfrage nach Parteisympathien. Erwartbar war zwar, dass die freisinnige Basis das 250-Millionen-Franken-Projekt des Flughafens unterstützt. Dass es aber knapp 90 Prozent sind, ist erstaunlich.

Was ebenfalls überrascht: Gut 70 Prozent der GLP-Anhängerschaft stehen hinter den Flughafenplänen. Die GLP hatte sich im Parlament schwergetan mit dem Entscheid. Schliesslich sagte eine klare Mehrheit der grünliberalen Kantonsrätinnen und Kantonsräte Nein. Gleichwohl sorgten der einzige Befürworter und die beiden Frauen, die sich ihrer Stimme enthielten, für die Entscheidung zugunsten des Flughafens.

Gegen Pistenverlängerung am Flughafen Zürich ist nur die Linke

Ähnlich gross wie bei der GLP-Wählerschaft ist die Begeisterung für die Pistenverlängerungen beim Anhang von SVP und Mitte.

Nicht so klar ist die Haltung der SP-Basis. Angesichts der fulminanten ablehnenden Voten der SP-Sprecherinnen und -Sprecher im Kantonsrat fällt das 54-prozentige Nein der SP-Unterstützenden eher dünn aus. Allenfalls spielt hier eine Rolle, dass der rot-grüne Zürcher Stadtrat die Pistenausbauten befürwortet.

Eine klare Ablehnung signalisiert nur die Anhängerschaft der Grünen, bei denen sich vier von fünf gegen die Pistenausbauten aussprechen.

«Die Bevölkerung steht hinter dem Flughafen – und nutzt ihn auch stark.»

Andreas Schürer, Komitee Weltoffenes Zürich

Kann der Flughafen nun den Champagner kühl stellen? «Das nicht gerade, aber das Resultat freut uns», sagt Andreas Schürer. Er ist Geschäftsführer des Komitees Weltoffenes Zürich, das sich für eine gute internationale Erreichbarkeit des Standorts einsetzt.

Schürer sagt, er sei keineswegs überrascht von den Umfrageergebnissen: «Die Bevölkerung steht hinter dem Flughafen – und nutzt ihn auch stark.» Sie denke sachlicher als etwa der Kantonsrat, der eine Grundsatzdebatte über die Luftfahrt geführt habe, mutmasst er. Und sachlich seien die geplanten Pistenverlängerungen gut begründet. «Sie dienen der Sicherheit und der Verlässlichkeit des Flughafens», sagt Schürer und zieht einen Vergleich.

Die SBB seien auch auf einen verlässlichen Betrieb angewiesen. Und wenn ein Bahngleis im Zürcher Hauptbahnhof zu kurz sei, um den geplanten Betrieb zu gewährleisten, und regelmässig kurzfristig umdisponiert werden müsse, wäre niemand gegen eine Verlängerung des betreffenden Gleises.

Schürer ist zuversichtlich, dass in den nächtlichen Randzeiten weniger an- und abgeflogen werden muss, wenn der Flugbetrieb aufgrund der längeren Pisten stabiler ist.

Gegner glauben trotzdem an Volks-Nein

Von den Umfrageresultaten nicht entmutigen lässt sich die Gegenseite. «Wir geben nicht auf und glauben immer noch an ein Nein des Stimmvolks», sagt Urs Dietschi. Er ist Kantonsrat der Grünen und weibelt namens des Vereins Fair in Air gegen die Pistenausbauten.

Für Dietschi ist klar, dass die Pistenverlängerungen dem Ausbau der Flugkapazitäten dienen sollen. Vielen Leuten sei noch nicht bewusst, dass der Flughafen bis 2030 mehr als 330’000 An- und Abflüge und 50 Millionen Passagiere bis 2040 anpeile, sagt Dietschi. Zum Vergleich: Vor Corona war die 30-Millionen-Marke geknackt worden und hatte der Flughafen etwas mehr als 270’000 Flüge verzeichnet.

«Es ist doch völlig klar, dass dies letztlich zu häufigeren Nachtflügen und damit zur Mehrbelastung der Bevölkerung führen wird.»

Urs Dietschi, Fair in Air

Gemäss dem Flughafenkritiker Dietschi ist in Kloten alles auf Wachstum eingestellt. Neue Terminals, Schnellabrollwege und längere Pisten zielten auf die Abwicklung von mehr Flügen pro Stunde und ermöglichten insgesamt mehr Flugbewegungen.

Kürzlich habe die Swiss neue Destinationen angekündigt, abgebaut würden aber keine. «Es ist doch völlig klar, dass dies letztlich zu häufigeren Nachtflügen und damit zur Mehrbelastung der Bevölkerung führen wird», sagt Dietschi.

Wachstum Nein, weniger Verspätungen Ja

Die Bevölkerung scheint dies anders zu sehen, oder es scheint sie nicht zu kümmern. In einer Tamedia-Umfrage Anfang Jahr hatte sich eine klare Mehrheit der Teilnehmenden gegen ein Wachstum auf dem Flughafen Zürich ausgesprochen. Schneidet man jene Resultate mit den neuen Umfrageergebnissen gegen, liegt die Schlussfolgerung nahe, dass die Bevölkerung dem Flughafen vertraut, dass er die Pistenverlängerungen für betriebliche Optimierungen nutzt.

Diese sollen gemäss Airport dazu führen, dass es zu weniger Verspätungen und weniger Flügen in der Nacht kommt. Die Gemeinden südlich des Flughafens würden leicht entlastet – auf Kosten der Ostgemeinden.

Volksreferendum wacklig

Unbeirrt sammelt Urs Dietschis Verein Fair in Air, der aus dem früheren Bürgerprotest Fluglärm Ost hervorgegangen ist, weiterhin Unterschriften für das Volksreferendum gegen den Pistenentscheid des Kantonsrats. Formell wäre dieses nicht nötig, da die SP, Grünen und AL bereits erfolgreich im Parlament das Behördenreferendum ergriffen hatten. Die Pistenfrage kommt also ohnehin vors Volk, voraussichtlich im Frühling.

Dietschi und seine Mitstreiter wollen aber ein politisches Zeichen setzen. Kommt das zweite Referendum zustande, darf das Referendumskomitee seine Argumente in der Abstimmungszeitung darlegen.

Dietschi ist zuversichtlich, dass das klappt. Allerdings fehlen ihm knapp drei Wochen vor Fristablauf Ende Oktober noch rund die Hälfte der benötigten 3000 Unterschriften.